„PCB-Schleuder” wird abgerissen

Von: Oliver Schmetz
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Abriss: Die Tage des PCB-versu
Abriss: Die Tage des PCB-versuchten „Allgemeinen Verfügungszentrums” der TH an der Kopernikusstraße sind gezählt. Dort soll der E-Technik-Neubau „ICT cubes” Foto: Andreas Steindl

Aachen. Über Jahrzehnte hinweg sind Generationen von Studenten in das Gebäude mit dem sperrigen Titel „Allgemeines Verfügungszentrum” (AVZ) gepilgert, doch Schlagzeilen gemacht hat es zuletzt nicht als Ideen-Schmiede, sondern als Gift-Schleuder.

Denn als erstmals im Jahr 2004 in dem RWTH-Gebäude an der Kopernikusstraße erhöhte Konzentrationen von „polychlorierten Biphenylen” (PCB) in der Raumluft gemessen wurden, deutete sich schon an, dass die Tage des 1970 errichteten Baus gezählt sein könnten. Und das ist jetzt der Fall. Denn die finale Schlagzeile lautet: Die alte „PCB-Schleuder” wird abgerissen.

Allerdings geht das in diesen Tagen nicht Knall auf Fall per Abrissbirne vonstatten, sondern eher peu à peu: Denn der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW hat eine Fachfirma beauftragt, die das Gebäude schrittweise zurückbauen wird. Das behutsame Vorgehen ist dem giftigen Innenleben des alten Verfügungszentrums geschuldet. Denn die erhöhten PCB-Konzentrationen in der Raumluft stammten aus falsch angemischten Dichtmitteln in den Dehnungsfugen des Gebäudes - von wo aus sie im Übrigen auch den Weg in den Blutkreislauf einiger Mitarbeiter fanden.

Nachdem man nach den ersten Messergebnissen von 2004 zunächst noch auf Luftreiniger gesetzt hatte, schrillten spätestens 2007 alle Alarmglocken, als bei 14 Beschäftigten im AVZ leicht erhöhte PCB-Blutwerte festgestellt wurden. Im Jahr darauf wurden nach einem TÜV-Gutachten 14 belastete Räume völlig aus der Nutzung genommen und sogar besonders verschlossen, doch da liefen die Umzugspläne für die betroffenen Institute schon auf Hochtouren. Außerdem hatte die RWTH ihre ursprünglichen Sanierungspläne für das AVZ beerdigt und setzte mittlerweile auf Abriss und Neubau.

Letzterer ist seit knapp einem Jahr für 13 Millionen Euro in direkter Nähe ebenfalls an der Kopernikusstraße realisiert, und nun geht es auch den Altlasten an den Kragen. Alle PCB-haltigen Dichtstoffe werden laut BLB in einem ersten Schritt gesondert ausgebaut und entsorgt. Dann wird das Gebäude entkernt. Der eigentliche Abbruch erfolgt von oben nach unten, wobei sämtliche Bauteile abgebaut, getrennt und sortiert werden, bis nur noch ein Gerippe übrig bleibt. Der Abbruch werde durch ein Fachingenieurbüro begleitet und von einem Sicherheits- und Gesundheitskoordinator überwacht, betont der BLB.

Außerdem werde man regelmäßige Proben nehmen und diese auf Gefahrstoffe untersuchen. Das kostet und dauert: Bis Ende Februar 2012 wolle man die Abbrucharbeiten abschließen, sagt BLB-Sprecher Bernd Klass, der die Kosten für den fünfmonatigen Abriss, die Entsorgung der Schadstoffe und die Herrichtung des Geländes auf rund 1,2 Millionen Euro beziffert. Hergerichtet wird das Areal übrigens für eine Neubebauung: Wenn das alte „Verfügungszentrum” Geschichte ist, soll dort mit dem E-Technik-Neubau „ICT cubes” ein neues RWTH-Kapitel aufgeschlagen werden.
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