Weniger ist manchmal mehr: Hausarbeiten richtig angehen

Von: Tobias Schormann, dpa
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Nicht zu lange hinterm Bücherberg verschanzen: Bei Hausarbeiten müssen Studenten rechtzeitig mit dem Schreiben des eigenen Textes beginnen. Foto: dpa

Hannover. Studenten stehen oft wie der Ochs vorm Berg, wenn sie ihre erste Hausarbeit schreiben sollen: Die Büchern türmen sich vor ihnen auf, und sie fragen sich, wie sie all die Fachliteratur bewältigen sollen.

Dabei ist es ein typischer Anfängerfehler, sich bei Hausarbeiten zu viel vorzunehmen. Damit das nicht passiert, sollten Studenten folgende Tipps beachten:

THEMA EINGRENZEN: „Ein gutes Thema ist die halbe Arbeit”, sagt Elke Mittag, Studienberaterin der Universität Hannover. „Ein typisches Problem ist, dass das Thema ausufert. Dann ist die Gefahr groß, dass man nicht fertig wird.” Auch der Buchautor Alfred Brink warnt vor zu pauschalen Fragestellungen: „Weniger ist hierbei oft mehr”, sagt Brink, der an der Universität Münster Seminare zum Thema gibt. „Und in der Regel gilt der Grundsatz: Tiefe geht vor Breite.”

THESE AUFSTELLEN: Ist die Fragestellung der Arbeit gefunden, beginnt die Suche nach der Antwort. „Die Frage der Arbeit darf nicht am Ende einfach offen bleiben”, erklärt Brink. Als Antwort reicht „Ich finde Argument A persönlich irgendwie besser” aber nicht aus. Dafür muss eine wissenschaftlich begründete These her. Sie sollte der rote Faden in der Arbeit sein, erläutert Mittag. Eine gute Übung sei es, die These einem Kommilitonen zu erklären und sie dabei in wenigen Sätzen zusammenzufassen. „Wenn man das nicht kann, zeigt das, dass die Idee der Arbeit noch nicht so richtig ausgereift ist.”

GLIEDERUNG ERSTELLEN: Grob unterteilt sich der Text in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Der Rest sollte sich aus dem Inhalt ergeben: Die Leitfrage bedingt weitere Fragen, die zu ihrer Klärung bearbeitet werden müssen, erklärt Ludger Jansen von der Universität Rostock, der einen Leitfaden für Studenten erarbeitet hat. Auch „Mindmapping” sei eine gute Methode, um eine Gliederung zu erarbeiten, empfiehlt Brink. Dabei malen sich Studenten auf, welche Begriffe sich assoziativ aus dem Thema ableiten lassen. Das können sie sich später vor Augen halten, um den Überblick zu behalten. Ansonsten sei Mut zur Lücke wichtig, rät Brink. „Geschlossenheit geht vor Vollständigkeit. Alles muss mit rein ist der falsche Ansatz.”

FEEDBACK VOM DOZENTEN HOLEN: Studenten besprechen besser frühzeitig mit dem Dozenten, was in der Hausarbeit erwartet wird. Das geht vom Umfang der Arbeit über das Thema bis zu den Formalien. Allerdings dürften Studenten nicht erwarten, dass sie vom Professor gleich ein Thema mundgerecht serviert bekommen. „Die Haltung: Ich weiß nichts, sag mir, was ich tun soll, kommt gar nicht gut an”, warnt Mittag. Ein zweiter Termin in der Sprechstunde empfiehlt sich während des Schreibens an der Arbeit. „Dann kann man es noch korrigieren, wenn man auf dem falschen Dampfer ist.”

LITERATUR DURCHARBEITEN: Auch bei der Frage, welche Bücher besonders wichtig sind und welche sich für den Einstieg empfehlen, kann der Dozent wertvolle Tipps geben. Wer den Anspruch hat, die gesamte Forschungsliteratur durchzuackern, ist oft zum Scheitern verurteilt. Ein hoher Bücherberg macht zwar Eindruck, aber auch viel Arbeit. „Da halsen sich Studenten oft zu viel auf”, sagt Brink. Die Universität Jena empfiehlt Studenten, sich beim Exzerpieren der Literatur immer sofort die vollständigen Quellenangaben zu notieren. Das erspart später viel Sucherei: Müssen vor Abgabe der Arbeit noch Seitenangaben, Erscheinungsjahr oder Verlag nachgeschlagen werden, kann das eine Menge Arbeit machen.

RECHTZEITIG MIT DEM SCHREIBEN BEGINNEN: In den neuen Bachelorstudiengängen bleiben Studenten oft nur wenige Wochen für eine Hausarbeit. „Da muss man aufpassen, dass man sich nicht verzettelt”, warnt Mittag. Um das zu vermeiden, dürften Studenten sich nicht zu lange in die Literatur vertiefen. Denn dann sei die Gefahr groß, dass ihnen hinterher die Zeit zum Schreiben fehlt.

RICHTIG ZITIEREN: Wenn die Arbeit aus mehr Fußnoten als Text besteht, haben Studenten etwas verkehrt gemacht. Denn viele Zitate sind noch kein Zeichen für eine gute Arbeit. Eine Zitatsammlung sei keine eigenständige Arbeit, erläutert Brink. „Man darf Zitate also nicht bloß aneinanderreihen.” Auch ein Zitat aus den Büchern des Prof ist keine Pflicht. „Es gibt tatsächlich Dozenten, die sich wundern, wenn sie nicht in der Literaturliste vorkommen. Aber wenn das an den Haaren herbeigezogen wirkt, kommt das nie gut an.”

STIL: Auch für die Sprache der Wissenschaft gelten die Konversationsmaximen des Philosophen Herbert Paul Grice, erläutert Ludger Jansen. Zwei von ihnen lauten: Sei relevant und vermeide Weitschweifigkeit. Unverständliches Fachchinesisch und gestelzte Formulierungen sind in einer Hausarbeit also tabu. „Man darf das nicht künstlich verwissenschaftlichen”, warnt Mittag. Gerade Fremdwörter sollten nicht unnötig benutzt werden.

KORREKTURLESEN: Vor der Abgabe sollte eine Arbeit mindestens zweimal überarbeitet werden, rät die Universität Stuttgart. Einmal mit Blick auf sprachliche Fehler, einmal auf inhaltliche Unstimmigkeiten. Hierfür suchen Studenten sich am besten Kommilitonen als Korrekturleser. In einem letzten Korrekturgang sollten dann noch formale Fehler beseitigt werden.

Literatur: Alfred Brink: Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten. Oldenbourg, ISBN: 978-3486585124, 17,80 Euro.
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