Plakativer Protest gegen Privatisierung

Von: Oliver Schmetz
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Harte Worte: Laborkräfte, die seit vielen Jahren im Klinikum arbeiten, fühlen sich „abgewrackt”. Rund 500 Mitarbeiter protestierten am Montagmittag gegen die Privatisierungspläne. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Plakate, die vor dem Klinikum in die Höhe gereckt werden, erzählen eine ganze Geschichte: „30 Jahre Erfahrung zählen nicht”, klagt ein Schild an, „In einem Jahr arbeitslos, ist das der Dank?”, fragt ein anderes.

Auf einem dritten Banner wird gar vermutet, dass die „Abwrackprämie jetzt auch für MTA´s” gelte. Nur ein Plakat ist eigentlich überflüssig. „Wir sind geschockt”, steht darauf. Doch um das zu sehen, reicht schon ein Blick in die Gesichter der Beschäftigten.

Und es sind viele Mitarbeiter, die an diesem Montag dem Protest gegen die Privatisierungspläne im Uniklinikum ein Gesicht geben. Rund 500 Menschen versammeln sich in der Mittagspause vor dem Haus, um ihre Solidarität zu demonstrieren mit den rund 100 Kollegen aus den Laboren der Klinischen Chemie und der Mikrobiologie, die aktuell um ihre Zukunft bangen. Wie berichtet, will die Klinikumsleitung in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats beantragen, diese Bereiche zu privatisieren. Davon verspricht man sich Einsparungen im niedrigen Millionenbereich.

„Heute wir, Morgen Ihr” - dieser plakative Protestspruch der Betroffenen gibt wieder, was viele Mitarbeiter in anderen Bereichen des Hauses denken und fürchten. Und er erklärt die große Solidarität. Denn die Privatisierungswelle, so erwarten es Belegschaft und Personalrat, wird eher ansteigen als abebben. Alleine „40 sogenannte Anpassungsmaßnahmen” prüfe der Klinikumsvorstand derzeit, erklärt Karlheinz Semmler, der stellvertretende Personalratsvorsitzende. In allen Bereichen des Großkrankenhauses herrsche daher eine „Atmosphäre der Unsicherheit und Angst”.

Die aktuellen Pläne für die Labore kritisiert Semmler heftig: „Noch in keiner Uniklinik in der Bundesrepublik ist so ein großer Kernbereich herausgelöst worden, der ebenso wichtig ist für die Patientenversorgung wie für Forschung und Lehre.” Zudem strebe der Vorstand die „härteste Form der Privatisierung” an, die den Mitarbeitern, die teils 30 Jahre im Haus arbeiteten, nur ein Jahr Bestandsschutz zubillige. „Wenn der neue Betrieb pleite geht, stehen die Leute auf der Straße.”

Weitere Protestaktionen der Gewerkschaften werden folgen, der Personalrat will aber auch weiterkämpfen, „wenn die Privatisierung nicht zu verhindern ist”, so Semmler - nämlich um bessere Bedingungen für die Mitarbeiter. Denen wäre aber wohl lieber, der Aufsichtsrat würde sich heute an ihre Plakate halten. „Stopp Outsourcing”, steht darauf. Und: „Billig macht krank.”
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