Wohnen im Container oder im Schaufenster

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
„Wohnen auf Zeit”: Architekt
„Wohnen auf Zeit”: Architektur-Student Umut Kocak (rechts) kann sich das in hochkant gestellten Übersee-Containern vorstellen. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (links) fand Gefallen daran. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Eine ganz wunderbare Aktion” - NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze ist erkennbar angetan von den Aachener Bemühungen, mehr Wohnraum für mehr Studenten zu schaffen. Für die wird es in den kommenden Jahren absehbar eng in der Stadt. Mit der Kampagne „Extraraum” versuchen Stadt, RWTH und Fachhochschule, für möglichst viele junge Leute eine Bude aufzutreiben.

Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Studierenden in Aachen von derzeit rund 44 500 in den Jahren 2014 und 2015 auf etwa 48600 ansteigen wird. Ein Jahr zuvor dürfte der doppelte Abiturjahrgang der Stadt einen Anstieg auf knapp 47000 Studenten bescheren.

Grund genug also für Ministern Schulze, im Rahmen einer „Hochschul-Tour zum doppelten Abiturjahrgang” vor Ort nachzuschauen, wie sich die Universitätsstädte im Land auf den Ansturm und die damit verbundenen Herausforderungen vorbereiten. „Ich will sehen, wie wir vorankommen und wo wir als Land noch helfen müssen”, sagte Schulze beim Tour-Auftakt in Aachen. In der Flugzeughalle des FH-Fachbereichs Gestaltung gab es da für die Ministerin schon allerhand zu sehen -und zu lachen.

Denn die Plakatkampagne, mit der in der Stadt für „Extraraum” geworben werden soll, bietet allerhand skurrile Hingucker. Allein schon die Regalwand, in deren verschiedenen Fächern die jungen Leute nur mit wahnwitzigen Verrenkungen unterzubringen waren, amüsierte Svenja Schulze.

Daneben haben die Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule auch noch eine Kanaldeckel-Aktion ersonnen: Ein Gullydeckel mit angeschraubter Türklinke und Klingel vermittelt ein Gefühl dafür, wie tief man da noch sinken kann. Geplant sind laut FH-Professor Christoph Scheller auch Gespräche aus den offenen Kanalschächten heraus mit Passanten in Fußgängerzonen.

Viele Zimmer frei

Die Aachener sollen eben sensibilisiert werden für die Wohnungsnöte der Studierenden. Es gebe mehr Studienplätze und zusätzliche Stellen in der Lehre, so RWTH-Prorektor Prof. Aloys Krieg, „aber die Leute müssen ja auch irgendwo wohnen”.

In vielen großen Häusern gebe es wohl freie Zimmer, weil die Kinder inzwischen ausgezogen seien, meint Aachens Baudezernentin Gisela Nacken. Deshalb wurden schon mit den Grundsteuerbescheiden Schreiben verschickt, die Eigentümer zum Nachdenken über mögliche Kapazitäten ihrer Immobilien anregen sollen.

Nacken geht davon aus, dass „in den Spitzenzeiten des Booms”. etwa 4000 zusätzliche Wohneinheiten für Studenten gebraucht werden. „Etwa 1500 haben wir schon klar”, berichtete Nacken. Geschaffen wird zusätzlicher Wohnraum unter anderem durch den Umbau einer alten Fabrik in Studentenwohnungen. Auch an Containerdörfer sei schon gedacht worden. Wie die aussehen könnten, haben sich Studierende des Fachbereichs Architektur an der Aachener Fachhochschule einmal überlegt.

Auf mehreren Ebenen

„Wohnen auf Zeit” hieß die Aufgabe - und die Lösungen zeigen, dass Übersee-Container durchaus reizvoll angeordnet werden können. Umut Kocak hat sie in seinem Entwurf sogar hochkant gestellt. „Sportliches Wohnen” sei da gefragt, erklärte der Student, weil man zum Essen, Schlafen oder Lernen jeweils auf eine andere Ebene kraxeln müsse. Ministerin Svenja Schulze erkannte sofort den Vorteil dieses Entwurfs. „Da muss man auch immer bloß eine Ebene aufräumen.”

Mehr Ordnungssinn wären allerdings erforderlich bei einer Unterbringungsform, die bei der Plakatkampagne propagiert wird. Das „Schaufensterwohnen” in sonst leerstehenden Ladenlokalen dürfte eher etwas für junge Leute sein, denen ihre Privatsphäre nicht so wichtig ist.

FH-Rektor Prof. Marcus Baumann fand jedenfalls, dass die Studierenden ihre Aufgaben „mit Bravour” gelöst hätten. Und auch Aachens Baudezernentin Gisela Nacken zeigte sich angetan: „Die Zusammenarbeit mit den kreativen Leuten hat Spaß gemacht. Ich glaube, wir setzen das fort.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert