Quereinstieg ins Lehramt: Umsatteln darf keine Notlösung sein

Von: Berit Waschatz, dpa
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Wer einen Quereinstieg ins Lehramt erwägt, sollte sich genau erkundigen. Foto: dpa

Berlin/Essen. Lehrer haben viel Freizeit und ständig Ferien - so lautet ein gängiges Klischee. Wer aber bloß in den Beruf wechseln will, um einen ruhigen Halbtagsjob zu bekommen, ist an der falschen Adresse. Quereinsteiger dürfen die Arbeit als Lehrer nicht unterschätzen. Und verbeamtet werden sie auch nicht automatisch.

„Der Quereinstieg kommt vor allem für jene infrage, die immer schon diese Option ernsthaft überlegt haben, also eine generelle Affinität zur Arbeit mit jungen Menschen haben”, sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Philologenverbandes in Berlin. Er rät davon ab, einen Quereinstieg nur deswegen zu wagen, weil man auf seinem Berufsweg nicht weiterkommt.

Bewerber sollten sich bewusst sein, dass es beim Lehrerberuf in erster Linie um das Vermitteln von Wissen geht. Das Fachliche ist nicht der Kern der Arbeit als Lehrer. „Es ist etwas anderes, als Mathe-Lehrer zu arbeiten und mit pubertierenden Jugendlichen Dreisatz zu machen, als Mathematiker zu sein”, warnt Michael Schulte in Essen. Er beschäftigt sich beim Landesverband Nordrhein-Westfalen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit dem Thema.

Ein Quereinstieg sei auch nur dann eine Perspektive, wenn Bewerber unter 40 oder 45 Jahren alt sind und in mindestens einem Mangelfach qualifiziert sind, sagt Meidinger. Zu den Mangelfächern gehören vor allem die sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Doch auch mit Kenntnissen in Latein und Spanisch hat man gute Aussichten. Das gilt zumindest für Gymnasien, Gesamt- und Realschulen.

Eher ausgeglichen sei die Situation im Grundschulbereich, erklärt Meidinger. Starker Mangel herrscht wiederum an beruflichen Schulen, insbesondere in den technischen und kaufmännischen Fächern. In einigen Ländern wie Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen werden aber auch Lehrer in sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern gesucht.

In Mangelfächern können Bewerber eher in beliebten Orten unterkommen, hat Schulte beobachtet. Ein Quereinsteiger mit den Massenfächern Deutsch oder Geschichte finde eher an einer Gesamtschule auf dem Land eine Stelle.

In einigen Ländern haben Bewerber nur dann Aussicht auf einen Lehrerjob, wenn sie zwei Fächer lehren können. Mathematikern und Physikern wird dabei oft zugetraut, dass sie die nötigen Kenntnisse im jeweils anderen Fach haben. „Aber bei anderen Fachvertretern kann dies problematisch werden. Notfalls muss noch ein Fach nachstudiert werden”, sagt Meidinger. Das geht manchmal ausbildungsbegleitend. So können Bewerber unter Umständen ein Referendariat als Deutschlehrer und gleichzeitig eine Erweiterungsprüfung an der Uni etwa im Zweitfach Spanisch machen.

Erfüllen Quereinsteiger die nötigen Voraussetzungen, können sie auch noch verbeamtet werden. Ihre Chancen prüfen sie vorab aber besser genau. Denn andernfalls gerieten sie in „die perspektivlose Situation, sich mit befristeten Verträgen und miserabler Bezahlung durchkämpfen zu müssen”, warnt Meidinger.

Die Regeln für eine Verbeamtung sind je nach Land unterschiedlich. Die Altersgrenzen schwanken zwischen 35 Jahren in Nichtmangelfächern in Nordrhein-Westfalen und 50 Jahren in Hessen. Wer keine Chance auf Verbeamtung hat, kann zwar in Mangelfächern auch unbefristete Angestelltenverträge bekommen, aber im Staatsdienst in aller Regel nicht ohne abgeleistetes Referendariat. Meist gilt: Ohne eine pädagogische Ausbildung erhalten Lehrer nur Aushilfsverträge und müssen jedes Jahr zittern, ob der Vertrag verlängert wird oder nicht.

Wer nicht in den Staatsdienst will, sondern an eine Privatschule, hat als Quereinsteiger bessere Chancen. Dort seien die Einstellungsbedingungen etwas flexibler, sagt Meidinger. So kann ein fehlendes Referendariat an Privatschulen manchmal durch Unterrichtspraxis ausgeglichen werden.

Will ein Physiker oder Biologe ins Lehramt einsteigen, sollte er die Probe aufs Exempel machen, rät Joachim Lührs, Ausbildungs-Experte beim Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg. Kandidaten sollten zuerst ein mehrwöchiges Praktikum machen. „Und es sollte kein Praktikum an einem Gymnasium sein, wo es gut läuft, sondern dort, wo man Schülern etwas mehrmals erklären muss.”

Alternativ Studienleistungen anerkennen lassen

Selbst wenn jemand die Voraussetzungen für einen Quereinstieg nicht erfüllt, muss er den Lehrerberuf nicht endgültig abhaken. Der Weg ist nur ein wenig länger. Denn er hat die Möglichkeit, bereits erbrachte Studien- und Prüfungsleistungen auf ein Lehramtsstudium anrechnen zu lassen. In den meisten Bundesländern gibt darüber das Amt für Lehrerbildung Auskunft.

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