Zukünftiger Wettbewerb: Tolle Maschinen allein sind keine Lösung

Von: Axel Borrenkott
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„Der Mensch soll das machen,
„Der Mensch soll das machen, was er am besten kann”: Zukunftsfähige Produktion muss die Technik und die Möglichkeiten der Beschäftigten gleichermaßen - und besser - im Blick haben. Foto: Peter Winandy

Aachen. Flexibilität, Ressourceneffizienz, Technologieführerschaft. Die Werbung für das Mega-Event mit dem so altertümlich wuchtigen Namen „Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium” (AWK) spart nicht gerade mit den Reizwörtern der europäischen Wohlstandssicherung.

In der Tat sind die Fragen, die am Mittwoch und am Freitag im Eurogress von ausgesuchten Top-Experten beantwortet werden sollen, von existenzieller Bedeutung für die hiesige Wirtschaft. Wie nämlich kann man in unseren - relativen - Hochlohn-Gesellschaften Waren auch in Zukunft noch global wettbewerbsfähig produzieren? Mehr als 1300 Teilnehmer, vor allem aus der Industrie, erwarten pragmatische Persspektiven.

Immerhin bis zu 21 Millionen Arbeitsplätze - mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen - hängen in Deutschland mittelbar und unmittelbar an der Produktionstechnik. Ob eine Volkswirtschaft unbedingt Güter produzieren muss, um Wohlstand zu erwirtschaften, ist zwar inzwischen eine ernsthaft diskutierte Frage.

Es hat sich allerdings gezeigt, dass industriestarke Volkswirtschaften die Wirtschafts- und Finanzkrise der gerade vergangenen Jahre besser überstanden haben als andere. Namentlich die deutsche Wirtschaft brummt wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, während die USA ein regelrechtes Reindustrialisierungs-Programm auflegen mussten.

Gute klimatische Bedingungen also für das AWK und seinen ranghöchsten Gastgeber. Robert Schmitt ist derzeit turnusgemäß Geschäftsführer der vier Direktoren des WZL, das das Kolloquium veranstaltet - und die Messlatte ziemlich hoch gelegt hat. Schmitt: „Die Produktionstechnik kann Antworten geben, oder sie verliert ihre Führungsrolle”, als Wohlstandstreiber in Deutschland.

Technik für Hochlohnländer

Unübersehbar signalisiert denn auch der Titel des 27. AWK, dass diese Antworten in Aachen gefunden wurden. „Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer” ist nämlich gleichzeitig der Name des schwerwiegendsten Exzellenzclusters der RWTH. Die ersten Ergebnisse dieses Forschungsverbunds um das WZL und das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik herum sollen auf der Tagung präsentiert werden. Dass das seit 2007 betriebene Cluster in den richtigen Spuren forscht, zeige sich schon daran, so Schmitt, „dass wir die relevanten Themen bearbeiten, die in der Industrie diskutiert werden”.

Dazu gehört im Kern die Erkenntnis, dass nicht technisch bessere Maschinen allein besser produzieren. Sondern dass man heute alles Wissen aus allen möglichen Disziplinen - „integrativ” eben - zusammendenken muss, um Fabriken, Prozesse, ja ganze Wertschöpfungsketten so flexibel, effizient, kostengünstig und, nicht zuletzt, menschlich, so zu gestalten, dass sie sich lohnen und die Beschäftigten sich darin wohlfühlen.

Konkret geht es dann um Fragen, wie man ein Maschinensystem so konzipiert, dass es sowohl große Stückzahlen fertigen, gleichzeitig aber individuelle Kundenwünsche befriedigen kann. Oder wie maschinelle Massenfertigung in der Qualität handwerklicher Kunst gelingt. Ein ganz entscheidendes Zukunftsthema ist schließlich, Maschinen so „intelligent” zu machen, dass sie sich selbst steuern können und den an ihr tätigen Menschen nicht überfordern.

„Der Mensch soll das machen, was er am besten kann”, nennt Schmitt die dazugehörige Parole. Das soll einmal heißen, dass der Mensch nur da einzugreifen braucht, wo Unvorherzusehendes passiert. Das meint aber auch, Maschinen so bedienungsfreundlich zu machen, dass sie „nicht als Bedrohung, sondern als Unterstützung” empfunden werden, was letztlich auch bedeutet, geringer qualifizierten Beschäftigten Arbeit erhalten zu können.

„Das Ganze liegt nicht in der Maschine,” fasst Schmitt die wesentliche Botschaft dieses 27. Werkzeugmaschinen-Kolloquiums zusammen, in dessen Programm der Begriff Ingenieur übrigens gar nicht mehr auftaucht.
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