„Pulse of Europe“: Studierende ergreifen die Initiative

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Immer wieder sonntags auf dem Katschhof: Hier versammeln sich europafreundliche Bürgerinnen und Bürger, um Flagge und Luftballon für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern zu zeigen. Sie demonstrieren für die Zukunft der Europäischen Union. Auch Studierende der FH waren im Rahmen ihres Journalistik-Projekts mit dabei und dokumentieren auf dieser Seite ihren Auftritt. Alle Foto: MCD
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Sie studieren Media and Communications for Digital Business (MCD) an der FH Aachen: Hilda Fardjudi und David Hermes halten auf dem Aachener Katschhof ein überzeugendes Plädoyer für Europa. Zur Gruppe gehören auch Paul Schumacher, Caroline Sophie Arndt, Anna-Carina Jodlauk, Andre Sebastian Granja Zurita und Denitsa Hristova. Foto: MCD
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Auch sie verfolgt Europa: eine junge Europäerin bei „Pulse of Europe“. Foto: MCD

Aachen. Der Beifall ebbt langsam ab. Aufgeregt, fast ungeduldig, sitzen sie im Hintergrund der Bühne. Während er mit seinem Fuß auf und ab wippt, zwirbelt sie eine ihrer Haarsträhnen. Ein Meer aus blauen Luftballons füllt den Katschhof.

Auf den Treppen vor dem Rathaus macht der Moderator einen Schritt ans Mikrofon: „Die nächsten Redner kommen gleich im Doppelpack – es sind zwei Studenten der Fachhochschule Aachen, Hilda Fardjudi und David Hermes.“ Hunderte Augenpaare richten ihren Blick auf die beiden jungen Leute, die sich nun, trotz Herzklopfen, mit einem Lächeln vor die Menge stellen.

„Der so genannte Schmetterlingseffekt, der kleinste Flügelschlag hier, kann ganz woanders einen tosenden Sturm entfachen.“ Mit dieser Metapher beschreibt David bereits im ersten Satz die Idee und den Effekt der „Pulse of Europe“-Veranstaltung sehr treffend. „Man spricht über Europa oder Themen wie die Wahlen. Ob bei Ihnen Zuhause in den Wohnzimmern, am Arbeitsplatz oder bei uns in der Uni.“

Doch wie präsent ist Politik dort wirklich? Schließlich kursiert das Gerücht, dass die junge Generation kaum Interesse daran zeigt und unabhängige Bürgerinitiativen wie „Pulse of Europe“ als Schönwetterdemos abgestempelt werden. Um das Gegenteil zu beweisen, haben wir uns es als junge Studententruppe von acht Leuten, darunter David und Hilda, zur Aufgabe gemacht, das Problem der vermeintlichen Politikverdrossenheit anzugehen.

Um zu erfahren, welche Zielgruppe man mit politischen Themen überhaupt erreicht, erstellten wir vor dem Auftritt eine Online-Umfrage zum Thema Europa und „Pulse of Europe“, an der knapp 200 Menschen teilnahmen. Vor allem viele junge Leute unter 30 beantworteten unseren Fragebogen.

Das Meinungsbild zeigt, dass ein Großteil der Befragten pro-europäisch eingestellt ist und sich für eine Gemeinschaft der Staaten ausspricht. Doch welchen Einfluss hat „Pulse of Europe“ auf die Wähler? Etwa 40 Prozent der Befragten hatten zwar bereits von der Veranstaltung gehört, jedoch waren lediglich vier von 100 Leuten vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. „Wir wollen, dass mehr Leute sprechen; denn nur den Sprechenden kann geholfen werden. Die Aufmerksamkeit muss sich erhöhen und unsere Umfragewerte müssen sich positiv verändern,“ sagen die Studenten.

Um das zu erreichen, wird der Auftritt der beiden Studenten von uns in Echtzeit als Livestream auf Social-Media-Kanälen übertragen.

Offene Grenzen, freier Handel

Hilda übernimmt das Mikrofon und lenkt die Aufmerksamkeit der Hörer in ihrem Teil der Ansprache auf die Europa-Gegner und verweist dabei vor allem auf die Zeit vor der europäischen Union.

„Will ich keine offenen Grenzen, einfach in den Urlaub fahren, wohin ich will? Keinen freien Handel?“

Eine kurze Denkpause sorgt für Gemurmel in der Menschenmenge. Das Bewusstsein für die Privilegien einer Gemeinschaft wie der EU scheint bei vielen zwar vorhanden zu sein, läuft jedoch Gefahr, schnell als selbstverständlich abgestempelt zu werden. Welcher Aachener ist nicht schon mal an einem Sonntag zu „Ikea“ nach Heerlen gefahren, um schwedische Köttbullar zu genießen?

Im weiteren Verlauf der Rede wird verdeutlicht, dass diese Freiheit wertgeschätzt werden sollte. „Was mich persönlich das Gestern lehrt – mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft, die Globalisierung und Digitalisierung – ist, dass Schubladendenken, etwa Menschen aufgrund ihrer Sexualität die Ehe vorzuenthalten, Religionen einschränken zu wollen, Menschen in Rassen zu unterteilen und Vorurteile und zwischenmenschlichen Hass zu schüren, total 1933 ist und unsere Gesellschaft um Jahrhunderte zurückwirft, statt uns in den Fortschritt zu leiten!“

Wie also erreichen wir diesen Fortschritt? „Zusammenhalt“ ist eine der Antworten auf diese vielseitige Frage. Und dieses Ziel ist nicht weit entfernt; denn zum Abschluss der „Pulse of Europe“-Veranstaltung rückt das gesamte Publikum zusammen und reicht sich gegenseitig die Hände. Dabei wird „Freude schöner Götterfunken“ gesungen und gesummt, und es entsteht nicht nur bildlich eine Gemeinschaft. Zu guter Letzt lassen alle ihre blauen Luftballons, mit Blick auf den kaiserlichen Dom in die Luft steigen.

Der Esprit der Menschen liegt förmlich in der warmen Sommerluft und soll auch weiterhin gefördert werden. Um für die Bundestagswahlen im September mit voller Energie und pro-europäischen Beiträgen einsatzbereit zu sein, gönnt sich „Pulse of Europe“ eine kleine Sommerpause, in der die Veranstaltung nur noch am ersten Wochenende jeden Monats stattfinden wird. Ab September werden die diversen Redner wieder wöchentlich am Katschhof ihre Meinung kundtun und für ein gemeinsames Europa eintreten, bis am 24. September, dem Tag der Wahrheit, die Bundestagswahl ansteht.

Bis dahin werden wir, als überzeugte Gruppe von Studenten, ein Zitat von Hans Dietrich Genscher im Hinterkopf behalten: „Unsere Zukunft ist Europa – eine andere haben wir nicht!“

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