Lehrstück für Friedensverhandlungen: Der Westfälische Kongress

Von: idw
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Ein Türgriff namens „Friede
Ein Türgriff namens „Friede 1648”: Der Künstler Fritz Szalinski schuf die bronzene Klinke 1963 für das Rathaus von Osnabrück. Foto: dpa

Bonn. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte verheerende Folgen für die Bevölkerung. Der Konflikt um die Vorherrschaft in Europa und die Religion endete mit dem fünf Jahre dauernden Westfälischen Friedenskongress. Die davon in ganz Europa verstreuten Dokumente haben Bonner Historiker mehr als ein halbes Jahrhundert lang erschlossen.

Die „einzigartigen Einblicke” machen sie nun nach und nach öffentlich.

Vor dem Friedensschluss tagten Hunderte Gesandte der Kriegsparteien fünf Jahre lang in Münster und Osnabrück. „Einen solchen Kongress hatte es in der Neuzeit zuvor nicht gegeben”, sagt Guido Braun vom Institut für Geschichtswissenschaft der Uni Bonn. „Der Westfälische Kongress ist ein Lehrstück für Friedensverhandlungen.”

Seit 1957 werden die über ganz Europa verstreuten Dokumente zum Westfälischen Friedenskongress von der „Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte” e.V. in der Arbeitsstelle der Universität Bonn gesammelt und aufbereitet. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste förderte ab Ende der 1970er Jahre das Projekt zur „Acta Pacis Westphalicae”, das Ende 2011 nach 54 Jahren erfolgreicher Forschung ausläuft.

Die 41 beteiligten Historiker trugen auf ihren Archivreisen im In- und Ausland Material aus insgesamt 157 Bibliotheken und Archiven in ganz Europa zusammen und prüften die Dokumente. 1962 erschien der erste Band der „Acta Pacis Westphalicae”, einer kritischen Edition zu den Akten des Westfälischen Friedenskongresses. Inzwischen liegen 45 Bände mit fast 32 000 Seiten vor.

„Die Originalüberlieferungen der Quellentexte sind nun in den Bänden nachzulesen und durch detaillierte Kommentare erschlossen”, sagt Maria-Elisabeth Brunert, Geschäftsführerin der Arbeitsstelle der „Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte”.

Ein Brief dauerte drei Monate

Die Dokumente geben Einblicke, warum sich die Friedensverhandlungen über fünf Jahre hinzogen. „Für die damaligen Verhältnisse war das nicht so ungewöhnlich”, stellt Guido Braun fest, der im Rahmen seiner Promotion selbst zwei Bände der Editionsausgabe bearbeitete. „Es mussten erst Verfahrensformen und diplomatische Instrumente für die Konferenzen erarbeitet werden.”

Ein weiterer Grund waren die damaligen Kommunikationsmittel. Die Gesandten standen mittels berittener Boten mit ihren Herrschern in Kontakt. „Ein Brief zum spanischen König hin und zurück brauchte inklusive Beratungen etwa zwei bis drei Monate.” Außerdem klagten die Gesandten über schlechte Unterkünfte und widrige Umstände in den auf einen solchen Verhandlungsmarathon zunächst nicht vorbereiteten Städten. Münster hatte damals nur etwa 10.500 Einwohner, Osnabrück deutlich weniger.

Durch die Erschließung der Dokumente zum Westfälischen Frieden hat sich das Bild der Historiker vom Kongress gewandelt. „Im Gegensatz zu früheren Meinungen zeigte sich, dass die Delegierten trotz der Länge des Kongresses sehr rasch und zielgerichtet verhandelten”, berichtet Prof. Maximilian Lanzinner, Leiter der Arbeitsstelle.

Auch die Mär von der Ohnmacht des Reiches bestätigte sich nicht: Gleichberechtigte Partner verhandelten auf Augenhöhe. „Das jahrelange Ringen um Frieden lohnte sich: Das Ergebnis des Kongresses sorgte immerhin rund 150 Jahre für stabile politische Verhältnisse in Europa.”
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