Weltweit einzigartiger Windkraft-Prüfstand an der RWTH

Von: Daniel Gerhards
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Auf dem Prüfstand: Ute Willems vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW übergibt den Schlüssel für das neue Versuchszentrum des Instituts für Maschinenelemente und Maschinengestaltung symbolisch am Prof. Georg Jacobs. Foto: Daniel Gerhards

Aachen. In das Schloss der neuen Halle passt der Schlüssel nicht. Das etwa eineinhalb Meter große hölzerne Schließinstrument wurde Professor Dr. Georg Jacobs lediglich aus symbolischen Gründen überreicht. Mit der Eröffnung der Versuchshalle für das Institut für Maschinenelemente und Maschinengestaltung (IME) der RWTH wird in Zukunft innovative Forschung in den Bereichen Windenergie sowie Bau- und Landmaschinen betrieben.

„Das ist hier deutlich mehr als eine einfache Halle. Letztlich ist das ein echtes Versuchszentrum”, erklärte Ute Willems vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. In der rund 800 Quadratmeter großen Forschungseinrichtung im RWTH-Erweiterungsgebiet Melaten ist ein Prüfstand auf einem 750 Tonnen schweren Schwingfundament installiert. Zusätzlich gibt es Montageplätze, eine Messwarte, weitere Technikflächen und Sozialräume.

Insgesamt investierten das IME, die RWTH, das Land NRW und die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) sieben Millionen Euro in das Projekt. Beinahe drei Millionen Euro steuerte das Institut aus der eigenen Kasse bei. „Das ist ein enorm hoher Anteil. Das konnten wir nur, weil wir in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet haben”, sagte Jacobs.

Forschen werden die Wissenschaftler künftig in den Bereichen Gebrauchsdauer von Windenergieanlagen und Energieeffizienz von Bau- und Landmaschinen. Damit setzt das Institut neue Maßstäbe für die Forschung: „Für die Windenergie steht ein solcher Prüfstand weltweit noch nicht zur Verfügung”, erklärte Jacobs. Schon bald wird die gesamte Gondel eines Windrads auf dem Prüfstand aufgebaut.

Dank der der breiten Technikkompetenz an der RWTH kann das Windenergiesystem auf dem Prüfstand umfassend untersucht werden. „Wir haben 16 Institute, die sich mit Windenergie beschäftigen”, erklärte Jacobs. Diese Kompetenz wolle man auf dem Prüfstand bündeln. Von Aerodynamik über Antriebssysteme, elektrischen Maschinen bis hin zur Leistungselektronik sind RWTH-Wissenschaftler an der Forschung beteiligt.

Für Bau- und Landmaschinen sollen innovative Antriebssysteme erforscht werden. „Dabei gibt es eine ähnliche Emissionsproblematik wie bei den Pkw. Aber man kann die Technik aus den Autos nicht ohne Weiteres übertragen. Dafür sind technische Neuerungen nötig”, erklärte Jacobs.

Der Versuchstand wird auch im Campus-Cluster „Schwerlastantriebssysteme” genutzt werden. „Wir sind zwar nicht auf dem Campus-Gelände, aber wir sind an das Cluster angebunden”, sagte Jacobs. Zudem habe das Versuchszentrum „Signalwirkung” für das Cluster. „Dort wollen wir einen solchen Versuchstand mit fünf Megawatt Leistung bauen” - der aktuell fertiggestellte hat ein Megawatt Leistung. „Dafür sind die Erfahrungen, die wir hier sammeln, sehr wichtig.”

Kunden stehen Schlange

Schon in dieser Woche werden die Forscher erste Versuche für Unternehmen aus der Industrie aufbauen. „Unsere Kunden stehen schon Schlange. Daher haben wir sehr auf die pünktliche Fertigstellung gedrängt”, erklärte Jacobs. Mit der neuen Versuchshalle sind die Arbeiten am IME aber noch längst nicht abgeschlossen. Im Januar 2011 beginnt Bau des zweiten Abschnitts des Versuchszentrums. Dort möchte Jacobs das Labor des IME, das heute räumlich „sehr beengt” ist, unterbringen.
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