Am Tag träumen: Ist das gut?

Von: dpa
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Berühmt sein wie Thomas Müller oder Heidi Klum: Davon darf man gerne auch mal am Tag träumen. Viele Kinder tun das, aber auch Erwachsene. Foto: dpa

Aachen. Ich bin ein berühmter Fußballspieler und mache bei einer Weltmeisterschaft mit. Von so etwas oder ähnlichen tollen Dingen träumen wir manchmal am Tag. Tagträume nennen das Fachleute. Heiko Ernst ist Experte für Tagträume.

Er ist fast 70 Jahre alt. 25 Jahre lang war er Chefredakteur einer Fachzeitschrift für Psychologie. Sie heißt „Psychologie heute“. Für die schreibt Heiko Ernst weiter kluge Aufsätze. Er hat uns erzählt, wofür Tagträume gut sind.

Was sind Tagträume genau?

Heiko Ernst: Tagträume sind wie Filme im Kopf. Diese Fantasien denken wir uns manchmal bewusst aus, oft kommen sie uns aber auch ganz von alleine in den Sinn. Tagträume können schön, spannend oder aggressiv sein. Sie alle haben aber gemeinsam, dass wir in ihnen die Hauptrolle spielen.

Worum drehen sich unsere Tagträume oft?

Heiko Ernst: Tagträume kreisen meist um unsere Wünsche. Wir stellen uns etwas vor, was uns in der wirklichen Welt gerade fehlt. Kinder stellen sich gerne vor, groß zu sein und selbst zu bestimmen. Viele Menschen träumen außerdem davon, etwas besonders gut zu können. Sie stellen sich vor, wie es wäre, beliebt, berühmt oder erfolgreich zu sein.

Hilft das Träumen gegen Langeweile?

Heiko Ernst: Es ist das beste Mittel gegen Langeweile. Allerdings haben Forscher festgestellt, dass man die Fähigkeit, die Langeweile mit Fantasien zu vertreiben, auch verlernen kann. Das passiert, wenn man in jedem langweiligen Moment gleich auf das Fernsehen oder eine andere Ablenkung zurückgreift. Wenn man dann doch mal auf sich allein gestellt ist, weiß man nichts mit sich anzufangen, und die Langeweile ist schlimmer denn je.

Fantasieren Kinder mehr als Erwachsene?

Heiko Ernst: Das ist schwer zu sagen. Von Kindern weiß man natürlich, dass sie sehr häufig in eine Fantasiewelt abschweifen, beim Spielen oder wenn sie sich in der Schule langweilen. Erwachsene träumen auch, wenn ihnen langweilig wird. Sie sorgen aber meist dafür, dass es ihnen keiner anmerkt.

Kinder werden von Erwachsenen häufig ermahnt, nicht zu träumen. Ist das Tagträumen denn manchmal auch schlecht?

Heiko Ernst: Natürlich ist es nicht gut, wenn man zum Beispiel in der Schule immer träumt, denn dann lernt man ja nichts. Auf der anderen Seite sollte es Lehrern aber auch zu denken geben, wenn sie merken, dass ihre Schüler ständig abschweifen. Denn das könnte bedeuten, dass ihr Unterricht zu langweilig oder der Unterrichtsstoff zu schwer ist. In schwierigen Situationen neigt der Mensch nämlich auch dazu, sich in Fantasiewelten zu begeben.

Können Tagträume auch in anderen Situationen helfen?

Heiko Ernst: Ja. Wenn man traurig ist, weil man sich zum Beispiel mit einem Freund zerstritten hat, kann man sich trösten, indem man in schönen Erinnerungen schwelgt. Wenn man auf jemanden böse ist, kann man demjenigen in Gedanken mal ordentlich die Meinung sagen. In seiner Fantasie kann man sich sogar rächen, ohne Angst haben zu müssen, dafür bestraft zu werden. Manchmal hat man seinen Ärger darüber dann schon ein bisschen verloren.

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