Uni brennt auf Hörsäle: Da glüht der Bau

Von: Robert Esser
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Buchstäblich hochmodern: 28 Meter Höhe misst das neue RWTH-Lehrgebäude neben dem Super C an der Wüllnerstraße. Die letzten Arbeiten am Generalumbau des alten Heizkraftwerks aus den 50er Jahren laufen jetzt - genauso wie der Lehrbetrieb. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Glühende Verehrer wird dieses Heizkraftwerk reihenweise sammeln. Schon seit Dienstag lauschen die Studierenden in zwei brandneuen Vorlesungssälen des 8,7 Millionen Euro teuren RWTH-Umbaus neben dem Super C ihren Dozenten.

Feuer und Flamme sind die meisten Betrachter des spektakulären Gebäudes aber in den Abendstunden: Dann strahlt der 28 Meter hohe, elf Meter breite und 34 Meter lange Koloss dank entsprechender Neon- und Fassadentechnik orange-rot. Die Lichtquellen glimmen dabei zwischen hunderten je drei Zentimeter breiten Horizontalschlitzen durch die auf Hochglanz polierte, weiße Aluminiumhaut.

Eigentlich soll erst Anfang November offiziell Eröffnung gefeiert werden. In den 50er Jahren hatte die Hochschule das Heizkraftwerk errichtet, 2003 begannen die Umplanungen und im Januar 2009 die Bauarbeiten. Derzeit läuft - neben dem Studienbetrieb - die finale Bauwerkskosmetik auf Hochtouren. Während sich im Hörsaal 2 am Donnerstagmittag 200 Studierende anhören, wie „Symmetrien bei kristallographischen Drehungen” berechnet werden, schwingt ein Putzkommando im Treppenhaus davor Lappen und Leder. Die hohe Fensterfassade Richtung Wüllnerstraße und die zwei Treppenhäuser des siebengeschossigen Bauwerks werden geschrubbt und poliert.

Futuristischer Industrie-Stil in purer Eleganz - so wirkt die architektonische Allianz aus Alt und Neu. Durch das komplette Gebäude greift ein mächtiges Stahlträgerskelett, das nun in weißer Farbe von den teils orange getünchten Betonwänden abgesetzt ist. Zwar fehlen noch reihenweise Isolierleisten rund ums Erdgeschoss, der Aufzug signalisiert „außer Betrieb”, in den Toiletten vermisst man Klobrillen und im Obergeschoss warten noch zig Stühle vor drei Seminarräumen auf ihren Einsatzort. Aber das Gebäude ist funktionstüchtig.

„Wir freuen uns sehr, dass diese dringend erforderliche Verbesserung der Lehrraumsituation in ausgesprochen ansprechender Architektur zum Start des Wintersemesters gelungen ist”, lobt RWTH-Pressesprecher Toni Wimmer. Finanziert haben die Studierenden den imposanten Umbau zum größten Teil aus eigener Tasche. Von den laut Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) 8,7 Millionen Euro Gesamtkosten stammen fünf Millionen aus einem Baukostenzuschuss der RWTH - bereitgestellt aus Studiengebühren, die der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) für dieses Projekt freigab.

So entstanden 950 Quadratmeter neue Nutzfläche auf einem Grundriss von 2500 Quadratmetern. Das Areal grenzt direkt an einen weiteren, äußerlich extrem schäbigen Teil des alten Heizkraftwerks. Dort laufen laut Wimmer noch bis 2020 Langzeitversuche mehrerer Forschungsinstitute. Erst danach könne auch dieser Gebäudeteil entkernt und modernisiert werden, erklärt der RWTH-Sprecher.

Um das Farbenspiel des nun nachts orange-roten Heizkraftwerk-Umbaus zu perfektionieren, haben Gärtner dieser Tage Kletterrosen an der Rückwand gepflanzt. Sie sollen in einigen Monaten über Stahlnetze die Wand erklimmen und ebenfalls orange-rot erblühen. Nur hier bleibt zu hoffen, dass die Neuheit nicht von feurigen Verehrern umgenutzt wird.
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