Aachen - Im Rabental sind die Grünen ganz allein

Im Rabental sind die Grünen ganz allein

Von: Joachim Rubner und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Am Ende standen die Grünen ganz alleine mit ihrer Initiative, das Rabental zwischen Gut Melaten und dem Campus Melaten möglichst optimal vor Eingriffen in die Natur zu schützen. Im Umweltausschuss wie auch im Planungsausschuss zogen sie bei den Abstimmungen deutlich den Kürzeren.

Der bogenförmige Boulevard, der künftig das neue Hochschulerweiterungsgebiet erschließen soll, wird demnach im südlichen Campus-Bereich das Rabental durchschneiden, bevor er wieder auf die Forckenbeckstraße trifft. Die Grünen hatten eine andere Straßenführung angeregt - zwischen dem Gebäude des „Advanced Microelectronic Center Aachen” (Amica) und den benachbarten Physikgebäuden hindurch und damit weiter von der Naturnische Rabental entfernt. Doch damit scheiterten sie am Widerstand der übrigen Parteien.

Besorgte Amica-Forscher

Beide Varianten stellten Eingriffe in das Rabental dar, und die Unterschiede seien „gar nicht so gravierend”, ging beispielsweise Norbert Plum, planungspolitischer Sprecher der SPD, auf Distanz zu seinen „grünen Freunden”. Und Marcel Philipp, OB-Kandidat der Christdemokraten, merkte nüchtern an, dass „sehr viel mehr Gründe gegen den Grünen-Vorschlag” sprächen.

In erster Linie dürften da vor allem die Bedenken der AMO GmbH zu nennen sein, die im Amica-Gebäude ein Nanotechnologie-Labor betreibt, in dem empfindlichste Messungen vorgenommen werden. Nach den Plänen der Grünen verliefe der Boulevard „deutlich zu nahe an unserem Gebäude”, schreiben die Forscher in einer Stellungnahme. Dies würde zu „signifikanten Betriebseinschränkungen durch Vibrationen” führen. Kurz gesagt: Gegen diese Pläne würde man „definitiv Widerspruch einlegen”. Im Übrigen ist auch die jetzt beschlossene Variante aus Amica-Sicht nicht unproblematisch, weil immer noch nicht weit genug entfernt.

Einstimmig brachte der Planungsausschuss dann den Bebauungsplan für den Campus auf dem Areal zwischen Seffenter Weg, Septfontainesweg, Willkommsweg, Rabentalweg, Sommerfeldstraße und Steinbachstraße auf den Weg. Dabei soll die Verwaltung mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) Qualitätsstandards für die städtebauliche und architektonische Gestaltung des Campus vertraglich fixieren. Außerdem sollen ein Parkraumkonzept und ein Modell zur Einführung des Jobtickets für die künftigen Campus-Beschäftigten - von bis zu 5000 Arbeitsplätzen ist da die Rede - erarbeitet werden. Und nicht zuletzt soll das neue Hightech-Areal mittelfristig an ein innovatives ÖPNV-System angebunden werden.

Möglicherweise kann der problematische südliche Bereich des Boulevards auch erst später gebaut werden, damit die Eingriffe in die Natur erst dann erfolgen, wenn sie auch nötig sind. Das hängt davon ab, von welcher Seite aus der Campus „vollläuft”, wo sich also zuerst Firmen und Forschungseinrichtungen ansiedeln. „Da gibt es Spielräume, und der BLB ist auch bereit, diese zu nutzen”, erklärte Planungsdezernentin Gisela Nacken.

Keine großen Spielräume soll es dagegen beim Campus-Hochhaus geben, mit dem sich die RWTH einen repräsentativen Platz im Stadtbild verschaffen will. Denn die Politik legte sich nicht nur einstimmig auf einen Kompromiss-Standort in der Nähe des Septfontainesweg fest, sondern verfuhr bei der Frage nach der Höhe des Hauses auch nach dem Motto „Wenn schon, denn schon”: Maximal 70 Meter darf das Gebäude messen, aber auch nicht weniger als 50 Meter hoch werden - ein richtiges Hochhaus eben.

Allerdings ist im Bebauungsplan auch festgelegt, dass das Hochhaus nicht in die Breite wachsen kann. „Was für ein Klotz kommt da hin?”, hatte ein Anwohner aus Seffent in der Einwohnerfragestunde besorgt gefragt. Antwort: Keiner. Denn die Grundfläche des Hochhauses darf maximal 22 mal 18 Meter betragen. Und das nennt man dann eher einen Turm.
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