Von der RWTH zum Südpol: Doktorandin auf Forschungsreise

Von: Sandra Meyer
Letzte Aktualisierung:
Ein Pinguin und unendlich viel
Ein Pinguin und unendlich viel Eis: Die Aachener Doktorandin Anne Schukraft von der RWTH verbrachte bei lirrender Kälte bis zu minus 65 Grad zwei Forschungswochen am Südpol.

Aachen. Wie entstand unser Universum? Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrhunderten. Mithilfe der Teilchenphysik wollen Wissenschaftler des Rätsels Lösung ein Stück näher kommen.

Dafür reiste die Aachener Doktorandin Anne Schukraft sogar bis zum Südpol - mitten ins ewige Eis. Eiswüste bis zum Horizont, klirrende Kälte bis minus 65 Grad Celsius. Inmitten dieser weißen Ewigkeit ein hölzernes Schild, das die Namen der Südpolentdecker Scott und Amundsen trägt.

Doch dieses Schild ist mehr als nur eine Erinnerung an die geschichtsträchtige Expedition, darunter, in 2,5 Kilometern Tiefe, verbirgt sich eines der außergewöhnlichsten Forschungsprojekte unserer Zeit: der „IceCube-Detektor”.

Er soll dabei helfen, das Rätsel nach dem Ursprung kosmischer Strahlung zu lösen. Sieben Jahre lang hat es gedauert, bis der Detektor fertig installiert werden konnte. Dabei mitgeholfen hat auch Anne Schukraft, Doktorandin für Teilchenphysik an der RWTH Aachen.

Ihre Aufgabe war es, die hochsensiblen Sensoren unter dem Eis mit den Computern einer Forschungsstation zu verbinden und zu überprüfen, ob die Kommunikation mit ihnen funktioniert. „So kann sichergestellt werden, dass der IceCube-Detektor die nächsten 15 Jahre lang zuverlässig seine Daten sendet”, erklärt die Diplom-Physikerin.

Einen Teil dieser Daten wertet Schukraft in ihrer Doktorarbeit aus, die sich mit extragalaktischen Neutrinos beschäftigt, winzigen Elementarteilchen aus dem All. Unterstützt wird die Nachwuchswissenschaftlerin dabei von der Deutschen Telekom Stiftung, die die Bildung in den Mint-Fächern Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fördert.

Grundlegende Bedeutung

Anne Schukrafts Forschungsprojekt überzeugte die Stiftung wegen seiner grundlegenden Bedeutung. Schukraft: „Wenn es gelingt, Neutrinos zu beobachten, die in fernen Galaxien entstanden sind, können wir viel über den Ursprung unseres Universums erfahren.”

Grund genug für die talentierte Nachwuchsforscherin, sich auf den Weg zum Südpol zu machen und selbst mit anzupacken. Die Reise zum antarktischen „IceCube-Detektor” dauerte mehrere Tage. „Mit dem Flugzeug ging es erst nach Neuseeland und von da aus weiter nach McMurdo, einer Forschungsstation am Rande der Antarktis”, berichtet sie. „Von hier aus sind es noch einmal drei Stunden Flug bis zum geographischen Südpol, aber man kann nur bei guten Wetterbedingungen fliegen. Ich bin schließlich mit einer Propellermaschine auf Skiern am Südpol gelandet.”

Zwei Wochen lang hat die Doktorandin die Arbeiten am Detektor unterstützt. Mit der Verkabelung der im Eis eingefrorenen Sensoren hat sie die Voraussetzung dafür gelegt hat, dass der Eiswürfel ihr die nötigen Daten für ihre Promotion liefert. „Die enorme Größe von IceCube ist notwendig, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Neutrinos aus fernen Galaxien überhaupt messen zu können”, erklärt Schukraft den Aufbau des Experiments. Denn Neutrinos sind nicht geladen und durchqueren jegliche Materie fast ungestört - das macht ihren Nachweis so schwer. Einzig riesige Mengen an Wasser oder Eis, wie sie am Südpol vorhanden sind, können dabei helfen, die Teilchen aus dem All zu beobachten.

Forscher aus aller Welt von 35 verschiedenen Universitäten verwenden die Daten des Detektors, um mehr über die kosmische Strahlung zu erfahren, die auf die Erde einwirkt, unter ihnen Anne Schukraft. Ihre Expedition zum Südpol brachte der Physikerin neben dem wissenschaftliche Nutzen vor allem eins: die Gelegenheit zu einem großen Abenteuer. Schukraft: „Es war ein faszinierendes Erlebnis, diese unendliche Weite des sechsten Kontinents zu erleben.”
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