Zwei in einem: Wirtschaftsingenieure müssen Multitalente sein

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Berlin. Der Wirtschaftsingenieur ist ein Multitalent. Er weiß nicht nur, was technisch machbar ist, sondern auch, was sich rechnet und gut verkauft.

Nebenbei muss er kreativ sein und ständig Ideen für neue Geräte und Produkte haben. Für manchen dürfte das ein bisschen viel verlangt sein - ein solches Studium ist daher nicht für jeden etwas. Auf dem Arbeitsmarkt sind die Fachkräfte aber begehrt.

„Das Interessante daran ist der Brückenschlag zwischen Technik und Wirtschaft”, sagt Alexander Dockhorn vom Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure mit Sitz in Berlin. „Das ist also etwas für alle, die sich zum Beispiel für Maschinenbau interessieren, aber nicht nur rein technisch arbeiten wollen.” Der Blickwinkel in dem Fach sei weiter: Während ein Maschinenbauer sich nur darum kümmere, wie etwa der Kotflügel eines Autos windschnittig wird, achte der Wirtschaftsingenieur zum Beispiel auch darauf, wie er sich günstig herstellen lässt.

Diese Mischung kommt offenbar gut an: In den vergangenen Jahren verzeichnete der Fachbereich einen rasanten Zuwachs. So gab es im Wintersemester 2007/08 laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden insgesamt 57 763 Studenten in dem Fach - damit ist ihre Zahl innerhalb von fünf Jahren um fast 44 Prozent gestiegen. Auch unter den Studienanfängern ist Wirtschaftsingenieurwesen eines der beliebtesten Fächer in Deutschland: Den Angaben zufolge haben sich 2007 im Wintersemester 11 748 Studienanfänger dafür entschieden - das war Platz fünf unter allen Fächern.

Eine Kombination aus zwei verschiedenen Bereichen sei aber auch eine Doppelbelastung für Studenten, warnt Dockhorn. „Man macht bis zu 75 Prozent eines technischen und bis zu 75 Prozent eines wirtschaftlichen Studiums - das bedeutet, dass Studenten manchmal 150 Prozent geben müssen.” Das Studium sei daher in der Regel sehr anstrengend und lernintensiv: „Man hat am Anfang des Semesters BWL-Klausuren, und am Ende kommen die Maschinenbau-Klausuren.”

Zudem müssten sich Wirtschaftsingenieure manchmal auch noch anhören, sie würden nichts Halbes und nichts Ganzes lernen. „Der Wirtschaftsingenieur ist wie eine Ente, heißt es dann: Er kann weder richtig fliegen noch richtig schwimmen”, erzählt Dockhorn. Es gebe aber einen großen Bedarf an Fachleuten, die als Generalisten zwischen Technikern und etwa dem Vertrieb vermitteln können. „Man muss sich nur darüber im Klaren sein: Ich werde damit wohl nicht in der technischen Konstruktion landen.”

Die Arbeitsmöglichkeiten sind breitgefächert: Sie reichen von der Produktentwicklung über das Marketing bis hin zum Management. Der Frauenanteil unter den Beschäftigten ist dabei deutlich höher als in klassischen Technikfächern: Laut der Bundesagentur für Arbeit lag die Quote 2007 bei rund 12 Prozent - im Maschinenbau dagegen nur bei 5,4 Prozent.

Die beruflichen Perspektiven für Absolventen sind gut: Laut dem Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover sind 95 Prozent der Uni-Abgänger und 90 Prozent der FH-Absolventen fünf Jahre nach dem Abschluss erwerbstätig, arbeitslos sind nur jeweils drei Prozent.
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