Ilmenau - Pauken in der Pampa: Studieren in der Provinz ist besser als sein Ruf

Pauken in der Pampa: Studieren in der Provinz ist besser als sein Ruf

Von: Vivien Leue, dpa
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Studieren in der Provinz hat durchaus Vorteile: Uni-Städte wie Bamberg haben viele hübsche Ecken zum Lernen. Foto: dpa

Ilmenau. Das Studium ist für viele Schulabgänger der große Schritt in die Freiheit: Fern von zu Hause wollen sie ihre neue Eigenständigkeit auskosten. Die Metropolen bieten dafür ein buntes Nachtleben. Wenn das Studium dagegen nach Bad Homburg statt nach Hamburg führt, ist das oft erstmal ein Kulturschock.

Statt der Großen Freiheit erwartet einen die große Langeweile. Lohnen kann sich der Schritt trotzdem. Und manchmal dürften Studenten entdecken, dass es sich in der Provinz sogar viel besser leben und lernen lässt. „Die Teilnehmerzahl in den Vorlesungen und Seminaren ist aufgrund der kleineren Studienanfängerzahl geringer”, nennt Elisabeth Kohl vom Studierendenrat der TU Ilmenau einen der Vorteile kleinerer Unis.

Ilmenau klingt zwar nicht so flippig und cool wie Berlin, Hamburg oder Köln. Dafür ist dort alles überschaubar, und Erstsemester finden schnell Kontakt zu Kommilitonen. Denn statistisch gesehen müssten sie an jeder Ecke einem Studenten begegnen: Im 25.000-Einwohner-Städtchen am Rand des Thüringer Waldes lernen rund 6400 Hochschüler.

Ein weiterer Pluspunkt von Kleinstädten: Das Leben ist nicht so teuer. „Generell sind in der Provinz die Lebenshaltungskosten niedriger”, erläutert Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Der geringere finanzielle Druck erleichtere das Studium, wodurch Hochschüler mitunter schneller fertig werden. Das Studentenwerks Tübingen sieht das ähnlich: „Nach unserem Eindruck konzentrieren sich die Studierenden an kleineren Hochschulstandorten mehr auf ihr Studium”, sagt Sprecherin Isabel Schulz.

Dazu dürfte auch der enge Kontakt zum Lehrpersonal beitragen. „Die Wege hier sind sehr kurz - wenn man eine Frage oder ein Problem hat, kann man direkt auf die Dozenten zugehen”, erzählt Kohl, die an der TU Ilmenau Medienwirtschaft studiert.

Mit 21 000 Studenten ist die Uni Marburg zwar weitaus größer, aber auch hier geht es noch persönlich zu, wie Sprecher Hellmuth Graßmann findet: „Die Lehrenden haben einen engen Kontakt zu den Studierenden und stehen immer mit Rat und Tat zur Seite. Man kennt sich eben.” An den Massen-Unis der Großstädte kennen viele Dozenten ihre Prüflinge dagegen kaum. Vorlesungen und Seminare quellen vor Teilnehmern über - die Bilder von Studenten, die aus Platzmangel auf dem Boden sitzen müssen, sind nicht erst seit dem jüngsten Bildungsstreik bekannt.

Im Stadtbild der Großstädte gehen Studenten außerdem eher unter. In kleineren Regionen wie Bamberg, Greifswald oder Aachen prägen die jungen Menschen die Regionen mit. „Die Angebote der Stadt richten sich auf die Studenten aus”, sagt Marburgs Stadtsprecher Rainer Kieselbach. Ein Viertel von Marburgs 86 000 Einwohnern sind Studenten. Ähnlich studentisch geprägt ist das oberfränkische Bamberg: Von 69 000 Einwohnern sind rund 9000 Studenten.

Überhaupt trifft das langweilige Provinz-Image bei weitem nicht auf alle Kleinstädte zu. Kneipen, Konzerthallen, Fitness-Studios - darauf müssen die Studenten nicht verzichten. Wo junge Menschen sind, entsteht eine entsprechende Infrastruktur. Vielleicht gibt es nur zwei und nicht zehn Kinos wie in den Metropolen - dafür haben viele deutsche Kleinstädte ansehnliche Ortskerne. „Die Bamberger Universität liegt inmitten des Weltkulturerbes, das Welterbe ist praktisch unser Campus”, sagt Rainer Schönauer, Sprecher der Uni Bamberg.

Doch ein Umzug in die Pampa hat auch Schattenseiten. „Ilmenau ist nicht gerade eine Metropole, deshalb ist die verkehrstechnische Anbindung an die Stadt ausbaufähig”, findet Studentin Elisabeth Kohl. Eine Stunde dauert es mit der Bahn, um in die rund 40 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Erfurt zu gelangen. Ähnlich dürfte es Studenten in vielen kleinen Unistädten gehen. Auch wer einen Kindergarten braucht oder ins Studentenwohnheim will, wird an Provinz-Unis eventuell enttäuscht. Was an großen Universitäten zur Grundausstattung gehört, ist an kleinen Standorten nicht immer zu haben.

Dafür bieten viele Provinz-Hochschulen außergewöhnliche Studiengänge an. Denn wenn sie schon nicht mit den Reizen einer großen Metropole werben können, müssen andere Vorzüge her. So lockt Trier mit dem geowissenschaftlichen Studiengang „BioGeo-Analyse”, und die Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo bietet einen Bachelor in „Technologie der Kosmetika und Waschmittel” an.
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