Systembiologie erlaubt ganzheitliche Ursachenforschung

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Aachen. In der Euregio Maas-Rhein gibt es mehr als 290 Unternehmen der Lebenswissenschaften und 130 biowissenschaftliche Forschungseinrichtungen. Dieses Potenzial soll in den nächsten drei Jahren durch das Interreg-Projekt „Alma-in-Silico” stärker zusammengeführt werden.

Die beteiligten Partner, die Universitäten Lüttich, Hasselt und Maastricht sowie die RWTH Aachen, erhalten insgesamt 7,6 Millionen Euro. In Lüttich fand jetzt eine Auftaktveranstaltung statt. In dem Vorhaben wird eine Integrations-, Verbreitungs- und Verwertungsplattform für die euregionale Expertise im Bereich der informatikunterstützten Biologie, Stichwort Systembiologie, geschaffen.

So soll eine operationelle Struktur für die gemeinsame Nutzung und Bündelung der Kompetenzen in der Wachstumsbrache Lebenswissenschaften entstehen: Eine Verbesserung der Dienstleistungen, der Ausbildung sowie der Kooperation zwischen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der in der Region angesiedelten Firmen und Institute ist das Ziel.

Der Life Science-Standort Euregio wird dadurch seine Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich steigern können und mittelfristig international als Life Science-Cluster wahrgenommen werden. „Im letzten Jahrzehnt ist der Kenntnisstand in den Lebenswissenschaften enorm gestiegen”, erläutert Dr. Kurt Hoffmann vom Institut für Molekulare Biotechnologie der RWTH Aachen.

Wurden biologische und medizinische Fragestellungen bislang nur über das Studium eines oder bestenfalls mehrerer Gene und Proteine untersucht, so erlaubt es der Einsatz kostspieliger und komplexer wissenschaftlicher Instrumente in Kombination mit Rechen- und Simulationsverfahren jetzt nahezu alle Gene und Proteine gleichzeitig zu untersuchen.

„Die Datenmenge solcher systemischer Analysen, in Kombination mit dem bereits bestehenden Wissen, ist zwar enorm”, beschreibt Hoffmann, „aber dadurch können wir ein biologisches System in seiner Gesamtheit unter Berücksichtigung gegenseitiger Beeinflussungen der molekularen und zellulären Vorgänge im Organismus beschreiben.” Deshalb spricht das Team unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Rainer Fischer auch von Systembiologie.

Ursachen und Wirkungszusammenhänge von komplexen Krankheiten wie Krebs oder Demenz lassen sich erst dadurch ganzheitlich und erstmalig in ihrer vollen Komplexität analysieren und für neue Therapieansätze erschließen. Gemeinsam werden die Kooperationspartner eine euregionale Datenbank für biologische Daten aufbauen und die notwendigen Werkzeuge für deren Auswertung entwickeln.

Auf diesem Weg entsteht ein grenzüberschreitender Analyseverbund, mit dem Investitionen gebündelt sowie Wissen extrahiert und verbreitet wird. Die bislang nationalen Standards in Untersuchungsmethoden und Validierungsverfahren werden dabei aufeinander abgestimmt.

Von den Ergebnissen werden die medizinische Versorgung ebenso profitieren wie das Ausbildungsangebot. „Durch die aktive Einbeziehung vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen erfolgt nicht nur eine Bündelung des vorhandenen Wissens vor Ort”, schwärmt Dr. Hoffmann. „Dieser neue Verbund von Ingenieuren, Informatikern, Medizinern und Lebenswissenschaftlern wird ein euregionales Cluster bilden, mit dem das Dreiländereck europaweit wettbewerbsfähig wird.”

„Alma-in-Silico” wird dabei nach Auffassung der Wissenschaftler als Inkubator für Unternehmen dienen, die sich in Kooperation mit den Universitäten einer ansonsten unbezahlbaren Infrastruktur bedienen können. Fernziel ist ein Zentrallabor auf dem RWTH Aachen Campus. „Damit schaffen wir Arbeitsplätze in einem hochspezialisierten Wachstumsbereich und leisten wichtige Beiträge im Kampf gegen Krankheiten”, fasst Dr. Hoffmann zusammen.
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