RWTH: Differenzen werden deutlich

Von: Axel Borrenkott
Letzte Aktualisierung:
RWTH
Das Hauptgebäude der RWTH Aachen. Foto: dpa

Aachen. Sollte man in der Leitung der RWTH gehofft haben, der angekündigte Rücktritt des Prorektors Günther Schuh hätte sich mit den ersten Erklärungen erledigt, hat man sich getäuscht. Im beiderseitigen Bemühen, die Wogen zu glätten, treten auch immer mehr Differenzen zwischen Schuh und Rektor Ernst Schmachtenberg offener zutage.

Am vergangenen Samstag hatte unsere Zeitung berichtet, dass Schuh, der Prorektor für Wirtschaft und Indus­trie, sein Amt zum 30. November aufgibt, nachdem der Rektor ihm bedeutet habe, dass „sein politisches Engagement zu Vorbehalten der rot-grünen Landesregierung führen könne”. Schuh wollte bei einem Wahlsieg der CDU Wirtschafts- und Wissenschaftsminister in NRW werden.

Der anschließende Medienwirbel reichte von „FAZ” („Vorauseilender Gehorsam”) über „Spiegel” („CDU und raus bist du”) bis zur „Süddeutschen Zeitung”. Schließlich fühlte sich sogar die Unionsfraktion im Bundestag animiert, Schmachtenberg zum Rücktritt aufzufordern und die Ministerpräsidentin zur Klarstellung nötigen zu wollen, dass die RWTH „keine Nachteile zu fürchten hat, wenn der Prorektor im Amt bleibt”.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) findet „den ganzen Vorgang skandalös”. Gegenüber der „Welt” nannte sie es „inakzeptabel, dass jemand aus einem Führungsamt an der Universität zurücktreten soll, weil er im Schattenkabinett der unterlegenen Partei bei einer Landtagswahl war”.

Hannelore Kraft äußert sich dazu erwartungsgemäß nicht, wie es auch nicht den geringsten Hinweis dafür gibt, dass Düsseldorf gegenüber der RWTH Bedenken wegen der Rolle Schuhs im Wahlkampf gehabt hätte.

Mit der aus seiner Sicht unvereinbaren Rolle als Politiker und als Wissenschaftler begründet aber Schmachtenberg, dass Schuh als Prorektor letztlich nicht zu halten gewesen sei: „Natürlich kann sich jeder in der RWTH politisch engagieren, das ist doch gar keine Frage. Es geht aber darum: Können wir die verschiedenen Rollen in Einklang bringen - hier der Professor, der zur Wahrheit verpflichtete Wissenschaftler, dort der Prorektor in Leitungsfunktion der RWTH, dann schließlich der Wahlkämpfer und Schattenminister.”

Ein Prorektor müsse fähig sein „zur von Vertrauen getragenen Kommunikation mit unseren Partnern in Politik, Verwaltung und Wirtschaft”. Und die war nicht mehr gegeben? „Das sind Abwägungen. Da gibt es keine klare Antwort. Ich habe Herrn Schuh gebeten, diesen Punkt zu prüfen und gegebenenfalls seine Schlüsse zu ziehen.”

Schuh, der auf jeden Fall erster Mann für den RWTH-Campus bleiben soll und will, akzeptiert die Einschätzung des Rektors, wie er uns am Freitag bestätigte, aber mit einer klaren Einschränkung: „Trotzdem war es nicht unbedingt nötig davon auszugehen, dass mein Verbleiben im Rektorat zu Vorbehalten der Landesregierung führen könnte.” Wahlkampf sei Wahlkampf, und aus seiner Sicht seien beide Rollen „absolut verbindbar”.

Von der Rücktrittsforderung aus der Union halten übrigens beide absolut nichts. Schuh: „Das ist völlig übertrieben. Der Rektor hat sich bemüht, die Hochschule zu schützen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert