Luftige Innenhöfe in der Baukasten-Klinik

Von: Wolfgang Schumacher
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Umgeben von Versorgungsrohren blickt man in einen der drei neuen Innenhöfe, die für Licht und Luft in den innen liegenden Patientenzimmern sorgen sollen. Am rechten oberen Bildrand eine von sechs neuen Technikzentralen auf dem Dach des Uniklinikums. Foto: Harald Krömer

Aachen. Im Bauch des dicken Wals „Klinikum” (Länge 240, Breite 130 Meter) rumort es heftig. Der inzwischen 25 Jahre alte Riesenbau bekommt für insgesamt 100 Millionen Euro ein innere Aufwertung, die Patienten-Stationen in den obersten drei Stockwerken werden über die gesamte Breite des Gebäudes völlig neu gestaltet.

Seit Sommer 2008 bereits legen die Bauarbeiter Hand an die Innereien und haben im ersten Bauabschnitt an der westlichen Ecke (mit dem Gesicht zum Haupteingang stehend links) die Abrissphase schon längst hinter sich gelassen.

Die Techniker diverser Lüftungs-, Klima- und sonstiger Installationsfirmen stehen jetzt fleißig Rücken an Rücken auf ihren Leitern oder hocken gebückt in den Ecken und verknüpfen dort unzählige Kabelstränge miteinander. Der Bau wird europaweit als so einzigartig eingestuft, dass die medizinische Einrichtung mit 4700 Beschäftigten und jährlich rund 45.000 stationär betreuten Patienten bereits heute unter Denkmalschutz steht.

Generalstabsmäßige Planung

Mit dem Lastenaufzug am rückwärtigen Treppenturm fährt Dr. Andrea Stelkens, Leiterin Immobiliencenter Uniklinik und verantwortlich für die Bauplanung, bis aufs Dach des Großklinikums. Die Ingenieurin und Medizinerin in Personalunion ist stolz auf die generalstabsmäßige Planung des 100-Millionen-Umbaus, von dem im normalen Klinikalltag beinahe niemand etwas bemerken soll, was zumeist auch klappt. Im ersten von sechs Abschnitten, die nacheinander beginnen, sind 220 Betten der beiden „höheren” medizinischen Versorgungsstufen, sprich der Intensivmedizin und der „Intermediate Care”, der nachfolgenden Zwischenstufe nach der Intensiv- und vor der Normalstation, vorgesehen.

„Wir haben uns entschlossen, alle Patientenzimmer mit natürlichem Licht zu versorgen”, klärt die Bauleiterin über die neue Philosophie auf. Bislang waren die Fenster nicht zu öffnen, Frischluft kam durch eine Klimaanlage. Doch das ist bald Vergangenheit. Die neuen Stationen bekommen ihre Frischluftzufuhr direkt von außen. Für innen liegende Zimmer hat man quasi von oben drei Etagen teilweise weggenommen, so dass drei neue Innenhöfe entstehen, die Licht und Luft in die Stationen lassen.

Dabei muss nicht mal richtig ins Betonmauerwerk „gefräst” werden, die Klinikhaut ist ein echtes Chamäleon. Wenn es um die Wandlungsfähigkeit des Gebäudes geht, bekommt die Ingenieurin glänzende Augen: „Das ist konsequent nach einem Baukastensystem geplant. Mein Kollege meint, das sei ein Haus wie mit Lego-Steinen gebaut. Das macht es uns einfach.”

Im fertigen Erstabschnitt kann man bereits die neu gestalteten Nasszellen als Muster bestaunen. „Bevor wir flächendeckend planen, haben wir das Muster bauen lassen”, erläutert die Chefin. Änderungswünsche von potenziellen Nutzern, von Pflegern und Ärzten habe man berücksichtigt. Auf eine Trittstufe wie bei den „alten” Nasszellen, die sich nicht in allen Belangen als durchdacht erwiesen haben, habe man verzichtet, „Barrierefreiheit” ist gefordert.

Ein bisschen anders sieht übrigens die neue Fensterfront von außen schon aus, die alte verspiegelte Hightech-Fassade ist jedenfalls in den Obergeschossen Geschichte - mit Segnung der Denkmalschützer. Ende 2010 wird der komplette erste Doppelabschnitt mit dann rund 450 Betten fertig sein, bis Ende 2014 soll die gesamte Uniklinik (1360 Betten) über die kompletten 240-Meter durchsaniert sein.

Die kunterbunten Farben im Stil der 70er-Jahre bleiben übrigens, gedecktes Beige oder Braun habe sich gegen das psychedelische Flackern von Gelb, Grün und Rot nicht behaupten können, erklärt Dr. Andrea Stelkens - Aachens Uniklinik bleibt Unikat.
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