Riskantes Verhalten führt eher nicht zum Sieg im Spiel

Von: th/abt
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Aachen. Das letzte Viertel läuft, und die Mannschaften werden wie bei allen Spielen der National Basketball Association (NBA) von den Fans frenetisch angefeuert. Die Sportler der zurückliegenden Mannschaft versuchen mit vollem Einsatz, das Match noch zu gewinnen.

Macht es Sinn, jetzt das Risiko zu erhöhen und vermehrt auf Dreipunkt-Würfe zu setzen? Treffer aus einer größeren Distanz bringen einen Punkt mehr, sind aber auch mit einem höheren Risiko von Fehlwürfen behaftet. Verfehlt der Spieler den Korb, kommt der Gegner leicht in Ballbesitz und kann kontern.

Der Frage, wann eine erhöhte Risikobereitschaft Sinn macht, ist Christian Grund, seit Oktober 2012 Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Personal am Beispiel der NBA nachgegangen. In einer empirischen Studie hat Grund – noch in seiner Zeit an der Uni Würzburg und eben dort zusammen mit Jan Höcker und Stefan Zimmermann – Relevanz und Effektivität von erhöhter Risikobereitschaft im Laufe von Spielen der NBA untersucht. Der Beitrag zu den Konsequenzen riskanten Verhaltens auf Turnieren wurde jetzt im Fachorgan „Economic Inquiry“ veröffentlicht.

Im hochbezahlten Spitzensport spielt Statistik eine große Rolle: Die NBA dokumentiert akribisch alle Spielzüge der einzelnen Begegnungen und stellt die Daten ins Internet. Die Wissenschaftler konnten so auf entsprechendes Material zurückgreifen und ablesen, ab wann die Mannschaften vermehrt auf Dreipunkt-Würfe setzten und wie erfolgreich sie damit sind. Die Auswertungen haben ergeben, dass zurückliegende Teams tatsächlich mehr Dreipunkt-Würfe einsetzen, diese erhöhte Risikobereitschaft in der Mehrzahl der Fälle aber nicht effektiv ist. „Es handelt sich meistens um eine Fehlentscheidung und irrationales Verhalten.“ Nach den Auswertungen der Wissenschaftler haben die Teams, die „normal“ weiterspielen, größere Chancen, noch zu gewinnen als die risikobereiten.

Für Grund ist der Sport nur ein Anwendungsfall für Turniersituationen. Diese kommen auch in Unternehmen vor, werden aber datentechnisch kaum erfasst. Es geht um den relativen Leistungsvergleich. Dies ist der Fall, wenn zum Beispiel nicht die Umsatzsteigerung oder das Finanzergebnis als Basis dienen, sondern das Abschneiden in Relation zu den Kollegen. Zu den typischen Situationen gehört die Ankündigung, dass am Ende des Jahres einer von mehreren Mitarbeitern befördert, weterbeschäftigt oder mit einem Bonus bedacht wird.

Bereitschaft zum Wagnis

„Hier gibt es viele Analogien zum Sport“, erläutert Christian Grund. „Es ist keine komplette Übertragbarkeit möglich, aber Vorgesetzte, die solche Turniere installieren, sollten sich bewusst sein, dass sie damit Verhaltensänderungen provozieren.“ Diese müssen nicht immer im Sinne des Unternehmens sein.

Wenn sich die Konkurrenten zum Beispiel vor allem mit dem Wettbewerb und nicht den übergeordneten Aufgaben beschäftigen oder ihre gesteigerte Wagnisbereitschaft, zum Beispiel bei Investitionsentscheidungen, bei einem vermeintlichen Rückstand auch Risiken für das Unternehmen mit sich bringt.

Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter fordern möchten, müssen die Risiken abwägen. Grund: „Solche Anreizsysteme können durchaus Sinn machen, sollten aber auf die Situa tion zugeschnitten sein.“

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