Wissen aus dem WWW: Wie Studenten das Internet richtig nutzen

Von: dpa
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Studierende können sich jetzt wieder in Eigenregie bei der Studienstiftung des deutschen Volkes für ein Stipendium bewerben. Anmeldungen für den Auswahltest werden vom 10. Januar an im Internet angenommen, teilt das Begabtenförderwerk mit. Foto: dpa

Leipzig/Frankfurt/Main. Mit Büchern lernen? Wie unpraktisch! Da kann man ja gar keine Volltextsuche machen. Und im Web findet man Stoff für Hausarbeiten doch viel schneller.

Das stimmt zwar. Nur ist das Netz mit seinen unzähligen Quellen noch verworrener als die größte Uni-Bibliothek.

Die Fakten gibt es bei Wikipedia, den Überblick bei Google und die Analyse in einem Blog. Mit Hilfe des Internets sollte eine Seminararbeit eigentlich im Handumdrehen gelingen. Ganz so einfach ist es leider nicht. Aber wer Bücher und das Netz clever kombiniert, kann sich die Arbeit deutlich erleichtern. Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick.

Mein Thema für die Seminararbeit habe ich. Wie gehts weiter?

Wer sein Thema als Erstes bei Google eintippt, dürfte schnell ernüchtert sein. Wissenschaftlich verwertbare Quellen findet man dort allenfalls zufällig. „Nutzen Sie besser Google Scholar”, rät Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig. Die Wissenschafts-Suchmaschine vermittele einen guten Eindruck, welche Literatur es zu einem Thema gibt. Viele Texte kann man anlesen, um zu entscheiden, ob man sich in der Bibliothek das Buch besorgen soll.

Muss ich im Internet-Zeitalter überhaupt noch in die Bibliothek?

Im Internet gibt es zwar unglaublich viele Texte - aber nicht unbedingt die besten. „Renommierte Wissenschaftler achten sehr darauf, wo sie veröffentlichen. Und das sind in der Regel von Verlegern betreute Fachzeitschriften und Bücher. Die wenigsten stellen sehr gute Texte einfach ins Internet”, sagt Schneider. „In einer Bibliothek können sich Studenten außerdem darauf verlassen, das alles dort brauchbar ist. Im Internet ist das völlig anders.”

Und was ist mit Wikipedia?

Als Quelle ist Wikipedia bei den meisten Prüfern nicht gern gesehen, weil jeder dort mitschreiben kann und keine offizielle Qualitätskontrolle stattfindet. Aber vor allem die Verweise am Ende der Artikel können einem dabei helfen, einen Überblick über wichtige Texte zum Thema zu finden. „Die Linksammlung unter einem Text ist häufig wichtiger als der Text selber”, sagt Schneider.

Welchen Seiten im Internet kann ich trauen?

„In Büchern findet man 90 Prozent Seriöses und 10 Prozent Unsinn - im Internet ist es umgekehrt”, meint Roland Schimmel, Professor an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Aber wie findet man die seriösen Inhalte? Als Erstes sollte man schauen, von wem die Seite ist. Daten vom Statistischen Bundesamt sind sicher seriös. „Auch bei Texten, die eine Uni oder ein bekanntes Forschungsinstitut ins Internet stellt, kann man der Quelle in der Regel vertrauen”, ergänzt Werner Sesink, Professor an der Technischen Universität Darmstadt.

Und was ist mit den vielen Seiten von weniger bekannten Autoren?

Im Internet finden sich auch viele gute Texte von Autoren, die sich noch keinen Namen gemacht haben. Das Problem dabei ist: Eigentlich müsste man schon Experte sein, um eine Quelle bewerten zu können. „Sonst kann man kaum unterscheiden, ob eine These nur sehr ungewöhnlich oder ob der Autor ein Spinner ist”, erklärt Schneider. Ein Anhaltspunkt sei, ob der Autor in seinem Text nachvollziehbar argumentiert, führt Sesink aus. „Wenn Tatsachenbehauptungen nicht mit Quellen belegt werden, macht das einen Text unbrauchbar.”

Was ist mit Seiten von Verbänden und Parteien?

Eine Gewerkschaft, die im Internet über einen Tarifkonflikt schreibt, könne auch eine Quelle sein, meint Schimmel. Eine ausgewogene Darstellung sollte man allerdings nicht erwarten. „Man muss sich im Internet immer fragen, mit welchen Interesse da jemand gerade nachdenkt.” Dabei gehe es nicht nur um offensichtliche Meinungsmache. „Wenn bestimmte Fakten in einem Text einfach weggelassen werden, ist das auch keine ausgewogene Analyse mehr.”

Kann ein Blog eine Quelle sein?

„In Blogs schreiben Autoren ganz unterschiedlicher Art - auch hoch renommierte Wissenschaftler”, erläutert Sesink. „Das ist dann in den meisten Fällen nicht unbedingt eine Quelle, die man zitieren kann. Aber Blogs können dem eigenen Denken gewaltig auf die Sprünge helfen und Wege zu Quellen weisen, die man sonst nicht gefunden hätte.”

Kann ich auch ohne das Internet eine gute Seminararbeit schreiben?

Das kommt ganz auf das Studienfach an. „Die Aktualität ist die größte Stärke des Internets”, sagt Schneider. Wer über ein aktuelles politisches Thema schreibt, wird am Internet nicht vorbeikommen. Für eine Seminararbeit über die Französische Revolution findet man aber auch alles in Büchern.

Wie zitiere ich Internet-Quellen richtig?

Wer aus dem Internet zitiert, muss nachvollziehbar zitieren, mahnt Schimmel. Man nennt den Autor, den Titel des Texts, nach Möglichkeit das Veröffentlichungsdatum, die Internetadresse und - ganz wichtig - das Datum, an dem man die Seite zuletzt aufgerufen hat. „Das Internet ist ein flüchtiges Medium. Was heute noch zu finden ist, ist übermorgen schon nicht mehr da oder deutlich verändert”, sagt Sesink. Am besten sollte man alle Seiten abspeichern und dem Prüfer auf CD mit einreichen - nur so seien Online-Quellen nachvollziehbar.

„Copy and Paste” ist das falsche Motto

Die Versuchung ist groß: Wenn man einen guten Text im Internet findet, kann man ihn ja auch mit ein paar Klicks in die eigene Arbeit kopieren. „Man findet teilweise nur noch Kollagen von Textstücken, die Studenten im Internet gefunden haben”, beklagt Prof. Werner Sesink. Wer mit einem solchen Plagiat auffällt, riskiert im schlimmsten Fall seinen Abschluss. Entscheidend ist deshalb, bei Texten aus dem Internet immer die Quelle anzugeben.

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