Zu laut: Stadt lässt RWTH das Gas abdrehen

Von: Robert Esser
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Dämmung freigelegt: Werkstattleiter Hans-Peter Nießen und ein Expertenteam müssen Rohre und Kamin hinter der Brennkammer neu isolieren - der Lärm auf Melaten sprengte den Grenzwert. Foto: Robert Esser

Aachen. Nach ohrenbetäubend lauten Testläufen hat das Umweltamt der Stadt Aachen den Volllastbetrieb im Institut für Dampf- und Gasturbinen auf Melaten verboten.

Wegen Anwohnerbeschwerden aus Laurensberg hatten Immissionsschutz-Experten aus 750 Metern Entfernung die Lärmpegel bei Testläufen einer neuen, umweltfreundlicheren Brennkammer aus dem RWTH-Labor zum späteren Einsatz in Gaskraftwerken gemessen.

Dabei lag der Spitzenpegel mit 94,2 dB(A) deutlich über dem Grenzwert für Wohngebiete von 85 dB(A). Ein weiteres Problem für das Institut an der Mathieustraße ist der Durchschnittswert über 16 Stunden, der mit 52 dB(A) am zulässigen Mittelwert der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm” kratzt.

Professor Dr. Dieter Bohn, Chef des seit dem Jahr 2000 für mehr als 16 Millionen Euro aufgebauten Instituts, betonte am Montag, dass man ohne optimalen Lärmschutz keine Testläufe mehr fahren werde. „Die Geräuschdämmung greift nicht wie geplant. Stattdessen leiden wir unter einem unangenehm lauten Kammerton A in Höhe von 440 Hertz”, sagte Bohn. „Wir wissen noch nicht, wo der hohe Ton herkommt; berechnet war nur der halbe Wert.”

Derzeit demontieren die RWTH-Experten im Schulterschluss mit der Spezialfirma, die den röhrenden Kamin gebaut hat, den Schallschutz der Anlage. Dieser muss nicht nur Krach, sondern auch Hitze schlucken, da das Gas bei rund 1200 Grad Celsius mit bis zu 16 Bar aus der Brennkammer gepresst wird. „Danach kühlen wir das Gas durch Wassereinspritzung. Womöglich wird der Wassernebel aber nicht fein genug zerstäubt, und die Explosion zahlloser Wassertröpfchen unter dem enormen Druck verschlimmert die Geräuschentwicklung”, vermutete der Professor.

Schnellstmöglich will Bohn die Ursache ausfindig und die Testläufe leiser machen. „Ganz sicher, wir schaffen das”, betonte er. Mehrere hunderttausend Euro könne die neue Schallisolierung verschlingen, der Volllastbetrieb werde mindestens bis Weihnachten ruhen. Für die Kosten habe man bereits Partner aus der Industrie gewinnen können, schließlich seien die Erkenntnisse aus dem Institut für Dampf- und Gasturbinen weltweit gefragt, hieß es.

„Wir schätzen die Arbeit von Professor Bohn im Hinblick auf seine Forschung für umweltfreundliche Kraftwerke”, erklärte Aachens Umweltdezernentin Gisela Nacken. „Allerdings haben auch die Anwohner ein berechtigtes Interesse auf lärmfreies Wohnen.” Man hoffe nun auf einen künftig verbesserten Schallschutz. Erst bei nachgewiesener Einhaltung der Richtwerte dürfe das Institut wieder mit voller Kraft seinen Testbetrieb aufnehmen.
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