Nicht zu wissenschaftlich: Referate müssen einfach sein

Von: Marc Herwig, dpa
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Studenten können sich die Furcht vor Referaten nehmen, indem sie ihren Vortrag vorher einmal aufnehmen. Foto: dpa

Tübingen. Viele Studenten tun sich schwer damit, vor dem ganzen Seminar ein Referat zu halten. Dabei seien solche Vorträge eigentlich nur dann schwierig, wenn man es sich zu schwermacht, sagt Rhetorik-Dozent Olaf Kramer von der Uni Tübingen. Denn ein gutes Referat darf auf keinen Fall kompliziert sein.

„Die große Kunst ist die des Weglassens und des Auswählens der wichtigen Punkte”, sagt Kramer. Der wichtigste Tipp sei aber: „Man muss gut vorbereitet sein.” Zwar hat jeder dabei seine eigene Herangehensweise. Aber ein paar Faustregeln gibt es:

Vier Wochen vor dem Referat: Spätestens jetzt sollte mit dem Dozenten geklärt werden, um welches Thema es geht und wie lang der Vortrag werden soll. Dann geht es in die Bibliothek. Für ein kleines Referat im Bachelor-Studium reiche in der Regel ein gutes Lehrbuch als Grundlage, sagt Alfred Brink, der an der Universität Münster Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten gibt.

„Das ist wichtig, damit man mit dem Thema vertraut wird.” Am besten machten Studenten sich von Anfang an Notizen zu den wichtigsten Gedankengängen.

Zwei bis drei Wochen vorher: Jetzt geht es darum, das angelesene Wissen in eigene Worte zu fassen und eine Argumentationsstruktur für das Referat zu erarbeiten. „Wenn man eine Gliederung fertig hat, sollte man sie einigen Studienfreunden geben. Die werden merken, wo logische Lücken und Fehler sind”, rät Brink.

Wer unsicher ist, sollte mit seiner Gliederung noch einmal in die Sprechstunde des Dozenten gehen. Dann geht es an die inhaltliche Ausarbeitung. „Als erstes sollte man den Hauptteil fertig machen, erst danach die Einleitung und den Schluss”, empfiehlt Kramer.

Eine Woche vorher: Langsam geht es an den Feinschliff. „Entscheidend ist die Reduktion auf einzelne, schlagende Argumente”, erklärt Kramer. Auf Karteikarten sollten Studenten Stichpunkte aufschreiben, an denen sie sich beim Vortrag entlanghangeln können.

„Der Stichwortzettel muss so angelegt sein, dass man mit einem Blick wieder orientiert ist. Oft haben die Leute viel zu viel draufgeschrieben. Wenn man dann den Faden verliert, findet man ihn auf dem Zettel auch nicht wieder.”

Komplett abgelesene Vorträge sind bei den meisten Dozenten verpönt. Aber ein bisschen tricksen sei schon erlaubt, findet Kramer: „Man kann den Anfang ausformulieren. Dann muss man nicht gleich krampfhaft nach den ersten Worten suchen.” Auch den Schlussteil könne man komplett aufschreiben. „Sonst wird der Schluss oft zerredet.”

Eine Powerpoint-Präsentation gehört heute eigentlich zu jedem Referat dazu. „Auf keinen Fall sollte man zu viele Folien zeigen oder die Folien überfrachten”, warnt Brink. „Sonst können die Zuhörer dem Vortrag gar nicht mehr folgen, weil sie sich auf die Folien konzentrieren müssen.” Auch wer ausformulierte Sätze an die Wand wirft und dann vorliest, wirke nicht sehr professionell.

Die letzten Tage: Jetzt geht es ans Üben. „Man muss mit dem Inhalt vertraut sein, damit man souverän vortragen kann”, sagt Kramer. „Manche Studenten schreiben noch bis fünf Minuten vor Seminarbeginn an ihrem Referat. Da hat man dann beim Vortrag das Gefühl, die hören ihren eigenen Text selbst zum ersten Mal.”

Einige Experten raten, vor dem Spiegel zu üben und dabei auch auf die eigene Gestik und Körperhaltung zu achten. Kramer hält davon wenig. „Das ist eine sehr unnatürliche Situation. Da trainiert man sich nur Gesten an, die irgendwie komisch aussehen.” Am besten sei es deshalb, die Situation vor Freunden durchzuspielen. Nur so merkt man auch, wie viel Zeit man für den Vortrag eigentlich braucht.

Es geht los: Der Seminarraum ist voll, dutzende Augenpaare richten sich auf einen. Jetzt bloß keinen roten Kopf kriegen, denkt mancher noch - und spürt schon das Blut in den Kopf schießen. „Erstmal sollte man sich klarmachen: Das ist nur eine Ausbildungssituation”, sagt Edith Püschel von der Psychologischen Beratung der Freien Uni Berlin.

Dann müssten sich Studenten der Situation aber einfach stellen: „Man kann das Publikum nicht ausblenden”, sagt die Psychologin. „Vielen hilft es aber, Freunde im Publikum zu suchen und anzugucken. Dann hat man einen Blickanker und muss nicht an die Decke starren.” Langfristig gebe es aber nur ein Mittel gegen Lampenfieber: „Erfahrungen sammeln und immer wieder Referate halten.”

Nach fünf Minuten: Mist, welcher Punkt kam nochmal als nächstes? Trotz guter Vorbereitung und Stichwortzettel weiß man plötzlich nicht mehr, wie es weitergeht. „Bevor man sich richtig verhaspelt, ist es besser, einfach zum nächsten Gliederungspunkt zu springen”, rät Kramer. „Das fällt den Zuhörern meist gar nicht auf.”

Wenn das Lampenfieber steigt

Der besten Vorbereitung zum Trotz - kurz vor dem Referat schlägt der Puls bei vielen dann doch bis zum Hals. Dann ruhigzubleiben, lässt sich aber trainieren. „Oft hilft es schon, wenn man an seiner Atmung arbeitet”, erklärt Studienberaterin Edith Püschel. Wer gegen die eigene Nervosität etwas unternehmen will, findet an vielen Hochschulen Kurse gegen Prüfungsangst.

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