Vor dem Countdown sind die Nächte kurz

Von: Christoph Classen
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Es geht hoch hinaus: Die FH-Studenten Philipp Seeberger (von links), Andreas Gierse, Rudolf Vetter und Eugen Neu haben an einem neuen Dämpfungssystem für Raketen gebaut. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Wer hoch hinaus will, der muss auch schon mal eine Nacht durcharbeiten. Diese Erfahrung haben Rudolf Vetter, Andreas Gierse, Eugen Neu und Philipp Seeberger in letzter Zeit zur Genüge gemacht.

Nun wollen die vier FH-Studenten im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik aber auch wirklich sehr hoch hinaus. Rund 100 Kilometer soll die Höhenforschungsrakete, an deren neuem Dämpfungssystem die Techniker derzeit die letzten Feinheiten justieren, über den Erdboden steigen.

Mit einem Schub, der dem 17-fachen der Erdanziehungskraft entspricht, wird das „Rexus 5” getaufte Flugvehikel gen Himmel starten. Die Dimension dieser Beschleunigung verdeutlicht Andreas Gierse: „Für einen Menschen ist das tödlich. Das wäre, als würde man permanent gegen eine Wand fahren.”

Alte Flugabwehrrakete

Deswegen befindet sich ausschließlich technisches Gerät an Bord der 6,10 Meter langen „Rexus 5”, die aus alten Nato-Beständen gekauft wurde und einst als Flugabwehrrakete eingesetzt werden sollte. Nun wird sie also zu Forschungszwecken genutzt und Diplom-Ingenieur Engelbert Plescher, der das Projekt seitens der FH betreut, sagt: „Wenn die Studenten solche Aufgaben selbständig erarbeiten, ist das schon sinnvoll.”

In der Wissenschaft werden Höhenforschungsraketen eingesetzt, um in Schwerelosigkeit zu experimentieren. Auf „Rexus 5” kann diese simuliert werden, sobald sich die Rakete wieder im freien Fall befindet. Für Experimente bleiben dann genau 1,5 Minuten. „Das ist mehr, als es sich anhört”, sagt Gierse.

Der Beitrag der Aachener Studenten ist ein neu entwickeltes Dämpfungssystem. „Das soll die Restvibrationen begrenzen”, sagt Rudolf Vetter. Dadurch ließen sich die Schwerelosigkeitsbedingungen noch verbessern. Die zündende Idee zur Verbesserung der Rakete stammt ebenfalls von der FH. Im Rahmen einer preisgekrönten Diplomarbeit wurde das Dämpfungssystem erforscht und anschließend in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) patentiert. Seeberger, Neu, Gierse und Vetter wollen es nun praktisch anwenden.

Ihre Pläne sind alles andere als abgehoben. Vor rund einem Jahr haben sie sich auf eine gemeinsame Ausschreibung des Schwedischen Luft- und Raumfahrtunternehmens SSC und des DLR beworben. Im Rahmen des Rexus-Programms ermöglichen die beiden Institutionen, Studenten aus ganz Europa, ihre Entwicklungen Richtung Orbit zu schießen und dort zu testen. Für „Rexus 5” soll Anfang Mai im schwedischen Kiruna der Countdown gezählt werden. Für die vier Studenten hat die heiße Phase aber schon lange vor dem Raketenstart begonnen. Immer und immer wieder simulieren sie den Einsatz ihres Dämpfungssystems am Laptop. „Unsere Nächte”, sagt Rudi Vetter, „sind im Moment sehr kurz.”
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