„Turbo-Abi” oder 13 Jahre Schule: Wo geht was?

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Abitur
Eine Schülerin unterstreicht in Sigmaringen im Hohenzollern-Gymnasium das Wort Abitur an der Tafel. Symbolfoto: dpa

Hamburg. Das „Turbo-Abitur” nach nur zwölf Schuljahren ist umstritten. Nachdem sich zunächst fast alle Bundesländer dem internationalen Standard von acht Jahren Gymnasium (G8) angeschlossen hatten, gab es in einigen einen teilweisen oder völligen Schwenk zurück zum neunjährigen Gymnasium (G9).

Bayern: Kehrt zum G9 zurück. Das beschlossen CSU-Landtagsfraktion und Staatsregierung im April dieses Jahres. Start der Reform soll zum Schuljahr 2018/19 sein, für die Klassenstufen fünf und sechs. Schüler sollen aber die Möglichkeit haben, die elfte Klasse auszulassen und weiterhin in acht Jahren zum Abitur zu kommen.

Baden-Württemberg: Bleibt auch unter grün-schwarzer Landesregierung grundsätzlich bei G8 und bei 44 Schulversuchen mit G9.

Berlin/Hamburg: Eltern, die 13 Schuljahre bis zum Abitur bevorzugen, können ihre Kinder an integrierten Schulformen wie Stadtteilschulen anmelden. An Gymnasien wird das Abitur nach 12 Jahren abgelegt.

Bremen: An den Gymnasien wird in der Regel der G8-Bildungsgang angeboten. An den Oberschulen mit gymnasialen Oberstufen besteht die Möglichkeit, das Abitur nach 12 oder 13 Jahren zu erlangen.

Hessen: Seit dem Schuljahr 2013/14 können alle Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen frei zwischen G8 und G9 und einem schulinternen Parallelangebot G8/G9 wählen. Die meisten Schulen haben sich für neun Jahre bis zum Abitur entschieden. Von den rund 16.000 Schülern, die im kommenden Schuljahr 2017/18 auf ein Gymnasium wechseln, besuchen rund 76,5 Prozent eine G9-Klasse.

Niedersachsen: Kehrte nach den Sommerferien 2015 als erstes Bundesland komplett zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück. Leistungsstärkeren Schülern soll aber weiter die Möglichkeit eingeräumt werden, schon nach 12 Jahren das Abitur zu machen.

Nordrhein-Westfalen: Bietet beide Optionen: Neben 612 Gymnasien mit 12 Schuljahren gibt es Alternativen an über 500 weiteren Schulen - Gesamtschulen, Berufskollegs, Gymnasien im Modellversuch - für das Abitur nach 13 Jahren. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will das Abitur nach neun Jahren wieder zum Regelfall machen. Ziel ist es, G9 vom Schuljahr 2019/2020 prinzipiell einzuführen, den Schulen aber eine Wahlfreiheit zugunsten von G8 einzuräumen.

Rheinland-Pfalz: War als einziges West-Bundesland nicht auf den Zug aufgesprungen, G8 flächendeckend als einzige Gymnasialform einzuführen. Es gibt dort G8-Ganztagsgymnasien. Für gute Schüler war es zudem schon immer möglich, das Abitur nach 8 Gymnasialjahren an einem 9-jährigen Gymnasium abzulegen. Die Regel sind aber 9 Jahre.

Saarland: Hat ein Zwei-Säulen-Modell: Am Gymnasium gibt es das Abitur nach 12 Schuljahren, an der Gemeinschaftsschule nach 13 Jahren.

Schleswig-Holstein: Will unter der neuen Regierung von CDU, Grünen und FDP flächendeckend zu G9 zurückkehren. G8-Gymnasien können einmalig entscheiden, ob sie beim Turbo-Abi bleiben wollen. Dafür wird aber in der Schulkonferenz eine Dreiviertelmehrheit benötigt.

Neue Bundesländer: Hier wird das Abitur an den Gymnasien in der Regel nach 12 Schuljahren abgelegt.

Die Homepage wurde aktualisiert