Neue Sparrunde am Uniklinikum schockt Beschäftige

Von: Heiner Hautermans
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Viele der 4300 nichtwissenschaftlichen Beschäftigten sehen durch die neue Sparrunde dunkle Wolken über dem Uniklinikum aufziehen, nicht zum ersten Mal. Foto: Imago/Stepniak

Aachen. Große Betroffenheit herrschte am Mittwoch am Aachener Uniklinikum. Der Personalrat hatte zu einer außerordentlichen und mit 300 Beschäftigten gut besuchten Versammlung unter dem Motto „Wo sind die Millionen geblieben?” eingeladen.

Das Großkrankenhaus erwartet, wie berichtet, für dieses Jahr ein Defizit von bis zu 10 Millionen Euro, deshalb sollen fünf Prozent der Kosten, vor allem im Personalbereich, eingespart werden.

Für den Stellenabbau soll ein hausinterner Stellenmarkt eingerichtet werden. Fazit eines Teilnehmers der nichtöffentlichen Veranstaltung: „Alle Beschäftigten waren geschockt.”

Im Vorfeld der Versammlung hatte es Spannungen zwischen Arbeitnehmervertretung und Chefetage gegeben, weil sich der neue Kaufmännische Direktor Peter Asché in Urlaub befindet und dies dem Personalrat bei der Ansetzung des Termins auch bekannt gewesen sei.

Personalratsvorsitzender Helmut Lemaire auf Anfrage: „Es gibt ja auch Vertretungsregelungen.” Da jedoch auch keiner der drei Stellvertreter des Managements zur Stelle war, stand der Ärztliche Direktor, Prof. Henning Sass, 40 Minuten lang Rede und Antwort.

Er berichtete, dass bereits 2009 zwei Millionen Euro in der Kasse gefehlt hätten. Zwar seien die Erlöse aus der stationären Versorgung in den letzten fünf Jahren um 6,1 Prozent gestiegen, im selben Zeitraum seien die Personalkosten allerdings um 11,7 Prozent angewachsen.

In 2010 sei das Defizit höher, weil Ausgleichszahlungen in Höhe von fünf Millionen für die Polikliniken wegfielen. Deshalb solle in diesem Jahr fünf Prozent gespart werden, in 2011 noch einmal fünf Prozent, auch in patientennahen Bereich.

Auf Protest bei den Arbeitnehmern stieß nach Angaben eines Beobachters, dass vor Versetzungen nicht mit den Betroffenen gesprochen werden soll. Auch wurde die Befürchtung ausgesprochen, dass Patienten in andere Krankenhäuser in der Umgebung wechseln würden. Verdi-Sekretär Stefan Jungheim nach der Personalversammlung: „Jetzt gehen schon Leute, weil es ihnen zu lange dauert.”

Auch Personalratsvorsitzender Lemaire ist überzeugt, „dass ein weiterer Stellenabbau ohne Einschränkung von Leistungen nicht möglich ist”. Er verwies gegenüber den „Nachrichten” darauf, dass in den letzten zehn Jahren in drei Runden bereits etwa 700 Stellen gestrichen worden seien, bei gleichzeitig gestiegener Auslastung und Verkürzung der Verweildauer: „Wir haben die Grenze der Belastbarkeit erreicht.”

Der Personalratsvorsitzende kritisierte das „wenig kreative Vorgehen” des Vorstandes, Kürzungen über eine allgemeine Sparvorgabe zu erreichen.

Außerdem gebe es bei den Klinikum-Beschäftigten ein demographisches Problem. Da es seit Jahren keine Neueinstellungen gegeben habe, müssten älter werdende Kolleginnen und Kollegen immer mehr Aufgaben übernehmen, weil von unten nichts nachkomme: „Wir erkennen keinerlei Konzept, wie der Vorstand dieser Entwicklung entgegenwirken will.” Es gebe keine Vorschläge, wie man nicht so leistungsfähigen Kollegen entgegenkommen könne.

Die Klinik- und Institutsdirektoren sowie Geschäftsbereichsleiter sollen nun bis zum 21. Juli Vorschläge zur Umsetzung der Einsparziele machen. Sind die nicht ausreichend, behält sich der Vorstand vor, die Kürzungen selbst vorzunehmen. Als Sofortmaßnahme wurde eine Stellenbesetzungssperre beschlossen.

Hoffen auf Novellierung

Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass die neue Landesregierung - wie angekündigt - möglichst rasch das Landespersonalvertretungsgesetz novelliert. Lemaire: „Dann fallt das gesamte Kartenhaus interner Stellenmarkt zusammen.”

Der Personalrat sei zu konstruktiven Gesprächen über die Kostenprobleme bereit: „Wir wollen aber nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.”
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