Studenten halten Hörsaal weiterhin besetzt

Von: Adreas Gabbert
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Studenten bereiten sich auf den Bildungsstreik vor: Im besetzten Hörsaal Fo3 wird kontrovers über die Beteiligung diskutiert. Foto: Andreas Gabbert

Aachen. Etwas übernächtigt wirken einige der Studenten, die den Hörsaal Fo3 im Kármán-Auditorium besetzt halten. Nach einer Sondervollversammlung zur Vorbereitung des Bildungsstreiks am kommenden Dienstag hatten sich rund 100 Studierende entschlossen, das Plenum auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

„Das Plenum hat bis spät in die Nacht an Inhalten und dem Beitrag für die am Dienstag, 17. November, in Aachen stattfindende Demonstration gearbeitet. Es wird auf unbestimmte Zeit fortgesetzt!”, heißt es in einer Pressemitteilung „aus dem verlängerten Bildungsstreikplenum an der RWTH”.

Sofa auf dem Podium

Es ist heiß in dem Hörsaal, überall hängen Plakate, die zum Streik aufrufen, Kaffeefilter und Proviantreste zeugen von einer langen Nacht, dazu passt auch das Sofa auf dem Podium. Im Laufe des Nachmittags füllt sich der Raum mit immer mehr Studenten, die diskutieren, mitarbeiten oder sich einfach nur informieren wollen. Die Temperatur steigt und es wird intensiv und kontrovers diskutiert. Immer wieder fragt der Moderator der Diskussion: „Seid ihr dafür oder dagegen?” Im Hörsaal Fo3 herrscht Demokratie.

„Wir wissen nicht, wie lange das geht. Wir versuchen das Maximum an Kreativität rauszuholen. Dazu arbeiten wir in Kleingruppen und diskutieren die Ergebnisse im Plenum”, erklärt André, der seinen vollen Namen nicht preisgeben möchte. Nicht weil er Repressalien fürchten würde, sondern weil er als Sprecher des Plenums nicht als Person im Vordergrund stehen möchte.

Die Diskussionen werden teilweise immer wieder aufs Neue aufgerollt - die Studierenden kommen und gehen. „Uns wird oft der Vorwurf gemacht, dass solche Veranstaltungen von politischen Gruppen und Parteien ausgenutzt werden. Dem wollen wir entgegentreten und uns als offenes Forum präsentieren”, sagt André. Besonders deutlich wird das, als ein Vertreter der Linken das Podium betritt, um sich mit den Studenten solidarisch zu erklären. Doch die buhen ihn aus und fordern ihn auf, das Podium wieder zu verlassen.

Rektor Ernst Schmachtenberg hatte das Plenum am Morgen besucht und mit den Studierenden diskutiert. „Keinen Konsens” gebe es mit dem Rektor, ob und wann der Hörsaal wieder für den normalen Lehrbetrieb freigegeben werde. Eine Androhung, das Forum zu räumen, liege seitens der Hochschulleitung nicht vor, hieß es am Morgen aus dem Plenum. Dies bestätigte auch die Pressestelle der RWTH. Räumungspläne gebe es nicht, die Polizei werde nicht hinzugezogen, man warte erstmal ab.

Auch inhaltlich sei mit Professor Ernst Schmachtenberg diskutiert worden, war aus dem Plenum zu erfahren. Die Besetzer fordern unter anderem die Abschaffung der Studiengebühren, eine bessere Hochschulfinanzierung durch das Land NRW, die Neuordnung des Bachelor- und Mastersystems, selbstbestimmtes Lernen innerhalb eines breiteren Bildungsangebotes in Hochschulen sowie in Schulen die Abschaffung von Kopfnoten und des G8-Abiturs.

Offene Diskussionsrunde

Durch die Besetzung des Hörsaals mussten bereits mehrere Lehrveranstaltungen ausfallen. Kleinere Probleme gab es auch im Zusammenhang mit der Wissenschaftsnacht am Freitag. Die Aufführung eines Theaterstücks und zwei Vorträge mussten in das Hauptgebäude verlegt werden. Die Studierenden wollten die Wissenschaftsnacht nutzen, um im Fo3 auf ihre Belange aufmerksam zu machen und zeigen, „dass dies auch ein Aspekt des Studierens ist”.

Für den heutigen Samstag laden die „Aktiven des bundesweiten Bildungsstreik” zu einer offenen Diskussionsrunde über die Missstände im Bildungssystem ein. Um 16 Uhr wollen sie im Fo3 mit allen Interessierten über freie Bildung, Studiengebühren, soziale Chancengleichheit und die Verbesserung der Lehre sprechen.
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