Studenten lernen in Münster mittelalterliche Tänze

Von: Andrea Kutzendörfer, ddp
Letzte Aktualisierung:
Mittelalter-Tanz
Teilnehmer eines Kurses für „Mittelalter- und Renaissancetanz” tanzen am Dienstag in Münster. Mittelalter- und Renaissancetanz heißt der Kurs, den Kursleiterin Wiebke Krüger einmal pro Woche im Rahmen des Hochschulsports an der Universität Münster gibt. Es ist das erste Angebot dieser Art in der Stadt. Und es läuft prima. "Das Interesse ist gross", sagt die 27-Jährige, die zurzeit ihre Facharztausbildung zur Augenärztin absolviert. Foto: ddp

Münster. Mittelalterliche Klänge tönen aus dem CD-Spieler. „Jetzt der Schreittanz”, gibt Wiebke Krüger das Kommando. In Zweierreihen setzen sich 18 junge Männer und Frauen in Bewegung. Den Kopf hoch erhoben, schauen sie mal nach links, dann nach rechts. Auf Zehenspitzen schreiten sie weiter. Der Basse Danse (flacher Tanz) aus dem 15. Jahrhundert endet mit einer Verbeugung. Wiebke Krüger ist zufrieden.

„Mittelalter- und Renaissancetanz” heißt der Kurs, den sie einmal pro Woche im Rahmen des Hochschulsports an der Universität Münster gibt. Es ist das erste Angebot dieser Art in der Stadt. Und es läuft prima. „Das Interesse ist groß”, sagt die 27-Jährige, die zurzeit ihre Facharztausbildung zur Augenärztin absolviert. „Der Kurs war ganz schnell ausgebucht.” Als Studentin in Leipzig hat die Medizinerin einen Workshop „Historische Tänze” belegt und war ganz begeistert.

„Mittelalter- und Renaissance-Tänze sind Gruppentänze, bei denen man einen eigenen Partner hat, aber auch mit anderen tanzt”, erzählt sie. In Münster wollte sie wieder einen derartigen Kurs belegen. „Es gab aber keinen”, sagt sie. „Da hab ich selbst einen angeboten.” Die Mittelaltertänze - in der Regel Kreistänze mit wenigen verschiedenen Schritten - seien Vergnügungen des einfachen Volkes gewesen, erläutert Krüger. „Für die Aristokratie wurden sie hoffähig gemacht.” Tanzmeister wie der Franzose Thoinot Arbeau bearbeiteten und unterrichteten sie. „Am Hofe in Frankreich oder England mussten aber bestimmte Anstandsregeln befolgt werden. So wurde das Ganze zwar sehr elegant, aber auch sehr steif.”

Die englischen Country Dances aus der Zeit der Renaissance (nach dem Mittelalter, 15. und 16. Jahrhundert) hätten dagegen mehr Figuren und seien lebendiger. „Singt und trinkt mit uns den Wein!”, schallt es deftig durch den Kursraum auf dem Leonardo Campus in Münster. Man tanzt den Tourdion. Die Studenten - die meisten von ihnen in Jeans - stehen im Kreis und fassen sich an den Händen. Sie machen Schritte zur Seite und auf die Mitte zu, springen um den Nachbarn zur Linken herum und beginnen das Ganze wieder von vorn. Auch dieser Renaissance-Tanz endet mit einer Verbeugung.

„Set und turn!”, ruft die Kursleiterin, die auch selbst mittanzt. Eine Drehung um die eigene Achse ist angesagt. Nicht alles klappt immer reibungslos, mancher verläuft sich und muss schnell zurück auf seine Position. Es wird viel gelacht. Dann ertönt fröhliche Flötenmusik. In zwei Reihen stellen sich die Tänzer gegenüber. Sie klatschen, schreiten und hüpfen um einander herum.

„Den Country Dance mag ich besonders”, sagt Krüger. „Ich liebe den Branle des Chevaux. Das ist ein dreiteiliger Kreistanz”, erzählt Lucas Behrendt. Den Kurs besucht der Student aus Dortmund, weil er sich gerne auf Mittelaltermärkten tummelt und dort auch immer wieder gerne mittanzt. „Die meisten der historischen Tänze sind nicht schwer”, fügt Maria Schors hinzu. Der 24-Jährigen aus Berlin gefällt vor allem, dabei lange Röcke tragen zu können.

Anja Frodermann gibt ihr Wissen aus dem Kurs sogar weiter. „Vom Klassenraum ins Mittelalter” heißt ein Projekt mit Grundschülern in Münster, bei dem die 23-jährige angehende Lehrerin den Kleinen auch historische Tänze beibringt. Am 10. Juli hat der Kurs von Wiebke Krüger seinen großen Auftritt - bei einem Fest in Münsters Stadtteil Wolbeck. Dann werden auch endlich die historischen Kostüme angezogen.
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