Aachen/Vaals - Universalformel auf der Tram der Linie 12

Universalformel auf der Tram der Linie 12

Von: Heiner Hautermans
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Aachen/Vaals. Es war ein Abend im Jahr 1929: In einer Wohnung an der Maastrichterlaan im Grenzort Vaals arbeiteten zwei Wissenschaftler an einer wichtigen Formel: Theodore von Kármán und sein Assistent Frank Wattendorf. Fieberhaft warfen sie Formeln aufs Papier, bis die letzte Tram nach Aachen fuhr.

Die Männer konnten kein Ende finden, schrieben auch noch Gleichungen auf die Wand des wartenden Straßenbahnwagens. Bis dem Schaffner die Geduld riss und er die 12 losrumpeln ließ. Unterwegs stieg der Assistent an jeder Haltestelle aus und schrieb die Formel ab. Er war gerade fertig, als er an der Haltestelle Theaterplatz ankam. Später wurde daraus ein großer Erfolg, eine Art Universalformel für Turbulenzen.

Der Sohn eines Budapester Pädagogik-Professors war im Februar 1913 in Aachen eingetroffen. Nach mehreren Jahren als Privatdozent in Göttingen hatte er, mit 31 Jahren, den Ruf an den Lehrstuhl für Aeronautik an der RWTH angenommen.

In seinen Memoiren schilderte er seine erste Begegnung mit der rheinischen Lebensart so: „Ich erwartete, dem Rector Magnificus vorgestellt zu werden und einige Studenten und Professoren zu treffen, aber keine Seele war zu sehen. Ich sah auf meine Uhr - zehn. Ich konnte das nicht verstehen. Ich stöberte schließlich einen Portier auf, der mir erklärte, dass Aachen Karneval feierte... Ich war gerade am Aschermittwoch angekommen. Der Portier riet mir, um vier Uhr wiederzukommen und in ein bestimmtes Restaurant zu gehen, wo ich einige meiner Kollegen und die Stadtgrößen beim Fischessen antreffen würde.”

Die Technische Hochschule wurde für 16 Jahre zur geistigen Heimat des Pioniers der Luftfahrtforschung. „Mein Leben in Aachen bestand nicht nur aus Theorie und Arbeit im Labor. Ich fühlte mich wohl in dieser lebendigen und geselligen Stadt. Sie war fröhlicher als Göttingen, und ich entdeckte bald die Freuden des Cafés am Elisenbrunnen, dem Ort der berühmten Aachener Quellen.”

1921 ließ von Kármán, der zahlreiche Probleme bei der Erforschung der Atmosphäre und der auf Flugkörper einwirkenden Wirbel und Strömungen löste, seine Mutter und seine Schwester nachkommen.

„Das Heimweh meiner Angehörigen verlor sich ein wenig, als wir ein großes Haus in Vaals mieteten, einem freundlichen holländischen Dorf. Es war ein Vorteil für die Familie eines schlecht bezahlten deutschen Professors, mit stabilen holländischen Gulden bezahlen zu können, statt mit der wild fallenden deutschen Reichsmark.”

Kleine Plakette

Mit dem Aufenthalt von Kármáns in Vaals hat sich intensiv Dr. Peter Sparla beschäftigte, der Vorsitzende des Heimatvereins St. Tolbert. Mit einer Tochter der Hausbesitzerin hat er noch über den berühmten Mieter, der häufig Besuch aus aller Herren Länder bekam, gesprochen. Eine unscheinbare Plakette erinnert heute noch am Haus Maastrichterlaan 15 an den Wissenschaftler.

Sparla hat sich auch dafür eingesetzt, dass eine Straße im Neubaugebiet Von Clermontpark nach dem Luftfahrtpionier benannt wird: „Das hat jahrelange Arbeit gekostet.” Erst musste nämlich ein Ratsbeschluss überwunden werden, dass Straßen nicht mehr nach Personen benannt werden.

Das Straßenschild ist schon fertig-, aber noch nicht aufgestellt. In Aachen sind ebenfalls eine Straße, ein Studentenheim und das Auditorium nach Theodore von Kármán benannt, ebenso ein Krater auf dem Mars und die gedachte Linie zum Weltraum.

Ab 1926 begann er seiner Forschungstätigkeiten in die USA zu verlagern, bevor er wegen des zunehmenden Drucks durch das aufziehende Nazi-Regime endgültig in die USA übersiedelte, wo er 1942 den weltweit führenden Hersteller für Raketentechnologie gründete.

Der gebürtige Ungar kam nach dem Zweiten Weltkrieg wegen des heilkräftigen Wassers immer wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück, besuchte auch seine Vermieterin in Vaals. Er starb 1963 während einer Kur in Aachen. Kármán wurde international mit höchsten Ehrungen und 29 Ehrendoktortiteln bedacht.
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