Vom Master zum Doktor: Promovieren mit FH-Abschluss

Von: Andreas Thieme, dpa
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Bonn. Ein Doktortitel auf der Visitenkarte macht nach wie vor Eindruck. Und er ist die Eintrittskarte für eine wissenschaftliche Laufbahn. Der übliche Weg zum Doktorhut führt über die Universität. Er steht aber auch Absolventen einer Fachhochschule offen.

Und seit Uni und FH mit Bachelor und Master die gleichen Abschlüsse vergeben, sollen sie ihn sogar leichter als je zuvor betreten können. In der Praxis sehen sich FH-Absolventen aber nach wie vor bürokratischen Hürden gegenüber.

Promovieren geht nur an Unis oder gleichgestellten Hochschulen. Dazu gehören zum Beispiel einige Privatinstitute. Grundvoraussetzung für die Zulassung sei ein guter bis sehr guter Studienabschluss, erklärt Jan Rathjen von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn.

Für die alten Diplomabschlüsse heißt das: FH-Absolventen sollten eine Note von 2,4 oder besser haben. Dann dürfen sie promovieren, ohne den Uniabschluss nachholen zu müssen. Oft ist dann aber vorgeschrieben, Zusatzleistungen an der Uni zu erbringen.

Wer einen Master von der FH in der Tasche hat, ist besser dran: „In diesem Fall kann die Zulassung auch direkt erfolgen”, erläutert Rathjen. Hintergrund sei, dass Masterabschlüsse von Unis und Fachhochschulen bei der Zulassung zur Promotion mittlerweile als gleichwertig angesehen werden.

„Die Umstellung des Studiensystems auf Bachelor und Master erhöht die Chancen auf eine Promotion für FH-Absolventen”, erläutert Rathjen. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Abschluss im Ausland erworben wurde.

Wie die Bestimmungen aber umgesetzt werden, ist Sache der einzelnen Fakultäten an den Unis. „Und genau darin liegt die Schwierigkeit”, sagt Marcus Müller, Bundesvorsitzender des Promovierenden-Netzwerkes Thesis in Bonn. „Denn die Promotionsordnungen enthalten keine einheitlichen Vorgaben”.

Wer einen Doktor machen möchte, müsse sich deshalb an den jeweiligen Universitäten über deren Aufnahmekriterien informieren. Selbst der FH-Master werde nicht unbedingt überall anerkannt, hat Müller beobachtet. Noch seien nicht alle Promotionsordnungen an das neue Studiensystem angeglichen worden.

Jeder Aufnahmeantrag werde individuell geprüft, erklärt Alexander Kampe von der Promotionsgeschäftsstelle der Universität Kassel. Üblich sei dabei ein sogenanntes Eignungs-Feststellungsverfahren. Dieses umfasse als ersten Schritt ein Fachgespräch mit dem Doktorvater. Darin müssen Bewerber ihre wissenschaftlichen Kenntnisse nachweisen und ihr Forschungsinteresse begründen.

Überzeugen FH-Absolventen den Professor, werden sie entweder direkt zugelassen. Oder der Doktorvater klärt mit dem Promotionsausschuss, welche Studien- und Prüfungsleistungen noch an der Uni zu erbringen sind. „Im Anschluss wird ein individueller Studienplan festgelegt”, erläutert Kampe.

In der Regel bleiben den Studenten ein bis drei Semester, um die Auflagen des Ausschusses zu erfüllen und die erforderlichen Leistungen nachzuholen. In geisteswissenschaftlichen Fächern belegen Absolventen laut Kampe zusätzliche Seminare, um das wissenschaftliche Arbeiten zu vertiefen, das an der FH zu kurz kam.

Für Naturwissenschaftler falle daneben auch eine Projektarbeit an. „In beiden Fällen liegt der Fokus auf der Einarbeitung in theoretische und methodische Forschungsaspekte”, erläutert Jan Rathjen.

Auch für Bachelor-Absolventen der Fachhochschule ist eine Promotion grundsätzlich möglich, sogar ohne den Masterabschluss nachholen zu müssen. „Fast-Track” nennen Bildungsexperten diesen eher unüblichen Studienverlauf - geeignete FH-Absolventen sollen nicht an bürokratischen Hürden scheitern, so das Credo der HRK.

„Tatsächlich handelt es sich hier um Einzelfälle, in denen eine Hochbegabung vorliegt”, schränkt Rathjen ein. Aber auch solche Überflieger müssen zuvor die üblichen Eignungstests bestehen.

Die größten Schwierigkeiten für FH-Studenten sieht Marcus Müller in der Organisation der Promotion: „Die Suche nach einem geeigneten Doktorvater gleicht oft der Nadel im Heuhaufen.”

Dieser müsse in einem themenverwandten Fachbereich tätig sein, Interesse für das Thema aufbringen und auch als Gutachter für die bis zu fünfjährige Doktorarbeit zur Verfügung stehen - ganz abgesehen von der Betreuung.

Ein Problem bestehe, wenn es für ein Fach an der FH keine Entsprechung an der Uni gibt. Dann müssen Absolventen erst einmal herausfinden, in welchem Fachbereich sie promovieren könnten.

„Wichtiger Ansprechpartner sind deshalb die eigenen Professoren, die oft erste Kontakte vermitteln können”, rät Müller. Zudem sei es sinnvoll, das Thema der Masterarbeit bereits mit Blick auf eine mögliche Promotion zu wählen. Dann können FH-Studenten später besser darauf aufbauen.

In Deutschland promovieren jährlich 25 000 Studenten. Gerade einmal 570 Absolventen mit einem FH-Diplom erreichten aber zwischen 2006 und 2008 den höchsten Bildungsabschluss, wie die Hochschulrektorenkonferenz ermittelt hat. Zur Promotion zugelassen wurden in diesem Zeitraum 1224 FH-Absolventen mit einem Diplom, 264 mit einem Master und 6 mit einem Bachelor.

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