Mädchen spielerisch an die Informatik heranführen

Von: Hanna Sturm
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Aachen. Leise surrend fahren die Roboter bis an die weiße Linie, drehen sich ein paar Mal um die eigene Achse, bleiben stehen, piepsen ein paar Töne und rollen wieder los.

Manchmal muss jemand aufspringen und eines der Fahrzeuge wieder auf den richtigen Kurs bringen. Diese Szene spielt sich nicht etwa in einem Forschungslabor oder an der Universität ab, sondern in einem kleinen Klassenraum des St. Leonhard Gymnasiums. Zwölf Schülerinnen der 5. bis 7. Klassen haben an „go4IT” teilgenommen, einer Initiative des Lehrstuhls für Informatik der RWTH Aachen, bei der Mädchen spielerisch an die Informatik herangeführt werden sollen.

Seit Anfang des Jahres bieten die Mitarbeiter von Professor Dr. Ulrik Schroeder kostenlose Roboter-Workshops für Mädchen an. „Mädchen sind in Bezug auf Informatik immer noch relativ zurückhaltend, obwohl sie meist über die gleichen Fähigkeiten verfügen wie Jungen”, erklärt Projektleiterin Dr. Hiltrud Westram, die gemeinsam mit Jutta Krusenbaum den zweitägigen Workshop am St. Leonhard Gymnasium leitete.

Zunächst mussten die Mädchen ihre Roboter zusammenbauen, was nach dem bekannten Lego-Prinzip funktioniert. Dann programmierten sie die ersten einfachen Fahrprozesse, zum Beispiel geradeaus vorwärts oder rückwärts fahren. Später mussten komplexere Aufgaben - wie das Fahren im Quadrat - gelöst werden, wobei bestimmte Befehle miteinander kombiniert werden mussten. Mit Hilfe der professionellen Programmiersprache NXC, mit der etwa auch Fertigungsroboter in der Automobilindustrie funktionieren, bestimmen die Mädchen am Computer welche Bewegungen ihr Roboter machen soll.

Die Befehle werden dann per Bluetooth übertragen - falls es keine Fehlermeldung gibt. „Es ist schon schwierig zu programmieren, weil man kein Semikolon und keine Klammer vergessen darf. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, findet man auch die Fehler schneller”, beschreibt Maya die Anfangsschwierigkeiten. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Cristina hat die Elfjährige ihrem Roboter sogar das Singen beigebracht: Wenn einer der beiden in die Hände klatscht, spielt der Roboter das Lied „Bruder Jakob”. Mittels Sensoren reagieren die Roboter nämlich auch auf Geräusche, Berührung und visuelle Reize, wie Farbstreifen auf dem Boden.

Auch wenn nicht jede Programmierung immer von Beginn an funktioniert, hat das gemeinsame Tüfteln und Ausprobieren den Mädchen großen Spaß gemacht. „Uns ist wichtig, dass der spielerische Aspekt und auch die Kommunikation in der Gruppe im Vordergrund stehen”, betont Dr. Hiltrud Westram. „Ohne Notendruck und ganz unter sich können die Mädchen ganz entspannt die Technik entdecken.” Auch Cristina und Maya sind froh, dass sie sich ohne Jungen mit den Robotern beschäftigen konnten: „Jungen hätten wahrscheinlich schon einiges gewusst, gleich mit Programmieren angefangen und uns nicht dran gelassen. Nur mit Mädchen ist das schon einfacher.”
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