Veltmanplatz: Bürger kritisieren Baupläne

Von: Martina Feldhaus
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Sie sind gar nicht einverstand
Sie sind gar nicht einverstanden mit aktuellen Bauplänen für das Gelände des ehemaligen Wollforschungs­instituts: (v.l.) Magdalene Stickelmann, Günter Thie und Christian Friede. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dass es mit Wohnraum für Studenten spätestens im Wintersemester 2013 eng wird - dann schlägt auch in NRW die verkürzte Gymnasialzeit voll zu -, ist längst bekannt. Auch für Christian Friede, Günter Thie und Magdalene Stickelmann ist das keine Neuigkeit.

Sie erleben vor der eigenen Haustür, wie die Zahl der Studienanfänger von Semester zu Semester steigt - nicht nur jetzt, während der Einführungswochen.

Alle drei sind Bewohner des Pontviertels, und sie haben - wie sie betonen - durchaus Verständnis dafür, dass neuer Wohnraum für das angehende Akademikervolk geschaffen werden muss. Ein Bauprojekt allerdings schlägt ihnen derzeit mächtig aufs Gemüt. An der Ecke Kreuzherrenstraße/Veltmanplatz, dort also, wo das ehemalige Wollforschungsinstitut der RWTH steht, plant der Aachener Investor Norbert Hermanns mit seiner Projektentwicklungsgesellschaft Landmarken AG ein Gebäude mit 175 Wohneinheiten auf sechs Geschossen - vornehmlich für Studenten und Hochschulmitarbeiter.

Unterstützer gewinnen

Doch damit, was da vor ihrer Nase entstehen soll, sind die drei Anwohner so gar nicht einverstanden. Gemeinsam mit rund zehn weiteren Anwohnern, die sich alle seit der ersten Bekanntgabe der Pläne regelmäßig treffen, haben sie deshalb jetzt - nach der Beteiligung am Bürgerforum und einem offenen Brief an sämtliche Verantwortlichen - eine Unterschriftenaktion im Viertel gestartet, um mehr Unterstützer für ihre Sache zu gewinnen. Und die lautet: Den vorhabenbezogenen Bebauungsplan, wie er den Planungspolitikern bereits vorliegt, in seiner jetzigen Form verhindern.

„Es gibt mehrere Kernpunkte, die uns bei dem Projekt aufstoßen”, erklärt Günter Thie. Zum einen folge die Stadt mit dem Vorhaben nicht den selbst gesetzten Beschlüssen zu einer familienfreundlichen Stadtplanung. Thie: „Wir glauben nicht, dass die geplanten Ein-Zimmer-Apartments sich so einfach in Familienwohnungen umwandeln lassen, wenn der Studentenansturm in wenigen Jahren wieder abebbt.” Thie und die anderen kritisieren auch, dass der Bau nicht rechzeitig zum prognostizierten Ansturm fertig werde.

Außerdem sei das, was die Landmarken AG plane, viel zu exklusiv und damit zu teuer für Studenten, was das Argument, dringend benötigten studentischen Wohnraum zu schaffen, außer Kraft setze. Friede: „Die Zielgruppe sind vielmehr Gastdozenten, Absolventen und Doktoranden, für die Aachen nur eine Zwischenstation ist.” Und eine entsprechende hohe Fluktuation entspricht so gar nicht den Vorstellungen der Anwohner-Gruppe von einem „gewachsenen Bürgerviertel”. Zu guter Letzt fürchten Friede, Thie und Stickelmann, dass durch das Bauvorhaben der „Partymeilen-Charakter des Viertels” noch verstärkt würde.

Nachvollziehen kann Investor Norbert Hermanns diese Vorwürfe nicht. „Was wir planen, ist hochwertiger Wohnungsbau für ein Klientel, das gut in das Pontviertel passt”, erklärt er auf Anfrage der „Nachrichten”. Nicht umsonst habe man mit „kadawittfeldarchitektur” ein erstklassiges Büro mit der Planung beauftragt. Hermanns: „Das wird ein sehr flexibles Objekt, das mit minimalem Aufwand angepasst werden kann, wenn die Studentenzahlen wieder zurückgehen.” Er räumt ein, dass sich der hochwertige Bau vor allem an Studenten mit größerem finanziellen Spielraum richtet. „Aber auch für die muss Raum geschaffen werden.” Dass durch sein Vorhaben die Probleme im Pontviertel - Lautstärke und Pöbeleien - noch verstärkt würden, weist er vehement von der Hand.

Zweite Flaniermeile vom Tisch

Das tut auch die städtische Baudezernentin Gisela Nacken: „Das sehe ich nicht so.” Auch sei die Idee einer zweiten Flaniermeile über eine Öffnung der Wittekind-straße, wie sie zunächst angeregt wurde, längst vom Tisch. „Es hat sich herausgestellt, dass sowas in diesem ruhigeren Bereich nicht sinnvoll ist.” Nacken weist außerdem darauf hin, dass über das Projekt noch nicht entschieden ist. „Es ist ein offenes Verfahren. Und wir werden die Argumente der Anwohner sicherlich in unsere Überlegungen mit einbeziehen.”

Dennoch: Thie, Friede, Stickelmann und die anderen befürchten, dass ihre Haltung nicht ausreichend berücksichtigt wird. Deshalb sammeln sie noch bis kommenden Montag weiter Unterschriften. Die bisherige Resonanz sei sehr gut, erklärt Friede. Die Liste wollen sie anschließend den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung vorlegen. In der Hoffnung, dass dies die Entscheidungsfindung in ihrem Interesse beeinflusst. Stickelmann: „Wenn am Ende ein viergeschossiges Haus mit Wohnungen von 40 bis 60 Quadratmetern dabei raus kommt, die später auch von Familien genutzt werden können, dann stellen wir unsere Aktivitäten ein.”
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