Weltweit erstes Offshore-Windstudium startet in Oldenburg und Bremerhaven

Von: Normann Berg, dapd
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Oldenburg. Thomas Andernach steht schon lange nicht mehr auf der untersten Stufe der Karriereleiter. Der 49-jährige Diplom-Kaufmann ist bei der deutschen Direktion eines großen Schweizer Versicherungskonzerns verantwortlich für das Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien.

Dennoch geht der Mann aus dem hessischen Bad Homburg noch einmal an die Uni. Andernach ist einer von 24 Teilnehmern des weltweit ersten Offshore-Windstudiengangs. Der Startschuss an der Uni Oldenburg und der Hochschule Bremerhaven fällt am 12. Oktober.

Er habe zwar schon technische Erfahrungen gesammelt, etwa bei einem Onshore-Studium an gleicher Stelle, aber „Offshore werden die Karten neu gemischt”, sagt Andernach der Nachrichtenagentur dapd. Im Vergleich zu dem, was in Sachen Windenergienutzung auf hoher See in den nächsten zehn Jahren komme, seien die bisherigen Anstrengungen nur „Gehversuche” gewesen, fügt er an. Daher sei es auch ein „strategischer Faktor”, bei dem ersten Offshore-Studium präsent zu sein.

Neben dem Versicherungsfachmann und Betriebswirt haben sich auch andere Akademiker wie etwa Juristen und Ingenieure eingeschrieben. Hinzu kommen Quereinsteiger. „Es ist eine bunte Mischung”, sagt Projektkoordinatorin Juliane Reichel vom Windenergieforschungszentrum ForWind. „Dabei sind nicht nur Entscheider, sondern auch viele Praktiker, denn es geht viel um die Vermittlungen von Fertigkeiten, nicht nur von Wissen”, ergänzt Dozent und Curriculumsbeirat Hans-Peter Waldl.

Branche benötigt 30.000 neue Mitarbeiter

Anlass des neuartigen Studiengangs ist die hohe Nachfrage der Industrie nach ausgebildeten Fach- und Führungskräften. Experten rechnen damit, dass in den kommenden Jahren etwa 30.000 Stellen in der Branche geschaffen werden. Um den Unternehmen einen schnellen Nutzen zu garantieren, sind die Zugangsvoraussetzungen hoch: Ein Hochschulabschluss wird ebenso gefordert wie Berufserfahrung in der Windenergiebranche, Offshoreindustrie oder maritimen Wirtschaft.

Gleichfalls verlangt werden gute englische Sprachkenntnisse. Englisch ist nicht nur Branchen-, sondern auch Unterrichtssprache. „Continuing Studies Programme Offshore Wind Energy” (Weiterbildendes Studium Offshore-Windenergie) heißt das Angebot offiziell. Das berufsbegleitende Aufbaustudium läuft neun Monate und gliedert sich in fünf Module, die den Lebenszyklus eines Offshore-Windparks abbilden. Der beginnt bei Design und Ertragsprognosen, führt weiter über Finanzierung, Genehmigung, Technik, Installation sowie Netzanschluss und endet bei der Betriebsführung.

Im Fernstudium sollen sich die Studierenden primär in Fallstudien mit konkreten Aufgaben befassen. Los geht es mit einer Windparkplanung, die einem virtuellen Vorstand vorgestellt werden soll. Zwischendurch finden sogenannte Präsenzseminare in Bremerhaven, Bremen, Oldenburg und Elsfleth statt. Expertenreferate, Exkursionen und praktische Übungen stehen dort auf dem Programm.

Darauf freut sich Thomas Andernach besonders. Er habe schon viele Seminare und Kurse zum Thema Offshore besucht. Der Inhalt sei aber meist oberflächlich und dünn gewesen. „Hier tragen Kapazitäten vor. Ich hoffe, mit einem breiteren Wissen und neuen Netzwerkkontakten rauszugehen”, sagt er. Und das benotete Zertifikat als Fachkraft für Offshore-Windenergie nehme er auch gerne mit.
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