Mit dem Shuttlebus zum ersten Arbeitsvertrag

Von: Christina Handschuhmacher
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Der Nachwuchs bei der Nacht de
Der Nachwuchs bei der Nacht der Unternehmen kommt nicht nur aus der Region: Absolventen aus dem bulgarischen Sofia im Gespräch mit unserem stellvertretenden Chefredakteur Bernd Büttgens. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Marion Purrio braucht einen Plan. In einem halben Jahr wird die 31-Jährige ihre Promotion an der RWTH abschließen. Fachrichtung Maschinenbau. Zuvor hat sie ein Informatikstudium abgeschlossen.

Eigentlich stehen Purrio viele Türen offen. Wo es nach der Promotion hingehen soll, weiß sie dennoch noch nicht genau. „Ich will bei den Unternehmen nachhören, welche Qualifikationen ich bei meiner Bewerbung vorlegen muss”, sagt Purrio. Auch deshalb verbringt sie diesen regnerische Mittwochabend nicht auf der Couch, sondern ist mit den Shuttlebussen bei der fünften Nacht der Unternehmen unterwegs.

Nächste Karriereschritte planen

Knapp 1800 Jungakademiker nutzten den Abend, um ihre nächsten Schritte auf der Karriereleiter zu planen. Einen Blick hinter die Türen von Ericsson werfen? Mit den Personalverantwortlichen bei Trianel ungezwungen ins Gespräch kommen? Oder die Firma Aucos kennenlernen? Die Nacht der Unternehmen - 2008 in Aachen ins Leben gerufen und mittlerweile auch in vielen anderen deutschen Städten vertreten - macht es möglich.

In Shuttlebussen geht es im Halbstunden-Takt von Unternehmen zu Unternehmen. Hauptanlaufstelle ist das Technologiezentrum am Europaplatz. Auch dort präsentiert sich eine Vielzahl der 90 beteiligten Unternehmen aus der Region und den angrenzenden Nachbarländern. Sie alle sind auf der Suche nach Leuten wie Marion Purrio: Hochqualifiziert im technischen Bereich, bereit für den Arbeitsmarkt und - aus der Region.

Wobei Letzteres nicht mehr zwingend erforderlich ist. Erstmals sind in diesem Jahr auch Absolventen aus sechs anderen europäischen Ländern bei der Nacht der Unternehmen zu Gast. In Italien, Spanien, Portugal, Bulgarien, Griechenland und Rumänien herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit - in Deutschland werden Fachkräfte immer dringender gesucht. Die Intitiative „5 x 5 - Welcome to Aachen” - ein Gemeinschaftsprojekt von „Regina”, dem regionalen Unternehmerverband der IT-Betriebe, und der Agentur für Arbeit - hat die jungen Menschen zur Nacht der Unternehmen eingeladen. Und vielleicht werden einige von ihnen in der Kaiserstadt bleiben.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Nacht der Unternehmen ganz schnell zum ersten Job führen kann, ist Dr. Andreas Kaldenbach. In der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Hochschule - moderiert von unserem stellvertretenden Chefredakteur Bernd Büttgens - erzählt er von seiner Teilnahme bei der Nacht der Unternehmen. Kurz vor dem Abschluss der Promotion stehend, ist der Physiker im vergangenen Jahr dorthin gegangen.

„Ich bin stark hier verwurzelt und wollte deshalb gerne in der Region bleiben”, berichtet er. Und: „Vorher war mir gar nicht bewusst, dass es hier so viele tolle Firmen gibt.” Beim Software-Unternehmen Thinking Networks macht es dann Klick. Kaldenbach gibt seine Bewerbungsunterlagen ab, eine Woche später ist das Vorstellungsgespräch. Bei der diesjährigen Nacht der Unternehmen steht er nun selbst für die Firma Thinking Networks am Infotisch. Einen Tipp hat er für die Jobsuchenden: „Versucht gezielt mit den Unternehmen Eurer Wahl ins Gespräch zu kommen.”

Dann geht es ab zu den Shuttlebussen - drei Linien verkehren zwischen den beteiligten Unternehmen in der Region. Auch Marion Purrio steigt in die Linie Nummer drei. Ihr Ziel: Philips. Die Stimmung im voll besetzten Bus erinnert ein bisschen an eine Klassenfahrt - nur dass die Teilnehmer wesentlich älter sind. Und besser gekleidet: In Turnschuhen und ausgewaschenen Jeans sieht man kaum jemanden. Natürlich - der erste Eindruck zählt und den will man sich nicht vermiesen. Dennoch ist die Atmosphäre lockerer als bei einem offiziellen Vorstellungsgespräch - ein guter Probelauf also.

Erste Haltestelle nach wenigen Minuten: die Firma Philips. Der Bus leert sich deutlich, nur einige wenige bleiben zurück. Rund 50 junge Menschen strömen in der Dunkelheit Richtung Werkstor.

Die Jobs hängen an der Wand

Bei Philips ist man auf den Ansturm gut vorbereitet. Im Creative Lab - einem dunklen Raum mit trendigen Stühlen und vielen LED-Lichtern - warten bereits die Personalverantwortlichen. An der Wand hängen die aktuellen Stellenausschreibungen. Smartphones werden gezückt, um die Angebote zu fotografieren. „Gerade im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau suchen wir fast ständig Leute und da wollen wir gerne regionale Nähe haben”, sagt Personalmanager Gunter Pütz.

Deshalb versucht Philips an diesem Abend bei den Absolventen zu punkten: Die Lichttechnologie in der Anwendung wird vorgestellt, die Personaler stehen für Fragen zur Verfügung. Getränke und Snacks gibt es obendrein. Danach geht es weiter. Auch Marion Purrio zieht es in den nächsten Bus. Im Idealfall fährt er sich zum ersten Arbeitsvertrag.
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