Lernen ohne Machosprüche: Was Frauenstudiengänge bieten

Von: Berit Schmidt, dpa
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Normalerweise müsste sie sich jetzt einen blöden Spruch vom Nebenmann anhören: In Frauenstudiengängen hilft die Kommilitonin und zeigt kurz, wies geht. Foto

Bielefeld/Bremen. Normalerweise sind Frauen in Technikfächern eher allein unter Männern. An einigen Hochschulen ist das ganz anders: Sie bieten Studiengänge an, in denen Frauen unter sich bleiben.

So sollen ihnen Machosprüche erspart und eine eigene Herangehensweise an Technik ermöglicht werden.

„Das ist ein Zeichen der Unis nach dem Motto: Wir sind an Frauen interessiert”, erklärt Christina Haaf von der Initiative „Komm mach MINT” in Bielefeld, die Frauen naturwissenschaftlich-technische Studiengänge schmackhaft machen will. MINT ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

So bietet etwa die Fachhochschule Bremen seit 2000 einen Studiengang speziell für Frauen an: Ohne Männer können Abiturientinnen dort einen Bachelor in Informatik machen. „Die Überlegung war, den Frauenanteil in technischen Studiengängen zu erhöhen”, erklärt Hochschulsprecher Ulrich Berlin. Generell sei es bisweilen eher schwierig, Frauen für Technik zu begeistern. „Jetzt können wir Frauen zu einem Informatik-Studium motivieren, die es unter anderen Umständen nicht gemacht hätten.”

Die gleichen Erfahrungen hat auch die Fachhochschule Wilhelmshaven gemacht. Sie war 1997 die erste Hochschule, die einen Frauenstudiengang angeboten hat. Mittlerweile gibt es ähnliche Angebote auch in Berlin, Stralsund und Furtwangen.

Ziel solcher Angebote ist es, ein geeignetes Lernklima für Studentinnen zu schaffen. Denn in Gruppen, die zu 95 Prozent aus Männern bestehen, könnten Frauen ihre eigenen Lernansätze nicht wirklich umsetzen, erläutert Kerstin Abel, Sprecherin des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen. Sie passten sich meist der Mehrheit an.

Männer und Frauen haben bei Technikthemen aber oft unterschiedliche Herangehensweisen: Frauen tendieren Abel zufolge stärker als Männer dazu, Dinge zu hinterfragen. „Manche Männer mögen auch dazu neigen, ihre Überlegenheit auszuspielen, und das führt zu Ungleichheit”, ergänzt Ulrich Berlin von der Fachhochschule Bremen. Dort unterrichten deshalb meist auch nur Professorinnen.

Ein solches Studienangebot lässt sich auch zweifelnden Eltern manchmal besser vermitteln. „Viele denken: Da wird es meine Tochter aber schwer haben”, sagt Haaf. Und raten ihren Töchtern dann, es sich noch einmal zu überlegen.

Der Bremer Informatikstudiengang setzt darüber hinaus auf E-Learning. „Es geht nicht allein um ein anderes Lernverhalten”, sagt Ulrich Berlin. Frauen sollen auch darauf vorbereitet werden, was sie im späteren Berufsleben erwarten kann, wenn sie eine Familie gründen und von zu Hause aus arbeiten wollen. Der Präsenzanteil im Studiengang ist deswegen nicht so hoch. Dennoch wird der gleiche Stoff vermittelt wie in herkömmlichen Angeboten.

In Bremen und Wilhelmshaven sind Frauen und Männer nur im Grundstudium getrennt. „Im Hauptstudium sind es gemischte Gruppen”, erläutert Berlin. So sollen im Grundstudium noch eventuell vorhandene Wissensunterschiede ausgeglichen werden. Danach werde die Trennung aufgehoben, um auf die berufliche Realität vorzubereiten.

Die männlichen Studenten in Bremen sehen das neue Angebot für Frauen nach Berlins Angaben gelassen. „Das hat nie zu großartigen Reaktionen geführt.” Das gelte auch für spätere Arbeitgeber: Die Jobaussichten seien so gut wie in konventionellen Informatik-Studiengängen. Manche Arbeitgeber begrüßten sogar den anderen Blickwinkel der Frauen, hat Abel beobachtet.

MINT-Luft in der Schule schnuppern

Wer später einmal ein Technikfach studieren möchte, kann schon zur Schulzeit einen Einblick in diesen Bereich erhalten: Am Girls Day öffnen technische Unternehmen, Hochschulen und Forschungszentren ihre Türen für Schülerinnen. In Werkstätten, Laboren und Büros können Mädchen Praxis schnuppern und Kontakte knüpfen. Damit wollen die Arbeitgeber Frauen als Fachkräfte gewinnen. Denn auch sie kämpfen damit, dass sich Frauen nach der Schule eher für typisch weibliche Berufe entscheiden.
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