Klinikum: Plakative Protestaktion der Laborkräfte

Von: Oliver Schmetz
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Freundlicher Auftritt: RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg nimmt den Protest der Laborkräfte mit Humor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Mitglieder des Aufsichtsrats müssen höllisch aufpassen, dass sie den Mitarbeitern nicht ins Gesicht treten. Schließlich stehen die Beschäftigten aus den Laboren des Klinikums nicht nur auf dem langen Flur vor dem Konferenzsaal Spalier, sondern liegen auch Kopf an Kopf auf dem Boden - wenn auch nur als Porträtfotos.

Rund hundert große Gesichter sind es, auf Pappe geklebt, versehen mit kurzen biographischen Daten: „Monika D., 25 Dienstjahre” steht da zum Beispiel. Oder: „Susanne S., 30 Dienstjahre.”

Für die Aufsichtsratsmitglieder wird der Weg durch das Spalier damit zu Spießrutenlauf und Balanceakt gleichermaßen - zumindest für die meisten. Ist eben ein komisches Gefühl, einfach mit den Füßen auf den Gesichtern von Menschen herumzutrampeln, über deren Zukunft man kurz danach entscheiden soll. Da setzt man die Schritte lieber vorsichtig, sucht die wenigen freien Flecken - bevor sich der Balanceakt hinter verschlossenen Türen fortsetzt. Bis in den Abend berät das Gremium darüber, ob das Zentrallabor des Uniklinikums und das Labor der Klinischen Chemie privatisiert werden sollen - ein Ergebnis wird an diesem Tag nicht bekannt.

Die rund hundert Betroffenen, die sich um ihre Arbeitsplätze sorgen, fühlen sich dennoch ernst genommen. Denn der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Robert Gossink, nimmt sich vor der Sitzung Zeit für ein Gespräch mit Karin Lentzen und Beate Speldrich, die den plakativen Protest der Laborkräfte organisiert haben. „Ganz neutral” sei der Austausch verlaufen, erzählt Lentzen später, die dem Aufsichtsrat bei dieser Gelegenheit 4801 Unterschriften überreicht - allesamt Menschen, die sich gegen die geplante Privatisierung ohne jeden Bestandsschutz für die Mitarbeiter aussprechen.

Helmut Lemaire, Personalratschef im Klinikum, findet Gossinks Geste bemerkenswert. „Er zeigt viel Verständnis für die Betroffenen. Dass er mit ihnen redet, ist klasse.” Dies habe der Vorstand des Hauses, der die Privatisierung betreiben wolle, bislang nicht für nötig befunden. „Unser Vorstand hat den Bezug zur Basis verloren”, urteilt der Personalrat. „Wir haben hier ein Managementproblem.”

Klasse findet es der Personalrat in diesem Zusammenhang, dass der Vorstand mit seinen Privatisierungsplänen gerade an anderer Stelle einen Dämpfer erhalten habe. Denn die Überprüfung etlicher Bereiche des Betriebscenters - darunter Wäscherei, Gärtnerei, Bettenzentrale, Näherei, Druckerei - habe ergeben, dass die dortigen Kollegen wirtschaftlicher arbeiteten, als dies private Anbieter könnten. Lemaire: „Das sind 150 Mitarbeiter, die in Sachen Privatisierung jetzt außen vor sind.”

Die besorgten Laborkräfte tröstet das in diesem Moment allerdings nicht. Sie sind eben noch nicht außen vor und setzen nach dem morgendlichen Protest auch am Abend noch auf das Prinzip Hoffnung - und darauf, dass auch künftig keiner auf ihnen herumtrampeln möge.
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