Zwischen Mensa und Mikrowelle: Wie Studenten sich gesund ernähren

Von: Philipp Laage, dpa
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Studentenfutter: Nicht nur in der Mensa lässt sich preiswert speisen, auch daheim ist eine gute und günstige Ernährung möglich. Foto: dpa

Münster/Bonn. Mit Beginn des Studiums ergeben sich ganz neue Aufgaben. Die WG muss saubergehalten, das Haushaltsbudget verwaltet und der eigene Kühlschrank gefüllt werden. Wer sich neben Uni, Arbeit und Studentenleben gesund ernähren möchte, steht in der Regel vor zwei wesentlichen Problemen.

Das Geld ist knapp und die Zeit zum Kochen meistens auch. Dabei bedeutet ein stressiger Alltag und wenig Geld noch lange nicht, dass sich der Student nur mit Tiefkühlpizza und Döner Kebap zufriedengeben muss. Eine gute Ernährung ist trotz knapper Kasse möglich.

Weil das Bachelor-Studium viel Zeit in Anspruch nimmt und bewusste Ernährung leider auch, ist es für Lisa Marie Wehn schwierig, beides unter einen Hut zu kriegen. Sie studiert im zweiten Semester Philosophie und Französisch in Münster.

„Ich versuche, darauf zu achten, Obst und Gemüse zu kaufen, aber das wird später durch Tiefkühlkost oder Süßigkeiten kompensiert.” Als sie zu Studienbeginn noch arbeitete, kaufte sie so viele Bio-Artikel wie möglich. „Wenn ich kann, dann investiere ich auch gerne in so etwas.”

Um sich vollwertig zu ernähren, sollten Studenten über die Auswahl und Menge von gesundheitsfördernden Lebensmitteln und deren nährstoffschonender Zubereitung Bescheid wissen, rät Christina Ferber vom Projekt „Job&Fit” der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. So könnten sie Lebensmittel bewusst auswählen und zubereiten. „Vollkornteigwaren oder Vollkornreis sind zum Beispiel nicht teurer als helle Nudeln und polierter Reis.” Mahlzeiten selber kochen koste zwar mehr Zeit, könne aber bares Geld sparen.

Die Basis der Ernährung sollten Getreideprodukte, Obst und Gemüse bilden, rät Ferber. Brot, Teigwaren, Reis und Kartoffeln bekommen Studenten in jedem Lebensmittelgeschäft zu günstigen Preisen. Der Wochenmarkt bietet eine gute Auswahl an saisonalen Obst- und Gemüsesorten. Diese Sorten gibt es meist aus einheimischem Anbau zu günstigeren Preisen.

Außerdem sind Obst und Gemüse dann voll ausgereift, was sich besonders bei Obst beim Geschmack bemerkbar macht. „Kurz vor dem Schließen der Marktstände sind oft günstige Angebote möglich”, ergänzt die Ernährungsexpertin.

Eine gute Alternative zu frischem Obst und Gemüse seien naturbelassene Tiefkühlprodukte - ohne Gewürze, Butter oder fertige Soße, erklärt Ferber. Sie werden kurz nach der Ernte verarbeitet und schockgefrostet. „So bleiben die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe weitestgehend erhalten”, erklärt Ferber.

Dass Tiefkühlkost nicht zwangsläufig schlecht sein muss, findet auch Luca-Moritz Gültas, Koch und Studentenkochbuch-Autor aus München. Direkt nach der Ernte eingefrorenes Gemüse komme meistens sehr frisch aus der Kühltruhe.

Der Gefrierschrank kann aber auch anderweitig ein guter Helfer sein. Er lohne sich für größere Mengen selbst zubereiteter Tiefkühlkost, erklärt Gültas. „Gerade wenn Studenten alleine kochen, haben sie oft Mahlzeiten für mehrere Tage übrig.” Die könnten dann täglich unterschiedlich verfeinert werden. Damit es sich lohnt, wird am besten von vornherein mehr gekocht. „Einmal die Woche treffe ich mich mit ein paar Freunden und wir kochen dann zusammen - auch gesund und ausgewogen”, erzählt die 20-jährige Studentin Lisa.

Damit nicht immer das Gleiche auf dem Teller landet, lohne es, einige Lebensmittel immer im Haus zu haben, rät Gültas. „Nudeln und Reis sollten immer da sein, dazu Eier, Käse und Schinken. Das alles hält sich relativ lange und ist vielseitig einsetzbar.” Auch eine kleine Sammlung an frischen oder tiefgefrorenen Kräutern sei wichtig. „Dazu kommen dann noch Tomatenwürfel aus der Dose, die für alle Arten von Nudelsoßen unerlässlich sind.”

Nudeln mit Tomatensoße oder Teigwaren mit Fischfilet und Gemüse oder Salat seien auch mit geringen finanziellen Mitteln erschwinglich, sagt Ferber. Auch Kartoffeln lassen sich vielseitig zubereiten - am besten wird gleich die doppelte Menge gekocht: „Am ersten Tag gibt es Pellkartoffeln mit Quark und Gemüsestreifen, am zweiten Tag Bratkartoffeln mit Spiegelei und Salat.”

Wenn das Kochen zu Hause aus Zeitgründen nicht zu machen ist, bietet die Mensa meist eine günstige Alternative. „Was die Studenten so zahlreich zu uns treibt, ist wohl das gute Preis-Leistungsverhältnis”, sagt Andre Abbing. Er ist Produktionsleiter beim Akademischen Förderungswerk in Bochum und zuständig für die Versorgung der vier dortigen Hochschulen. „Bei uns steht jeden Tag Salat und Gemüse auf dem Speiseplan, einmal in der Woche gibt es Fisch.” Etwa zehn Prozent der Studenten ernährten sich vegetarisch, der Großteil wähle aber solide Hausmannskost. Mediterrane und asiatische Gerichte sind ebenfalls beliebt.

Literatur:
Luca-Moritz Gültas: Studenten-Kochbuch. GU, ISBN: 978-3-833-81475-4, 12,90 Euro.
August Oetker: Studentenfutter Multikulti. Dr. Oetker, ISBN: 978-3-76700-977-6, 9,95 Euro.


Immer mit Einkaufsliste

Eines sollten Studenten auf keinen Fall tun - hungrig einkaufen. Wer selbst kocht, hält sich am besten strikt an seine Einkaufsliste, empfiehlt der Koch Luca-Moritz Gültas. „Als Tipp gilt: Weniger ist mehr! Was an Euros übrig bleibt, darf dann auch gerne in Genuss investiert werden.” Wer im Supermarkt an den Süßigkeiten vorbeigeht, ohne immer etwas mitzunehmen, hat auch mal Geld über für Gesundes.
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