Jäger der digitalen Spuren: IT-Sicherheit studieren

Von: Benjamin Dürr, dpa
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Wer IT-Sicherheit studiert, schaut sich Computer im Detail an: Dazu muss das Gehäuse des Rechners auch einmal aufgeschraubt werden. Foto: dpa

Balingen. Wenn Rainer Belz nach einem Mörder fahndet, dann sucht er nicht die Tatwaffe. Kommisar Belz wertet bei der Polizei in Esslingen bei Stuttgart die Handys und Computer der Verdächtigen aus: „Wir verfolgen digitale Spuren und klären so Verbrechen auf”, sagt er.

Seit gut einem Jahr ist Rainer Belz außerdem im Fernstudiengang Digitale Forensik eingeschrieben. Es ist der erste Studiengang im deutschsprachigen Raum, der Experten auf diesem Gebiet ausbildet. Sie ermitteln später bei der Polizei, spüren Kinderpornografie auf oder kümmern sich in großen Konzernen um die Sicherheit von Computer-Netzwerken.

Fachleute, die sich mit IT-Sicherheit auskennen sind gefragt wie noch nie - ihre Arbeit wird wohl noch an Bedeutung gewinnen. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Baden-Württemberg hat deshalb den berufsbegleitenden Master-Studiengang Digitale Forensik vor einem guten Jahr geschaffen.

„Wir bieten eine umfassende Ausbildung an”, erklärt Steve Kovács, Leiter des Studiengangs. Auf dem Stundenplan stehen juristische Grundlagen des Strafrechts, denn auch ein Computer-Cop muss bei den Ermittlungen im Internet die Gesetze kennen. Hinzu kommen Informatik und Programmieren: „Um Täter überführen zu können, muss man die Tricks der Hacker selbst kennen”, sagt Kovács. Auch Themen wie Wirtschaftskriminalität und das Aufschrauben von Festplatten kommen in den sechs Semestern des Fernstudiums vor. Voraussetzung für die Zulassung zum Studiengang Digitale Forensik ist ein Jahr einschlägige Berufserfahrung.

Die Möglichkeiten nach dem Abschluss sind vielfältig: Viele der Studenten arbeiten als Kommissare bei der Polizei oder den Landeskriminalämtern. Bei nahezu jedem Mord und jeder Entführung würden die digitalen Daten von Handy, Laptop oder Navigationsgerät von Tätern oder Opfern nach Spuren durchsucht, erklärt Horst Haug vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg. „Es gibt heute kaum noch Delikte, bei denen keine elektronischen Geräte ausgewertet werden.” Die Arbeit der Spezialisten werde immer wichtiger.

Nicht nur bei der Polizei landen Computer-Forensiker - auch Unternehmen suchen Sicherheitsexperten, denn Cyber-Angriffe, Kreditkarten-Betrug und Spionage häufen sich. Konzerne schaffen deshalb eigene Abteilungen, die digitale Mauern gegen Viren bauen. Doch bisher fehlten in diesem Bereich Experten, warnt Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom. „Spezialisten für IT-Sicherheit sind schwer zu finden.” Die Nachfrage betreffe alle Wirtschaftsbereiche und werde immer größer. Die Job- und Zukunfts-Aussichten für Absolventen sind also bestens.

Neben dem Master-Studiengang Digitale Forensik in Süddeutschland gibt es weitere Wege in die Branche. Der internationale Berufsverband der EDV-Revisoren und IT-Sicherheitsmanager (ISACA) bietet Weiterbildungen für Informatiker an. Diese Ausbildung richtet sich allerdings an Fachkräfte, die bereits Erfahrung haben.

Mehrere Hochschulen haben sich spezialisiert: So bietet die Fachhochschule Offenburg den Bachelor-Studiengang „Unternehmens- und IT-Sicherheit” an. Studenten lernen in sieben Semestern unter anderem Betriebssysteme und Risikomanagement kennen. Auch die Ruhr-Universität Bochum bildet Experten aus. Hier gibt es etwa „IT-Sicherheit” als Bachelor- und Masterstudiengang.

Auch die Polizei in den jeweiligen Bundesländern hat eigene Akademien, die jedoch nur Beamte weiterbilden - keine Berufsanfänger. Anders dagegen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Die einzige nationale IT-Sicherheitsbehörde in Deutschland bildet etwa IT-Systemelektroniker aus. Gesucht werden aber vor allem FH- und Hochschulabgänger: „Unsere Mitarbeiter haben ihr Studium in den unterschiedlichsten Fachrichtungen absolviert, von Informatik, Ingenieurwissenschaften bis zu Betriebs- oder Geisteswissenschaften”, erklärt BSI-Sprecher Tim Griese.

Das BSI versucht, die Computer-Sicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Die Mitarbeiter beraten etwa die Bundesverwaltung und die Regierung, unterstützen Unternehmen und helfen Bürgern. „Entsprechend vielfältig sind auch die Fähigkeiten und Interessen der Mitarbeiter”, sagt Tim Griese. Wichtig seien eine Affinität zum Themenfeld IT-Sicherheit, technisches und politisches Verständnis und eine dienstleistungsorientierte Einstellung. Absolventen bekommen bei der BSI - oder im Innenministerium - eine unbefristete Stelle, die nach den Tarifen des öffentlichen Dienstes vergütet wird.

IT-Experten bei der Polizei oder in der Wirtschaft

Bisher stehen Nachwuchskräfte der IT-Sicherheit bei der Ausbildung vor der Wahl: Öffentlicher Dienst oder freie Wirtschaft? Die Polizei-Behörden bilden Computer-Forensiker aus den eigenen Reihen in Akademien aus, Voraussetzung dafür ist die vorherige Ausbildung bei der Polizei. Nach Studiengängen wie in Bochum oder Offenburg hingegen kommen Absolventen eher bei Unternehmen unter. Dort liegen die Schwerpunkte eher auf Netzwerksicherheit und Wirtschaftskriminalität. Der Master-Studiengang Digitale Forensik versucht, beide Felder zusammenzubringen.

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