Was macht das Gehirn, wenn einer Millionen riskiert?

Von: red
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Aachen. Emotionaler Kick oder nüchterne Kalkulation: Wie beeinflusst die individuelle Persönlichkeit finanzielle Entscheidungen? Welche neurobiologischen Grundlagen bestimmen, ob ein Mensch sich eher risikofreudig oder risikoarm verhält? Haben diese Anlagen Auswirkungen auf die Berufswahl?

Wissenschaftler aus der Klinik für Psychiatrie am Uniklinikum der RWTH untersuchen die molekularbiologischen Abläufe im Gehirn bei individuellen Finanzentscheidungen. Dabei kooperieren die Neurowissenschaftler unter Federführung von Prof. Ingo Vernaleken unter anderem mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler von Prof. Malte Brettel.

Mit einem interdisziplinären Ansatz, der ökonomische Entscheidungsmodelle, neuropsychologische Untersuchungsmethoden und moderne Bildgebungsverfahren verbindet, lassen sich die biologischen Grundlagen im Gehirn bei finanziellen Entscheidungsprozessen nachvollziehen und abbilden.

„Wir wissen, dass die Erwartung einer Belohnung oder eines positiven Erlebnisses dopaminäre Aktivitäten im ventralen Striatum auslöst”, berichtet Vernaleken. „Daher erwarten wir bei der Gruppe der risikofreudigeren Probanden während des Experiments eine erhöhte Dopamin-Synthesekapazität.”

Dieses Maß für die Funktionsfähigkeit eines wichtigen Botenstoffs im Hirn ist bekannt dafür, einen erheblichen Einfluss auf das menschliche Verhalten, seine Entscheidungsfindungen und seine Hirnleistung zu haben. Sollte sich diese These bewahrheiten, wäre ein interessanter Zusammenhang zwischen individueller Neurobiologie und Ökonomie gefunden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts kommen wirtschaftliche Entscheidungsmodelle aus der Volkswirtschaft zum Einsatz. Bei einem Lotteriespiel mit realen Ausschüttungen, das als Prototyp für Finanzentscheidungen dient, können sich die Probanden zwischen riskanteren Spielverläufen mit höheren Gewinnen und sicheren Varianten mit niedrigeren Gewinnen entscheiden. „Mit diesem Experiment lässt sich unterschiedliches Risikoverhalten abbilden”, erläutert Brettel.

Führungspersönlichkeiten?

Die ersten Messungen mit dem Positronen-Emissionstomographen (Pet) laufen bereits. Als Probanden wurden zunächst Studierende der Wirtschaftswissenschaften und der Humanmedizin sowie Lehramtsstudierende ausgewählt. „Interessanterweise zeigt sich bei unseren ersten Probanden, dass die risikofreudiger Denkenden auch eine erhöhte Präferenz zu wirtschaftsrelevanten Berufen haben.”

Aus dem Forschungsvorhaben könnten sich verschiedene Folgeprojekte ergeben. Vernaleken: „Es wäre beispielsweise interessant zu erforschen, welche menschlichen Phänotypen in maßgeblichen wirtschaftlichen Positionen arbeiten - und wie sich ihr Entscheidungsverhalten auf die Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Unternehmens auswirkt.”
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