Düsseldorf - Mehr Bafög gegen Studenten-Schwund?

Mehr Bafög gegen Studenten-Schwund?

Von: Johannes Nitschmann
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An der RWTH Aachen nehmen zum Wintersemester 5681 Erstsemester ein Studium auf. Dies entspricht einem Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Fachhochschule Aachen werden zum Wintersemester 1650 Studienanfänger erwartet, was mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent etwa der Vorjahreszahl entspricht. Foto: dpa

Düsseldorf. Für Nordrhein-Westfalen sollte es der Tag der Bilanz über die Zahl der Erstsemester sein, und soviel sei vorab gesagt: Für die neue Hochschulministerin Svenja Schulze (SPD) war sie negativ. Sie beklagt, dass trotz steigender Studienanfängerzahlen zu wenige Studienberechtigte an Rhein und Ruhr ein Hochschulstudium aufnehmen. Am Abend sickerte jedoch eine knappe Nachricht aus Berlin durch, die die Debatte um die Hochschulpolitik in den kommenden Tagen bestimmen dürfte: Die vom Bundestag beschlossene Bafög-Erhöhung um zwei Prozent ist nahezu perfekt.

Demnach haben sich die Vertreter von Bundestag und Bundesrat im Vermittlungsausschuss auf einen Finanzierungskompromiss geeinigt, wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann als Mitglied des Vermittlungsausschusses im Anschluss an die Sitzung mitteilte.

Mehr Bafög. Vielleicht wird das ein Anreiz für mehr Abiturienten, ein Studium zu beginnen. Denn in NRW nehme derzeit „weniger als jeder Vierte”, der eine Fachhochschulreife erworben habe, ein Studium auf, erklärte Hochschulministerin Schulze am Dienstag in Düsseldorf. Bei den Frauen sei es nicht mal jede Fünfte.

Nach den Prognosen des Ministeriums wird die Zahl der Einschreibungen zum beginnenden Wintersemester 2010/2011 landesweit um 8,8 Prozent deutlich ansteigen. An den 30 öffentlich-rechtlichen Hochschulen und den sieben Kunst- und Musikhochschulen würden zum kommenden Semester insgesamt 84400 Studienanfänger erwartet. Dies seien 6800 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Ministerin Schulze nannte die kontinuierlich steigende Nachfrage nach Studienplätzen „erfreulich”, aber längst nicht ausreichend. Denn bei der Übergangsquote der Studienberechtigten an die Hochschulen liegt NRW nach Angaben des Düsseldorfer Hochschulministeriums derzeit sechs Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Zwar erwerbe in NRW gegenwärtig jeder zweite Jugendliche die Fachhochschulreife. „Allerdings gehen nicht wenige beim Übergang in das Hochschulsystem verloren”, sagte Schulze. Viele scheuten den Weg zur Universität, weil „unnötige Hürden” sie abschreckten.

Eine Hürde seien die von der schwarz-gelben Vorgängerregierung eingeführten Studiengebühren. Diese werde die neue Regierung zum Wintersemester 2011 abschaffen. Nach einer aktuellen Umfrage hätten 68 Prozent der Studienberechtigten erklärt, dass die Studiengebühren ihre finanziellen Möglichkeiten überstiegen. Bei Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien seien dies 73 Prozent gewesen.

„Wir können nicht länger auf kluge Migranten, engagierte Frauen und interessierte Studierende verzichten, die den Schritt zur Hochschule scheuen, weil unnötige Hürden sie abschrecken”, erklärte die Ministerin.
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