„Turboabi”: Hochschulen erwarten 2013 Riesen-Ansturm

Von: Ines Eckermann, dpa
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Vorlesung Turboabi Unistau
Abgewiesene Bewerber und überquellende Hörsäle - so könnte sich im schlimmsten Fall 2013 an den Hochschulen die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre auswirken. Denn dann drängen zwei Abi-Jahrgänge an die Universitäten. Foto: dpa

Essen. Fast so viele Stunden wie bei einem Vollzeitjob sitzen die angehenden Abiturienten pro Woche auf den Schulbänken. Doch nicht nur die Arbeitslast des „Turbo-Abis” (G8) stellt sich für die jungen Menschen als Problem dar: 2013 machen die ersten Schüler nach nur 8 Jahren Gymnasium ihr Abitur - gleichzeitig mit dem letzten Jahrgang, der noch 9 Jahre am Gymnasium durchlief.

Damit sich die Flut von Abiturenten nicht zu einer Flutwelle entwickelt, bauen Schulen und Hochschulen erste Wellenbrecher. Die Unis erweitern ihr Angebot. Neubauten oder Einstellungen werden teils vorgezogen. Außerdem will die Vergabestelle für Studienplätze Doppeleinschreibungen einen Riegel vorschieben, um Plätze nicht zu blockieren.

Entschlackung der Lehrpläne

Schon 1995 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass Schüler künftig nach acht statt neun Jahren auf dem Gymnasium ihre Abiturprüfungen machen können. Doch das eingesparte Jahr fällt nicht einfach weg, sondern wird auf die verbleibenden acht Gymnasialjahre verteilt: Während die Schüler früher schon am frühen Nachmittag nach Hause gehen durften, bleiben die G8-Schüler oft bis 16 oder 17 Uhr. Zum Ausgleich bekämen die Schülerinnen weniger Hausaufgaben auf, um noch ein bisschen Freizeit zu haben, sagt Schulleiterin Schwester Ulrike Michalski vom BMV Mädchengymnasium in Essen. Außerdem sollen die Lehrpläne entschlackt werden.

Ein Problem bringt die Umstellung in jedem Fall mit: 2013 wird neben den letzten Schülern des alten Modells auch der erste G8- Jahrgang das Abitur machen. „Da können einem graue Haare wachsen”, meint Michalski. Noch hat das Kollegium nicht geklärt, woher sie Prüfer und Prüfungsräume für 280 statt sonst 150 Abiturprüfungen nehmen sollen.

Numerus clausus könnte in die Höhe schnellen

Nach den bestandenen Prüfungen schwappt eine Flut von Schulabgängern an die Hochschulen. Die doppelt so große Nachfrage nach Studienplätzen könnte den Numerus Clausus (NC) in die Höhe schnellen lassen, sagt Bernhard Scheer von der Stiftung für Hochschulzulassung, der ehemaligen ZVS in Dortmund. „Wir können keine Studienplätze schaffen.” Um die ohnehin knappen Plätze nicht unnötig zu vergeben, will die Einrichtung mit einer neuen Software Doppeleinschreibungen unterbinden.

Auch die Universitäten selbst rüsten sich für den Ansturm. Da kommt es gelegen, dass die teils baufälligen Gebäude etwa aus den 60er Jahren in Essen, Duisburg, Dortmund oder Bochum derzeit Zuwachs oder Ersatz erhalten. Teure Labore nur wegen des Doppeljahrgangs wird es aber eher nicht geben. „Wenn die Bugwelle vorbei ist, ist alles wieder auf dem normalen Stand”, meint Scheer.

Junge Nachwuchsprofessoren

Die Uni Duisburg-Essen will 90 neue Mitarbeiter einstellen. Pünktlich zur verdoppelten Studienplatznachfrage sollen dann vor allem junge Nachwuchsprofessoren das Lehrangebot erweitern. Nach einigen Jahren verringert sich der Bestand wieder, wenn ältere Kollegen in den Ruhestand gehen. Falls die zusätzlich geschaffenen Studienplätze wider Erwarten nicht den Bedarf decken sollten, will die Hochschule notfalls den NC hochschrauben. Qualität gehe in der Ausbildung vor Quantität, betont Prorektorin Ingrid Lotz-Ahrens.

Um den zu erwartenden Andrang zu entzerren, raten Schulen und Hochschulen den Abiturienten, über ein Auslandssemester oder ein freiwilliges soziales Jahr nachzudenken. Ab 2014 verlassen dann wieder normal große Jahrgänge die Schulen, sagt Jörn Harm vom Schulministerium.
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