Studentenverbindungen: Alle auf dem rechten Weg?

Von: Theresa Münch, dpa
Letzte Aktualisierung:

Eisenach. Hunderte Burschenschaftler ziehen diese Woche auf die Wartburg bei Eisenach. Kritiker werfen ihnen eine Nähe zur NPD vor. Könnte stimmen, sagen Wissenschaftler. Doch sind deswegen gleich alle Verbindungen rechtsextrem?

Mit Mütze und Bändern fallen sie schon von weitem auf, manche tragen den berühmt-berüchtigten Schmiss. Stolz stimmen sie die erste Strophe des Deutschlandliedes an. Die Studenten der Deutschen Burschenschaft gelten nicht nur als trinkfest und extrem konservativ. „Die Burschenschaft hat eine offene Flanke zum Rechtsextremismus und vertritt selbst rechtsextreme Ideologie - Momente”, sagt die Gießener Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth.

Stimmt dann das Vorurteil, dass Studentenverbindungen generell rechtsextrem sind? „Nein”, sagt Kurth. „Die Mitglieder der Deutschen Burschenschaft haben es geschafft, alle anderen Verbindungen mit zu diskreditieren.”

Ein Vorwurf: Sie ziehen bewusst keine Grenze zur rechtsextremen NPD. Das stimme, sagte Sprecher Michael Schmidt. In der Verfassung der Deutschen Burschenschaft (DB) finde sich aber auch „nicht allzu viel, was mit der NPD übereinstimmt”. „Wir sehen uns zwar als politischer Verband, beteiligen uns aber in keiner Weise parteipolitisch”, betont er. Dass einzelne Burschenschafts-Mitglieder der NPD angehörten, könne er nicht leugnen. „Das ist aber Sache der Person und nicht der Burschenschaft.”

Ganz so einfach ist es nicht, meint dagegen Kurth: Die Verbindung der DB zur rechten Szene sei deutlich. „Sie schaltet Werbeanzeigen in rechtsextremen Publikationen.” Auch die Anträge auf dem Burschentag im thüringischen Eisenach bewiesen, dass der Dachverband „rechtsextreme Ideologiefragmente” vertrete.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte seine Zeitschrift ein Interview mit dem sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer. „Natürlich diskutieren wir über die Inhalte, die unsere Verbandsbrüder vertreten”, erklärt Schmidt. Dabei werde die NPD genauso behandelt wie CDU oder SPD.

Auf der Wartburg bei Eisenach hatten sich die Burschenschaften 1817 zur ersten demokratischen Versammlung in Deutschland getroffen. Geeint vom Vaterlandsgedanken wurden sie zum Wegbereiter für einen gesamtdeutschen Nationalstaat. Der Vaterlandsgedanke leitet die Burschenschaftler noch immer - und wird scharf kritisiert, weil er über die aktuellen deutschen Grenzen hinausgeht.

„Wir vertreten keinen grenz-, sondern einen kulturbezogenen Vaterlandsbegriff”, entgegnet Schmidt. Da gehöre beispielsweise auch Österreich dazu. Dies und das Singen aller drei Strophen des Deutschlandliedes bedeutete aber noch keine Nähe zur rechten Szene. „Das ist Tradition. Wir lassen uns nicht vorschreiben, welche Musik als Ausdruck welcher politischen Richtung gilt.” Die Burschenschaft sei eben nicht bereit, sich „der Political correctness anzubiedern”.

Damit werfe die DB ein schlechtes Licht auf alle deutschen Studentenverbindungen, meint Kurth. Diese aber müssten sich auch viel deutlicher wehren, rät die Gießener Wissenschaftlerin: „Viele Verbindungen sind bis heute sehr zögerlich, sich eindeutig von der Burschenschaft abzugrenzen.”

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Eigenheiten herauszustellen, nicht jedoch, andere schlechtzureden”, entgegnet Wilhelm Neusel vom Wingolfsbund, einem großen christlichen Verband, der alle zwei Jahre ebenfalls auf der Wartburg feiert. Der Wingolf wolle die Unterschiede zur Deutschen Burschenschaft deutlich zeigen, die DB jedoch nicht an den Pranger stellen.

Ganz klar macht Neusel aber auch: „Für rechtsradikale Thesen haben wir absolut kein Verständnis.” Mitglieder rechtsextremer Parteien würden nicht aufgenommen. „Sie haben in unserem Bund keinen Platz.”

Trotzdem werden auch Wingolfiten immer wieder aus der linken Szene angegriffen. Vielen sei nicht klar, dass es unterschiedliche Strömungen in der Verbindungslandschaft gebe, meint Neusel. Christliche Verbände, Landsmannschaften, Corps und musische Verbindungen würden mit Burschenschaften über einen Kamm geschoren.

Doch auch unter den Burschenschaften gibt es Unterschiede: So wird die Normannia Jena seit Jahren vom Thüringer Verfassungsschutz beobachtet. Das Innenministerium wirft ihr „enge Kontakte zum rechtsextremistischen Spektrum” vor. Es gebe Hinweise auf einen Besuch des ehemaligen NPD-Cheftheoretikers Jürgen Schwab. „Die Normannia gehört nicht zur Deutschen Burschenschaft”, betont Schmidt. Im sei keine Mitgliedsverbindung im Visier der Verfassungsschützer bekannt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert