Rechtzeitig die Reißleine ziehen: Tipps zum Studienfachwechsel

Von: Marc Herwig, dpa
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Kiel/Siegen. Am Anfang sah alles so gut aus: Die neue Stadt war toll, die Partys waren laut und die Vorlesungen spannend.

Aber nach ein paar Monaten kehrt der Unialltag ein, und die Euphorie ist plötzlich verflogen, weil das Studium ganz anders ist als erwartet. Wer den Studienstart so erlebt, sollte der Uni nicht gleich den Rücken kehren. Studienberater empfehlen aber, die Entscheidung über einen Fachwechsel nicht auf die lange Bank zu schieben. Dieser Schritt muss gut überlegt sein - auch weil er Probleme mit dem Bafög-Amt mit sich bringen kann.

„Die ersten kommen schon am zweiten Vorlesungstag und wollen wechseln”, erzählt Volker Röhrich, Studienberater an der Universität Kiel. Aber auch in den Semesterferien, wenn mehr Zeit zum Grübeln bleibt, kommen bei vielen Zweifel auf.

Gründe für die Unzufriedenheit gibt es genug. „Aber meistens sind es falsche Erwartungen an das Fach”, hat Röhrich beobachtet. „Es gibt immer noch viel zu viele, die haben sich vorher noch nie Gedanken gemacht, ob sie für das Studium überhaupt geeignet sind.”

So gebe es Betriebswirte, die einen Spleen für die Börse haben, aber von den Mathematik-Vorlesungen kalt erwischt werden. Oder Informatiker, die zwar den ganzen Tag am Computer hängen, aber nicht mit so vielen technischen Vorlesungen gerechnet hatten. „Studiengänge sind oft anders, als man es durch ihren Namen erwartet”, sagt Elke Mittag, Studienberaterin der Universität in Hannover.

Brüche im Lebenslauf sind kein Karriere-Killer

Wenn klar wird, dass sie sich für das falsche Studium entschieden haben, stehen Hochschüler vor einer psychischen Belastungsprobe: Sie sehen sich als Versager oder haben Angst, dass das abgebrochene Studium als Karriere-Killer wirkt. „So ein Fehler ist keine Schande. Aber man muss die Situation in die Hand nehmen”, mahnt Röhrich. Auch Personalern sei ein Bruch im Lebenslauf lieber, als wenn sich jemand Probleme nicht eingesteht oder nicht weiß, was er will. „Entscheidend ist, dass ein roter Faden zu erkennen ist. Man hat das Recht, an die Wand zu fahren - wenn man die Konsequenzen zieht”, sagt Röhrich.

Welche Lösung die richtige ist, lasse sich nur im Einzelfall klären. Wem das Studium zu theoretisch ist, der ist womöglich an einer Fachhochschule besser aufgehoben. Wer mit der Studienstadt nicht warm wird, sollte über einen Ortswechsel nachdenken. Und wer mit seinem Fach hadert, sollte überlegen, welcher Studiengang seinen Interessen eher entspricht. „Wichtig ist: Diesmal keine Schnellschüsse”, rät Studienberaterin Mittag. Die Fehler, die beim ersten Mal zu einer Fehlentscheidung geführt haben, müsse man schließlich beim zweiten Mal nicht schon wieder machen.

Deshalb als Erstes: Viel lesen. Im Internet, aber auch bei den Studienberatungsstellen gibt es ausführliches Material zu allen Studiengängen. Dann sollte man auch praktisch in das Fach hineinschnuppern und ein paar Vorlesungen besuchen. „Da sieht man, wie das Fach funktioniert, was für Themen behandelt werden und was für Menschen dort sind”, sagt Mittag. Unbedingt sollte man dabei das Gespräch mit anderen Studenten suchen, die auch von Hürden und negativen Seiten eines Studiengangs erzählen können.

Ein zusätzliches organisatorisches Problem gibt es: Oft kann man nur zum Wintersemester im Herbst in ein neues Studium einsteigen. Trotzdem lässt sich die Zeit bis dahin nutzen, sagt Röhrich. Vorlesungen können Studenten in der Regel schon besuchen, ohne für das neue Fach eingeschrieben zu sein. Wer keinen kompletten Richtungswechsel vollzieht, sondern in ein fachverwandtes Studium wechselt, kann womöglich in seinem alten Studienfach noch Module abschließen, die er im neuen Fach ohnehin braucht.

Einschränkungen beim Bafög

Wichtig ist auch der Gang zum Studentenwerk. Denn für den Bafögbezug ist ein Studienfachwechsel nicht unproblematisch. Bis zum dritten Semester können Studenten zwar das Fach wechseln und werden weiterhin gefördert. Weil sich das Studium durch den Fachwechsel aber in die Länge zieht, muss man zum Studienende oft ohne Förderung auskommen. „Man wird aber nicht im Regen stehengelassen”, betont Irmgard Steffens vom Amt für Ausbildungsförderung des Studentenwerks Siegen. Es gibt dann ein Darlehen von der KfW-Förderbank, das später aber samt Zinsen zurückgezahlt werden muss.

Wer sein Studienfach noch nach dem dritten Semester wechseln will, muss einen „unabweisbaren Grund” haben, um weiter Bafög zu bekommen. „Und der wird sehr eng ausgelegt. Da müsste ein Chemiestudent schon gegen fast alle Chemikalien allergisch sein”, erklärt Steffens. Darüber informierten sich Studenten oft nicht rechtzeitig genug. „Viele stehen plötzlich bei uns vor der Tür, nachdem sie das Fach schon längst gewechselt haben.”
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