Märchenstunde statt Mensaparty: Ein Kind im Studium

Von: Maria Hilt, dapd
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Fünf Prozent der im Sommersemester 2009 eingeschriebenen Studenten hatten laut der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks eines oder mehrere Kinder. Foto: ddp

Dresden/Oldenburg. Das Thema Familienplanung liegt für die meisten Studenten noch in weiter Ferne. Doch für manche gehört der Spagat zwischen Kind und Karriere bereits während der Ausbildung zum Alltag.

Fünf Prozent der im Sommersemester 2009 eingeschriebenen Studenten hatten laut der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks eines oder mehrere Kinder.

„Grundsätzlich ist das Studium eine gute Zeit für die Familiengründung”, sagt Manuela Lang vom Campusbüro Uni mit Kind der Technischen Universität und des Studentenwerks Dresden.

Man sei während dieser Jahre sehr flexibel und habe mehr Freiheiten als später im Berufsleben - selbst seit der veränderten Studiensituation durch Bachelor und Master. Zwar habe man in Prüfungsphasen manchmal weniger Zeit für seine Kinder, könne dafür aber die Semesterferien intensiv für die Familie nutzen. „Zudem bemühen sich die Hochschulen zunehmend um Familienfreundlichkeit”, sagt Lang.

Trotzdem bedeutet die Kombination von Studium und Kindererziehung häufig einen immensen Aufwand. „Ein Kind duldet im Gegensatz zur Hausarbeit nun mal keinen Aufschub”, betont Stefan Kühnapfel, der an der Universität Oldenburg Studenten mit Kind berät.

Viele studentische Eltern hätten Probleme, weil es keine ausreichenden Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder gebe. Auch Manuela Lang erreichen oft Klagen über Zeitnot. „Viele haben das Gefühl, weder Studium noch Familie richtig gerecht werden zu können”, sagt die Diplom-Psychologin.

Aufgrund des straffen Zeitplans hätten Betroffene zudem nur noch wenig Kontakt zu ihren kinderlosen Kommilitonen - Zeit für ein Schwätzchen in der Cafeteria oder für Engagement in Studentengremien bleibe selten. Lang empfiehlt Studenten mit Kindern, offen und transparent mit der Situation umzugehen.

Viele Betroffene trauten sich beispielsweise nicht, beim Professor um Aufschub für ihre Hausarbeit zu bitten, weil ihr Kind krank ist. „Wenn es relevant wird, sollte man solche Probleme aber auf jeden Fall ansprechen”, betont Lang.

Sinnvoll sei beispielsweise auch, beim Prüfungsamt frühzeitig nach Ausnahmeregelungen zu fragen und gegebenenfalls einen Antrag an den Prüfungsausschuss zu stellen.

„Viele studentische Eltern wollen wegen ihrer Kinder besonders schnell mit dem Studium fertig werden und halsen sich daher sogar noch mehr auf, als regulär gefordert wird”, sagt Stefan Kühnapfel, der selbst während des Studiums Vater wurde.

Das Ergebnis sei meist, dass irgendwann gar nichts mehr läuft. „Ein Studium ist als Vollzeitstudium angelegt und ein Kind braucht eine 24-Stunden-Betreuung”, gibt der Berater zu bedenken. Es sei praktisch unmöglich, beides gleichzeitig vollständig zu leisten. „Man sollte da realistisch rangehen”, betont Kühnapfel.

Gut sei es, Netzwerke mit anderen studentischen Eltern zu knüpfen. „So kann man sich beispielsweise mit der Betreuung der Kinder abwechseln”, sagt der Experte. Grundsätzlich gebe es auch die Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu absolvieren oder sich für mehrere Semester ganz beurlauben zu lassen.

Auch finanzielle Probleme gehören zum Alltag vieler studentischer Eltern. Manuela Lang empfiehlt Studenten, möglichst schon vor einer Schwangerschaft zu prüfen, wie sie Familie und Studium gleichzeitig finanzieren können und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

So könne man beispielsweise Erstausstattungsbeihilfen bei der Agentur für Arbeit sowie bei der Bundesstiftung Mutter und Kind beantragen. „Von der Agentur für Arbeit bekommt man außerdem unter Umständen Hilfsmittel für Mehrbedarf während der Schwangerschaft”, sagt Lang.

Zudem lohne es sich, beim örtlichen Studentenwerk zu fragen, ob es für studentische Eltern Unterstützung gibt. Nach der Geburt stehen der jungen Familie Elterngeld und Kindergeld zu. „Wer weiter studieren möchte, kann versuchen, eine Verlängerung der Förderungshöchstdauer seines BAföGs zu beantragen”, sagt Manuela Lang.

Gehe man hingegen länger in Elternzeit und pausiere mit dem Studium, könne man unter Umständen Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II beziehen. Verfügten die Eltern über ein geringes Gehalt, beispielsweise weil ein Elternteil schon berufstätig ist, gebe es die Möglichkeit, einen Kindergeldzuschlag sowie Wohngeld zu beantragen.

„An niedersächsischen Hochschulen ist man außerdem beispielsweise von den Studienbeiträgen und den Langzeitstudiengebühren befreit, wenn man Kinder unter 14 hat”, ergänzt Stefan Kühnapfel. Möglicherweise sähen einzelne Universitäten außerdem auch noch weitere Vergünstigungen für Betroffene vor.

„Das Problem ist allerdings, dass viele studentische Eltern gar nicht wissen, auf welche Leistungen sie Anspruch haben”, sagt Kühnapfel. Selbst die zuständigen Behörden seien nicht immer richtig darüber informiert sei, welche Regelungen in dieser Situation anzuwenden sind. Der Experte empfiehlt Betroffenen, sich an die Sozialberatungen der Studentenwerke zu wenden und außerdem auch selbst zu recherchieren, wie die jeweilige Gesetzeslage aussieht.

Literatur: Susanne Bohn: „Karrierekick Kind: So erfüllt sich Ihr Wunsch nach Familie und Erfolg im Beruf”, Bildung und Wissen, 2006, 19,80 Euro, ISBN: 978-3821476599

Regina Hocker: „Working Mum oder Mut zur Lücke - So gelingt der Spagat zwischen Familie und Beruf”, blv, 2009, 12,95 Euro, ISBN: 978-3835404311

Bernd Neumann, Volker Baisch: „Das Väter-Buch: Vaterschaft und Beruf unter einen Hut bringen”, Trias, 2008, 16,95 Euro, ISBN: 978-3830435679

Robert Richter, Eberhard Schäfer: „Das Papa-Handbuch - Alles, was Sie wissen müssen zu Schwangerschaft, Geburt und dem ersten Jahr zu dritt”, Gräfe und Unzer, 2005, 14,99 Euro, ISBN: 978-3774269750

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