Vom Asta bis zur Uni-Kita: Soziales Engagement im Studium lohnt sich

Von: Franziska Fiedler, dpa
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Initiative ergreifen: Nach diesem Motto haben Studenten an der TU Dresden in ehrenamtlicher Arbeit Räume zur Kinderbetreuung an der Uni eingerichtet. Foto: dpa

Dortmund/Berlin. Sich für einen guten Zweck zu engagieren, klingt zwar gut. Aber warum soll gerade ich meine Zeit dafür opfern, mich an der Uni für andere einzusetzen? So denken viele Studenten, die um Asta & Co lieber einen Bogen machen.

Schön blöd, sagen die Befürworter solcher Einrichtungen. Denn ein solcher Einsatz kommt nicht nur dem Umfeld, sondern auch den Betreffenden selbst zugute. Ob für den Lebenslauf oder die persönliche Entwicklung: Sich einmischen kann sich auszahlen.

Die einen setzen sich aus idealistischen Beweggründen im Studium für andere ein: Zu ihnen gehört Lars Koppers, der im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Technischen Universität Dortmund sitzt. „Ich war vorher in der Schule und in meiner Fachschaft engagiert. Da war es nur konsequent, den Weg in den Asta zu gehen”, erzählt der 21-jährige Statistik-Student. Warum er seine Zeit damit verbringt, für die Rechte der Studenten einzutreten? „Wer an den Bedingungen etwas ändern möchte, der muss sich selbst für die Gemeinschaft einsetzen.”

Dieser Antrieb muss aber nicht der einzige sein. „Ich finde es nicht verwerflich, aus reinen Karrieregründen soziale Arbeit zu leisten”, sagt Stefan Grob, Sprecher des deutschen Studentenwerks (DSW) in Berlin. Seiner Ansicht nach müssen solche Tätigkeiten nicht unbedingt das Etikett „sozial” tragen - das klinge eher nach Mutter Teresa als nach studentischem Engagement. „Ich nenne es lieber bürgerliches Engagement: Ich tue etwas für mich und meine Karriere mit positiven Effekten für meine Umwelt.”

Dass Engagement weit über Asta-Arbeit hinaus gehen kann, hat der DSW-Wettbewerb „Studierende für Studierende” gezeigt. Ausgezeichnet wurde dabei zum Beispiel ein Projekt an der Technischen Universität Dresden: Dort gab es keine Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder der Studenten. Kurzum entschlossen sich eingeschriebene Eltern, die Initiative „Studieren mit Kind” ins Leben zu rufen. Heute gibt es in der Hochschule eigene Räume, in denen Kinder spielen, schlafen und gewickelt werden können. Eine Leistung der Studenten, die Grob zufolge Vorbildcharakter hat: „Ganz nach dem Motto: Wo es etwas nicht gibt, da handle selbst!”

Doch auch wenn es an ihrer Hochschule keinen derart konkreten Handlungsbedarf gibt, können Studenten aktiv werden. „Die Möglichkeiten liegen auf der Straße”, sagt Karriereberater Lothar Wolf in Heiningen (Baden-Württemberg). Auch regelmäßiges Blutspenden gelte als soziales Engagement. „Personaler bewerten diese Aktivitäten hoch, weil sie dadurch erkennen, dass der neue Mitarbeiter keinen Tunnelblick hat.” Vielmehr blickt er offenbar auch auf sein Umfeld - und beweist dadurch Teamfähigkeit.

Kurz vor dem Abschluss noch in einen Verein einzutreten, mache allerdings wenig Sinn. „Der Lebenslauf sieht dann vielleicht besser aus. Im Bewerbungsgespräch kommt aber in jedem Fall ans Licht, ob man voll hinter der Sache steht oder nicht”, warnt Wolf. Schummeln sei daher eher kontraproduktiv. Wie lange der Student ein Ehrenamt innehatte, sei generell aber nicht von Bedeutung. „Die Daten gehören nicht in den Lebenslauf. Sowieso sollte nur aufgeführt werden, was man gemacht hat und in welchem Umfeld”, sagt Wolf. „Bloß keine Romane schreiben!”

Die Wahl des Ehrenamtes sollte von den eigenen Stärken abhängen. Wer unbedingt seinen Lebenslauf schönen will, sollte wissen, dass beispielsweise Asta-Arbeit nicht in jeder Chefetage gut ankommt. „Meist ist der Asta ja eher links. Die Personaler fürchten, dass man sich auch später in der Gewerkschaft besonders engagiert”, erläutert Lars Koppers.

Auch persönliche Interessen dürfen durchaus eine Rolle spielen bei der Frage, was man für andere tun kann. „Soziales Engagement ist vor allem wichtig, um den eigenen Blick zu erweitern”, sagt Florian Keller vom Dachverband der Studentenschaften in Deutschland fzs mit Sitz in Berlin. Beweggründe seien in erster Linie zwar der Einsatz für die Sache. Als Nebeneffekt lernen Studenten aber auch, mit komplexen Sachverhalten umzugehen, wenn sie sich zum Beispiel mit Hochschulpolitik auseinandersetzen.

Um Geld geht es weniger - selbst wenn Studenten für Asta-Arbeit auch finanziell belohnt werden: So bekommt Lars Koppers zum Beispiel seine Studiengebühren erlassen. „Reich wird man mit sozialem Engagement trotzdem nicht”, sagt er. Auf der anderen Seite sind auch die Zeiten vorbei, in denen jeder Asta einer eingeschworenen Gemeinde von Linksintellektuellen glich. Im Asta-Büro der Uni Dortmund sucht man Vertreter mit Nickelbrille und langen Haaren zumindest vergeblich.

Engagement als Studienleistung

Studenten sind so engagiert wie keine andere Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Das hat eine Studie des Hochschul-Informations-Systems in Hannover ergeben. Mancherorts wollen Unis das noch fördern, indem sie solchen Einsatz auch als Studienleistung anrechnen. „Einige Hochschulen beginnen gerade, Social Credit Points in ihre Studienordnungen einzubauen”, erläutert Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. So vergibt zum Beispiel die Uni Münster bereits Punkte für soziales Engagement. „Die meisten Hochschulen haben das Potenzial ihrer Studenten allerdings noch nicht erkannt. Da stehen wir noch ganz am Anfang.”
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