Studium deluxe: Die Vor- und Nachteile von Privathochschulen

Von: Franziska Fiedler, dpa
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Kleine Klassen statt volle Hörsäle: Privathochschulen werben mit intensiver Betreuung. Foto: dpa

Güstrow/Frankfurt/Main. Es gibt Studenten, die starten mit 15.000 Euro Schulden ins Berufsleben. Oft sind es sogar mehr. Nicht, dass sie ein besonders teures Leben neben der Uni gehabt hätten. Sie haben einfach nur studiert - an einer privaten Hochschule.

Steffen Knüppel ist so ein Student. Er hat gerade seine Bachelor-Arbeit abgegeben und hofft nun auf einen guten Abschluss am Baltic College in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern).

Seine Eltern mussten für ihn einen Kredit aufnehmen. 390 Euro im Monat, das konnte er sich alleine nicht leisten. „Das Geld muss ich ihnen irgendwann zurückzahlen”, sagt er. Doch die Einzigartigkeit des Studiengangs hat ihn vor drei Jahren gereizt. Management im Gesundheitstourismus, das gibt es bundesweit nur am Baltic College.

Akademie, College, School: Private Hochschulen geben sich gern international. In den vergangenen Jahren hat es viele Neugründungen gegeben. Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn gibt es aktuell 87 staatlich anerkannte Privathochschulen. An 9 von ihnen kann man sogar promovieren. Der größte Unterschied zu staatlichen Unis: Nicht der Staat, sondern der Student selbst finanziert die Hochschule.

„Im Schnitt müssen Studenten etwa 500 Euro Gebühren im Monat bezahlen”, sagt Wolfram Hahn, Geschäftsführer des Verbands der Privaten Hochschulen in Frankfurt/Main. Was gute Finanzierungsmodelle angehe, stehe Deutschland noch ganz am Anfang. „An einigen Hochschulen gibt es bereits Studienfonds für Studenten, die sich die Gebühren nicht einfach so leisten können”, erklärt Hahn. Auch gebe es Studienkredite mit „sehr fairen” Rückzahlungsvarianten.

Die Gebühren seien eine gute Anlage, ist sich Hahn sicher. „Die privaten Hochschulen können sich sehr gut spezialisieren und besetzen mit ihren Studiengängen Nischen.” Außerdem sei die Betreuung oft besser als an staatlichen Hochschulen: Die Gruppen seien kleiner und der Kontakt zum Dozenten enger.

Solche Studienbedingungen gibt es aber auch an manchen staatlichen Universitäten. Man müsse nur etwas mehr nach ihnen suchen, meint Petra Giebisch, Projektleiterin für das Hochschulranking vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh.

„Nehmen wir zum Beispiel das Fach BWL. Was das Gesamturteil der Studierenden angeht, so kann man sehen, dass fast alle Privathochschulen in der Spitzengruppe vertreten sind”, erläutert Giebisch. Doch auch mehrere staatliche Universitäten werden von den Studenten als sehr gut eingestuft. „Was die Forschung angeht, so befinden sich die privaten Hochschulen überwiegend in der mittleren Gruppe. Da herrscht bei den staatlichen Unis einfach ein größerer Wettbewerb”, sagt Giebisch.

Auch Steffen Knüppel hat solche Erfahrungen gemacht. „Die Profs waren immer erreichbar, und mit nur 40 Leuten im Jahrgang kennt man sich untereinander gut.” Der Studiengang hat ihn aber eher enttäuscht. Da hätte er auch einfach BWL an einer normalen Uni studieren können, sagt er rückblickend. Zumal das Baltic College gerade Probleme mit der Akkreditierung bekommt.

Damit die Abschlüsse an privaten und staatlichen Unis vergleichbar sind, müssen die privaten Hochschulen staatlich anerkannt werden. Diese Aufgabe kommt mittlerweile den Bundesländern zu. Neben formellen Anforderungen müssen private Hochschulen auch Qualitätsstandards einhalten. Immer öfter wird das nicht nur durch Akkreditierung der einzelnen Studiengänge, sondern auch durch eine institutionelle Akkreditierung sichergestellt.

„Diese institutionelle Akkreditierung hat sich in den meisten Ländern als Voraussetzung für eine dauerhafte staatliche Anerkennung von Hochschulen in privater Trägerschaft etabliert”, erklärt Beatrix Schwörer vom Wissenschaftsrat in Köln, der die Akkreditierungen vergibt. Ihre Bedeutung für die privaten Hochschulen sei daher hoch. Zudem werde die Akkreditierung oft für Werbezwecke genutzt.

Dem 2001 gegründeten Baltic College wurde die institutionelle Akkreditierung nun versagt. Ob das Land die staatliche Anerkennung verlängert, ist fraglich. „Die Studierenden dort sollten die weitere Entwicklung genau beobachten”, sagt Schwörer. Ein Fall, der zeigt, wie wichtig die Akkreditierungen sind.

Auch Bafög gibt es nach Angaben des Deutschen Studentenwerks in Berlin nur, wenn die Hochschule staatlich anerkannt ist. Das ist zwar Nebensache, weil Mama oder Papa ohnehin die Studiengebühren zahlen, ließe sich einwenden. Es stimmt aber nur zum Teil, mein Steffen. Er sei immerhin ein Gegenbeispiel. „Einige kommen schon mit ihrem Audi vorgefahren. Insgesamt ist das Bild aber ausgeglichen.”

Steffen Knüppel würde sich nicht noch einmal für die private Hochschule entscheiden - einfach zu teuer, meint er. Am Ende kommt es eben darauf an, was für Studenten Vorrang hat: Schnell und effizient studieren - denn wer hängt bei 500 Euro im Monat schon ein Semester dran? - oder weniger Geldsorgen haben und dafür womöglich überfüllte Hörsäle in Kauf nehmen.
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