Aachen - RWTH muss 30.000 Karten austauschen

RWTH muss 30.000 Karten austauschen

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
Einführung misslungen: Der ne
Einführung misslungen: Der neue Plastikausweis für Studierende weist Sicherheitslücken auf und muss erneuert werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. In früheren Zeiten waren die Studierendenausweise kleine gelbe beziehungsweise rosa Blätter, auf denen persönliche Daten für jeden sichtbar vermerkt waren. Vor annähernd einem Monat stellte die RWTH auch auf Wunsch des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) um: 30.000 kreditkartenähnliche sogenannte Blue Cards wurden an die Studieren verschickt.

Bitter für die Hochschule: Dem Hersteller unterlief bei der Herstellung der blauen Plastikkarten ein Fehler. Die Folge: Die neuen Ausweise müssen nun wieder ausgetauscht werden. Sie entsprechen nämlich nicht den Sicherheitsstandards, die die RWTH mit der ausführenden Firma vereinbart hatte. Eine Verschlüsselung war schlichtweg vergessen worden - von der RWTH aber vor der Ausgabe auch nicht überprüft worden.

Ein wichtiges Merkmal fehlt

Ein pfiffiger Physik-Student hatte die Mängel aufgedeckt und den Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) informiert. „Er hat die Karte unter ein Lesegerät gehalten, ein bisschen rumgespielt und die Sicherheitslücke entdeckt”, erklärt AStA-Vorsitzenden Alexander Buchheister. Für ihn liegt ein „eindeutiger Fehler des Herstellers” vor.

So sieht es auch Werner Möller, Dezernent für Inneren Dienstbetrieb an der RWTH: „Das ist vergleichbar mit einem Autokauf: Sie kaufen einen Neuwagen mit bestimmten und vereinbarten Ausstattungsmerkmalen und plötzlich entdecken Sie, dass ein aus Ihrer Sicht wichtiges Merkmal fehlt.”

Heute wird mit der Firma verhandelt, es geht dabei um eine sechsstellige Summe. Gesteht sie ihren Fehler auch ein? „Jein”, sagt Möller, „sie sieht die Sicherheitsrelevanz nicht so wie wir.” Dennoch gibt es laut Möller keinen Handlungsspielraum: „Die Ausstattung war vertraglich geregelt und sie muss stimmen.”

Die Logistik ist das Problem

Weniger die Gespräche mit dem Hersteller als vielmehr die Karten-Umtauschaktion liegt dem RWTH-Dezernenten etwas auf dem Magen: „Das ist logistisch alles nicht so einfach. Sie können sich die Schlangen vorstellen, wenn 30.000 Studierende ihre Multifunktionskarten persönlich umtauschen müssen.” AStA-Vorsitzender Buchheister, zugleich Mitglied der Projektgruppe „Blue Card” an der RWTH, hofft, dass die Studierendenausweise schon im Juni ausgetauscht werden können: „Wir wollen das Problem schnell lösen und werden alle Studierenden rechtzeitig informieren.” Bislang haben die Karteninhaber lediglich schriftlich den Hinweis erhalten, dass ihre Ausweise unsicher und somit auch unbrauchbar seien.

Vor allem der AStA hatte immer wieder auf Datensicherheit gepocht. Sie sei auch ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Kartenanbieters gewesen, betont Buchheister.

Umso ärgerlich ist für die RWTH, dass die Einführung der „Blue Card” nun misslungen ist. „Wir haben zwar diesen Fehler nicht zu verantworten, aber letztlich fällt er doch auch auf uns zurück. Ich kann mir wirklich bessere Schlagzeilen vorstellen”, sagt der RWTH-Dezernent für Innere Sicherheit.

Eine Lehre hat Werner Möller aus dem Dilemma schon gezogen: Er will die Karten vor der neuerlichen Auslieferung von fachkompetenten Hochschulkollegen prüfen lassen.

Blue Card: Elektronische Geldbörse für die Mensen

Die Blue Card soll als Multifunktionskarte für vier Jahre gültig sein. Mit dem neuen Ausweis im Scheckkartenformat können die Studierenden bargeldlos in Mensen bezahlen, Bücher in der Bibliothek ausleihen und sich für den Hochschulsport ausweisen.

Die Daten für die Karten sollten eigentlich nach dem AES-Verfahren (Advanced Encryption Standard) verschlüsselt werden. In den USA wird dieses Verfahren laut der RWTH für Dokumente mit der höchsten Geheimhaltungsstufe eingesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert