Zur Wissenschaftsnacht gab es auch Proteste

Von: Jan Mönch
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Die Wissenschaftsnacht kam protestierenden Studenten gerade recht: Mit einer Aktion im Hörsaal Fo3 wirbelten sie das Programm leicht durcheinander - was jedoch weder die Besucher, noch den RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg (vorne links) nachhaltig irritierte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Auswirkungen des Protests finden auf einer DIN-A3-Seite Platz. „Alle Veranstaltungen, die für den Hörsaal Fo3 angekündigt waren, finden im RWTH-Hauptgebäude statt”, heißt es auf dem Aushang im Eingangsbereich des Kármán-Auditoriums. Begründet wird die Planänderung nicht.

Im und am Auditorium kam am Freitagabend allmählich die Wissenschaftsnacht in die Gänge. Seit 2003 findet diese einmal jährlich statt. Die Hochschule möchte „Wissenschaft auf unterhaltsame Weise präsentieren”, sagt Organisator Thomas von Salzen - mit einem Programm zum Hingucken und zum Zuhören, mit Ausstellungsstücken, die neugierig machen, und mit Vorträgen, die auch Laien verstehen.

Drei dieser Vorträge mussten auf die andere Seite des Templergrabens verlegt werden. Denn in Fo3 hatten sich einige Dutzend Studenten eingenistet. Geprobt wurde der Bildungsstreik, gefordert unter anderem die Abschaffung von Studiengebühren und eine Lockerung der Studienbedingungen an der Elite-Uni. Eine spontan entstandene Aktion, die Wissenschaftsnacht kam natürlich gelegen, um sich Gehör zu verschaffen.

In den anderen Sälen gingen die Veranstaltungen unbeeinträchtigt über die Bühne. Sie waren bestens besucht. Zur Begrüßung von TH-Rektor Ernst Schmachtenberg war kaum ein Durchkommen, bei einer Veranstaltung über das „Universum Gehirn” nahm manch einer auf dem Fußboden Platz. Regelrecht belagert wurde auch ein im Super C ausgestellter Rennwagen.

500 Gäste besuchten die Wissenschaftsnacht mit damals fünf Einzelveranstaltungen bei ihrer ersten Auflage im Jahr 2003. Im vergangenen Jahr waren es 5000 Besucher bei 31 Veranstaltungen. In diesem Jahr gab es bereits 40 Veranstaltungen - die Wissenschaftsnacht wächst von Jahr zu Jahr, genau wie die TH.

Wo bleibt da der Mensch?, fragten die Streikenden in Fo3 und versuchten, Gäste über ihre Sache zu informieren.

Mit Dr. Carmen Leicht-Scholten, deren Wissenschaftsquiz „Wer wird Diversionär?” ins Hauptgebäude verlegt wurde, haben die Studenten versucht, sich zu arrangieren - ihre Veranstaltung hätte in Fo3 stattfinden können, trotz der Protestaktion. Die Dozentin war einverstanden, die Organisationsleitung allerdings lehnte ab. „Man wollte uns kein Forum bieten”, meinen die Studenten.

Leicht-Scholten glaubt das nicht: „Es war einfach schon umorganisiert worden.” Dennoch hatten sich zum angekündigten Zeitpunkt nur wenige Besucher in ihrer Veranstaltung eingefunden.

Verwirrendes Szenario

In Fo3 dagegen war schwer was los. Skapunk hallte aus den Lautsprechern, die Wände waren mit Protestplakaten tapeziert. Aus der Fachschaft Philosophie hatte man sich ein Sofa besorgt, auf dem die Protestler sich einige Biere genehmigten. Nach und nach aber gelang es, eine Diskussion in Gang zu bringen. Auch Rektor Schmachtenberg hörte zu.

In der letzten Reihe saß linksaußen ein Mann mit Brille und strengem Seitenscheitel. Etwas verwirrt verglich er das Szenario, das sich ihm bot, mit der Ankündigung in seinem Prospekt. Auch er hatte wohl den Aushang im Erdgeschoss übersehen. Ein Student wies ihn auf die Planänderung hin. Der Mann verließ mit schnellen Schritten den Saal.
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