Menschliche Stromkreise und Schlumpfstimmen in der RWTH

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
RWTH Wissenschaftsnach
An verschiedenen Stationen wurde den Gästen die spannenden Welt der Wissenschaft auf eine erlebbare Art und Weise näher gebracht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Proppenvoll ist es in den Fluren des Kármán-Auditoriums an diesem Abend. Man kommt kaum aneinander vorbei. „Ich gehe diesen Weg mit dir Frodo”, ertönt es aus dem Menschengewimmel - ein Satz aus dem Film „Herr der Ringe”.

Und dann noch einmal: „Ich gehe diesen Weg -” abrupt bricht die Stimme ab und bricht in Lachen aus - sie hört sich auf einmal an, wie ein Schlumpf. Am Stand für die Heliumfrequenzstimmenanalyse verteilt Florian Muckel gasgefüllte blaue Ballons an die Umstehenden. Er ist nur eine der vielen Stationen auf dem Physik-Jahrmarkt der zehnten RWTH Wissenschaftsnacht.

„Der Schall im Helium breitet sich schneller aus, als in Luft”, erklärt er. „Deswegen wird die Stimme höher.” Marcel Schollen studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH und hat sein Lieblingsstück auf dem Physikjahrmarkt schon gefunden. Eine kleine silbrige Maschine mit Rad und Kolben, der aufgeregt von links nach rechts ausschlägt. „Das ist ein Stirling Motor”, erklärt Marcel. „Er funktioniert über Wärmeaustausch.” Über diese alternative Antriebskraft hat er auch schon etwas in seinen Vorlesungen gehört. Nur mit Wärme wird der Motor angetrieben, das kann beispielsweise in Entwicklungsländern sinnvoll verwendet werden. „Auch bei Autos hat man das mal ausprobiert”, sagt Marcel. „Aber das war nicht wirtschaftlich genug.” Später möchte er noch einen der vielen Vorträge besuchen, die an diesem Abend angeboten werden. Etwas über Windenergie hat er sich ausgeguckt.

In einem anderen Vorlesungssaal zeigt WDR-Wissenschaftsjournalist Joachim Hecker Groß und Klein Tricks der Chemie und Physik. „Wenn man Kindern etwas erklären will, muss man es wirklich verstanden haben”, schmunzelt er. Per Batterie baut er dann auf der Bühne einen menschlichen Stromkreis auf, der hörbar piepst. 20 Leute stehen schließlich im Kreis auf dem Podium und halten sich an den Händen - von sieben bis 73 Jahren. Hecker erklärt das lautstarke Piepsen: „Wir leiten Strom, weil der menschliche Körper zu 60 Prozent aus Wasser besteht.”

Im Super C stehen viele Besucher gebannt vor einem hüfthohen Spieltisch, auf dem sich vier kastenförmige Ungeheuer einen 90-sekündigen Kampf liefern. Der Roboterclub Aachen schickt seine technischen Freunde „Captain” und „Baba” gegen zwei feindliche Roboter des Clubs aus Lüttich ins Rennen: Wer auf der „Schatzinsel” mehr CDs (Schätze) einsammelt, eine Schatzkarte entdeckt und eine Flaschenpost ins Meer wirft, hat das Spiel gewonnen. „Die Roboter fahren in den 90 Sekunden vollkommen autonom auf dem Spielfeld hin und her”, erklärt David Hebbeker. „Bestimmte Aufgaben haben sie einprogrammiert, so können sie beispielsweise selbst erkennen, wer der Gegner ist, sie kommunizieren und wissen, welche Aufgaben sie schon erledigt haben.” Dazu ist auf dem jeweils gegnerischen Roboter ein System angebracht, dass die Laser- und Ultraschallsensoren von Captain und Baba mit Informationen versorgt.

Zwischendurch rumst es auch mal ordentlich: Ein Gegner rammt gegen einen Aachener Roboter. „Das wäre Captain oder Baba nicht unbedingt passiert, die sind ein wenig graziöser programmiert”, lacht David. Jedes Jahr werden neue Roboter gebaut, um an einem EU-weiten Wettbewerb teilzunehmen. Dieses Jahr gab es für das Aachener Team einen ruhmreichen Platz acht. 40 Gegner waren zu besiegen, jedes Jahr werden neue Aufgaben gestellt, die die Roboter erfüllen müssen. Für Platinen, Prozessoren und weitere Technik müssten immer wieder neu Sponsoren gefunden werden, berichtet David. Bald sollen die Roboter dann Tischtennisbälle in Körbchen werfen können, Kerzen auspusten, Gläser stapeln, denn das Motto des Wettbewerbs 2013 lautet „Happy Birthday”.

Physik, Mathe, Literatur und Co. - alles öde? Quatsch! „Gerade, dass so viele junge Leute hier sind, freut mich”, sagt RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Rund 6000 Besucher hat die RWTH an diesem Abend zum Wissenschaftsluft-Schnuppern erwartet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert