Mehr als 2000 Schüler und Studenten auf der Straße

Von: Andreas Gabbert
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Dem Ärger Luft gemacht: Rund 2500 Schüler und Studenten beteiligten sich gestern am bundesweiten Bildungsstreik. Foto: Harald Krömer

Aachen. Beeindruckt war Manfred Nettekoven, Kanzler der RWTH, von der Zahl der Studierenden, die am Dienstag für bessere Studienbedingungen demonstrierten. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich in Aachen bis zu 2500 Schüler und Studenten am bundesweiten Bildungsstreik.

Sprüche wie „Wir sind hier. Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut” oder „Sechs Tage Fo3, dieser Streik ist nicht vorbei”, skandierten die Demonstranten auf ihrem Weg vom Theaterplatz zum St. Leonhard Gymnasium. Von dort ging es weiter über Alexianer- und Templergraben zum Hauptgebäude der RWTH. Ihren Abschluss fand die Kundgebung schließlich auf dem Münsterplatz. In der Innenstadt führte die Demonstration zeitweise zu Verkehrsbehinderungen.

Begleitet von wohlwollenden, neugierigen aber auch skeptischen Blicken der Passanten machten die Studierenden mit Plakaten, Trillerpfeifen, Hupen und Sprechchören auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam. In der Kritik stehen vor allem die Struktur des Bachelor-Master-Systems, Studiengebühren und Kopfnoten an Schulen.

Vor dem Hauptgebäude wartete bereits der Kanzler der RWTH, um das Wort an die Protestierenden zu richten. Nettekoven bezeichnete viele der Forderungen als „nachvollziehbar”. Der Bildungsstreik habe auch in der letzten Rektoratssitzung eine große Rolle gespielt, erklärte Nettekoven auf Nachfrage. Die RWTH müsse sich nun auf Dinge konzentrieren, die sie vor Ort beeinflussen könne. Sie müsse sich fragen, wie stimmig die angebotenen Programme seien, wieviel man den Studenten zumute und ob diese das geforderte Pensum leisten könnten. Es gelte zeitnah zu einem Format zu gelangen, dass von den Studierenden geleistet werden könne. „Wir haben Argumente gehört, die wir gut verstehen”, sagte Nettekoven.

Der Hörsaal Fo3 im Kármán-Auditorium, den Studenten sechs Tage lang besetzt hielten, steht für Vorlesungen wieder zur Verfügung. Bereits am Montag hatten sie den Raum für Lehrveranstaltungen wieder freigegeben. „Schließlich sind wir nicht Gegner der Bildung selbst, sondern wollen Änderungen im Bildungssystem erreichen”, heißt es in einem offenen Brief des Bildungsstreikplenums an Rektor Ernst Schmachtenberg.

Am Dienstag haben die Studenten den Raum am frühen Morgen gereinigt und aufgeräumt verlassen. In dem offenen Brief hatten sie sich bereit erklärt, den Raum wieder freizugeben und den Wunsch geäußert, einen zentral gelegenen Raum einmal die Woche zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dort sollen offene Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie für alle Interessierten offene Planungs- und Koordinierungstreffen stattfinden. Kanzler Manfred Nettekoven ging auf den Vorschlag ein und sicherte den Studierenden einen Raum zu. In der Couvenhalle in direkter Nachbarschaft zum Kármán-Auditorium können die Studenten nun mittwochs von 17 bis 19 Uhr tagen.

Ende nicht in Sicht

Ein Ende der Studentenproteste ist noch nicht in Sicht. Die Politik sei nun zum Handeln gezwungen, hieß es auf der Abschlusskundgebung auf dem Münsterplatz. „Wenn die Politiker nicht handeln, werden wir weitermachen”, kündigten die Demonstranten an.
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