Universität Leipzig wirbt um westdeutsche Studienanfänger

Von: Heiko Kunzmann, ddp
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Mit einer ungewoehnlichen Aktion wirbt die Universität Leipzig um Studienanfänger. Per Trabant wurden am Freitag drei Erstsemesterstudenten aus ihren Heimatorten in Westdeutschland abgeholt. Foto: ddp

Leipzig/Ruchheim. Vor wenigen Wochen war Tim Vollmer noch unentschieden, was er wo studieren will. Jetzt freut sich der 20-jährige aus Ruchheim bei Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) auf das Studium der Mathematik in Leipzig.

Ausschlaggebend war für ihn eine Dreitagereise, die die Universität anbot. Außerdem gewann er ein Casting für eine „AbenteuerWG” der Hochschule. Die Leipziger Uni holte Vollmer und seine zwei künftigen Mitbewohnerinnen am Freitag von zu Hause ab - per Trabant. „Auf das Fahrgefühl bin ich neugierig”, sagt Vollmer vor der Abreise. Vorher saß er noch nie in einem Trabi, immerhin fuhren seine Eltern einst eine „Ente”.

Der Trabant-Transfer, die „AbenteuerWG” und auch die Reise sind Teile eines Konzepts, mit dem die Universität Leipzig auf sich aufmerksam machen will - vor allem westdeutsche Abiturienten. „Nur etwa fünf Prozent von ihnen können sich laut Umfrage vorstellen, an ostdeutschen Hochschulen zu studieren”, sagt Projektkoordinatorin Nancy Beyer. Für die Ost-Unis ist das zu wenig, sie brauchen mehr Zustrom.

Denn nach Prognosen der Kultusministerkonferenz wird sich die Zahl der Studienanfänger in Deutschland unterschiedlich entwickeln - ausgelöst vor allem durch den Geburtenknick Anfang der 90er Jahre. Während die Einschreibzahlen in Westdeutschland noch bis 2013 ansteigen und sich dann verringern, fallen sie im Osten bereits ab diesem Jahr.

Mit der Kampagne „Studieren in FernOst”, an der sich Leipzig beteiligt, will die „Hochschulinitiative Neue Bundesländer” mehr westdeutsche Abiturienten von den Vorzügen ostdeutscher Hochschulen überzeugen. So lernen bei der „AbenteuerReise”, an der auch Tim teilnahm, künftige Studenten an drei Tagen die Leipziger Universität und die Stadt näher kennen. In diesem Sommer kamen etwa 150 Neugierige, erzählt Nancy Beyer, eine Zahl, mit der man zufrieden sei.

Tim Vollmer hat diese Reise überzeugt: „Ich kannte Leipzig nur flüchtig durch die Games Convention”, erzählt er. Eine interessante Probevorlesung in Mathematik, das Mensaessen, was schmeckte, der Kneipenbummel sowie eine entspannende Paddeltour auf den Kanälen der Stadt: Leipzig muss sowohl zum Studieren als auch zum Leben ein prima Platz sein, fand der junge Mann. Zudem gibt es Mathematik hier noch als Diplomstudiengang, was eine Rarität sei.

Offenbar begeisterte Leipzig etliche der Studenten in spe, sagt Nancy Beyer: „In diesem Semester registrieren wir einen wesentlich höheren Anteil an westlichen Abiturienten, die sich einschreiben.” Waren es im Sommersemester 2009 noch zwölf Prozent, liegt die Zahl für das Wintersemester bei 17 Prozent. Sachsens - bisheriger - Verzicht auf Studiengebühren sei für viele ein wichtiger Fakt, sagt Beyer. Für Leipzig sprächen außerdem das breite Fächerspektrum, der neue Unicampus mit seiner 24-Stunden-Bibliothek und auch eine reiche Kulturszene.

Die „AbenteuerWG”, in die Tim Vollmer nun einzieht, ist eine sanierte Altbauwohnung. Die Miete für das erste Semester wird gesponsert, ebenso wie die Einrichtung. Auf einem Blog sollen die drei Bewohner über ihr Leben und Studieren berichten und so für Leipzig werben. Ein Camcorder steht bereit, um den ersten Gang in die Bibliothek zu filmen, den Besuch von Studentenclubs oder das Kennenlernen der Stadt.

„Als erstes will ich mir Dinge anschauen, die mit der Wende zu tun haben”, plant Vollmer, der in der Schule den Leistungskurs Geschichte belegte. Auch eine Freiwilligen Feuerwehr will er sich suchen, um seinen Dienst im Katastrophenschutz abzuleisten. Und Sachen probieren, die er bislang nur vom Hörensagen kennt: etwa Leipziger Allerlei.
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